Monatsrückblick Juli 2026: Feiern, ackern, hinschauen

 

Im Juni hat mich der Fluss getragen. Ich bin aufs Floß gesprungen, habe mich treiben lassen und dem Papierschiffchen nachgeschaut, wie es in die Weite des Meeres zog. Und jetzt? Jetzt stand ich im Juli auf einem echten Schiff, auf einem echten Fluss und ausgerechnet der hatte zu wenig Wasser, um mich zu tragen. Manchmal schreibt das Leben die schönsten Metaphern selbst und dreht sie einem dann mit einem Augenzwinkern um. Es war ein Monat voller Kreativität, voller Schaffenskraft, voller Erfolge, die ich feiern durfte und mittendrin ein Blick auf etwas, das mir Sorgen macht. Ich nehme dich heute mit auf beide Seiten meines Monatsrückblicks. s. Komm, begleite mich ein Stück.

Dieser Rückblick folgt wieder dem Format 7 Gedanken von Linda Kunze, das mir seit Mai so gut liegt und im Juni einfach aus mir herausgeflossen ist.

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Sonnenaufgang über der Donau, an der gerade Niedrigwasser herrscht.

Gedanke 1 – Eine Beobachtung: Ein Fluss, der nicht mehr trägt

Eigentlich sollte die ursprüngliche Route Wien, Bratislava und Budapest sein. Drei Städte, ein Fluss, ich mittendrin. Aber die Donau hatte andere Pläne. Zu niedrig der Pegel, zu wenig Wasser, um das Schiff bis Budapest zu tragen. Also fuhren wir bis Wien nochmal zurück, um zu erfahren, dass wir eingekesselt sind und dann nochmal zurück nach Wien. Von dort kamen wir zumindest mit dem Bus nach Bratislava. Aber mal ehrlich, ein Fluss, der nicht mehr trägt?! Das musste ich jetzt im Rückblick erst noch einmal sacken lassen. Es war heiß. So richtig. Und auf den Ausflügen vom Schiff in Dürnstein, Krems, Wien und Bratislava sah ich etwas, das mir seit Jahren immer öfter begegnet und das ich langsam nicht mehr wegschieben kann: braun vertrocknete Bäume. Mitten im Sommer. Kahl geschorene Rasenflächen, die längst keine Rasenflächen mehr sind, sondern trockene Einöden. Bäume, die aus reinem Selbstschutz schon jetzt ihre Blätter abwerfen, um nicht komplett zu verdursten. Ein Anblick, den man sonst nur aus dem Herbst kennt. Das fing vor wenigen Jahren an. Inzwischen beobachte ich es jeden einzelnen Sommer. Es ist Normalität geworden. Und wer bei dem kühlen Juni gedacht hat „Klimawandel? Ach was!“ Sorry, aber wie viele Warnschüsse brauchen wir noch?

Und jetzt kommt der Teil, an dem ich ehrlich mit mir werden muss. Ich stand da auf einem Kreuzfahrtschiff, das mit seinen Abgasen genau die Luft verpestet, über deren Folgen ich mich hier gerade so schön empöre. Ich bin ja selbst Teil des Ganzen. Wie soll ich da mit erhobenem Zeigefinger dastehen? Kann ich nicht. Will ich auch nicht. Aber ich schaue genauer hin, werde mir des Widerspruchs bewusst und nehme ihn für mich mahnend mit.

Gedanke 2 – Eine Erkenntnis: Wenn die kreative Explosion einfach kommt

Nur eine Erkenntnis? Diesen Monat nicht. Diesen Monat platzt es aus allen Nähten. Ich habe in den letzten Wochen 11 Artikel für 14 Blogparaden geschrieben. Elf! Und das, obwohl die letzte Woche Urlaub war und ich dafür eine Zwangspause einlegte. Die Themen der Blogparaden waren alle so inspirierend, dass mir die Ideen nur so zugeflogen sind. Ein Ideengewitter nach dem anderen. Und das Schönste daran: Es hat so unglaublich viel Spaß gemacht, auch mal Artikel außerhalb meiner fachlichen mehr aus der persönlichen Sicht zu schreiben. Nicht immer nur Wildkräuter, sondern auch mal ich, mal Persönliches, mal etwas ganz Neues. Danke an alle, die mit ihren Themen dieses Feuerwerk in meinem Kopf gezündet haben. Ihr habt keine Ahnung, was ihr da losgetreten habt. Und dann habe ich auch noch meine allererste eigene Blogparade veranstaltet: „Mein Lieblingsrezept mit Wildkräutern“. Sechs Rezepte sind zusammengekommen, zwei Teilnahmen und ich mit meinem eigenen Lieblingsrezept mittendrin. Sechs! Für die erste eigene Runde. Ich hab mich gefreut wie eine Schneekönigin. Jippieh! 🥳

Erkenntnis: Ich muss die Kreativität nur lassen. Nicht in den Käfig sperren, nicht abwägen, nicht „Passt das?“ fragen. Einfach fließen lassen. Dann kommt sie von ganz allein.

Blogparadenaufruf: Dein Lieblingsrezept mit Wildkräutern

Gedanke 3 – Etwas Persönliches: Ein Jahr und hundert Mal geschrieben und veröffentlicht

Es gibt Tage, die bleiben. Der 7. Juli 2026 ist so einer. An dem durfte ich nämlich meinen ersten Bloggeburtstag feiern. Ein ganzes Jahr WildKrautBraut. Ein Jahr Korb packen, rausgehen, sammeln, schreiben, zweifeln, weitermachen. Ein Liebesbrief an dieses erste Jahr musste einfach sein. Und keine Woche später, am 13. Juli, habe ich meinen 100. Blogartikel veröffentlicht. Einhundert. Wenn ich an den Anfang zurückdenke, an das zaghafte erste Tippen, an das „Liest das überhaupt jemand?“ und dann stehe ich hier bei hundert Artikeln und einem ganzen Jahr. Manchmal wird einem erst rückblickend klar, wie weit man eigentlich gekommen ist. Mein Kokon hat im Juni Risse bekommen. Im Juli spüre ich, wie sich die Flügel weiter entfalten.

Gedanke 4 – Ein Satz, der hängen geblieben ist

Sonst ist es ja ein Satz, der hängen bleibt. Diesen Monat ist es eine Zahl. Genau genommen sind es ein paar. Am 17. Juli hatte ich 90 Klicks in der Google Search Console. Neunzig! Und weißt du, was das Verrückte ist? Am Anfang des Jahres habe ich mich über 5 gefreut. Über 10 gejubelt. Innerhalb von sieben Monaten hat sich das nahezu verzehnfacht. Lies das nochmal! Verzehnfacht!!! Dazu 25 Kommentare im Juli. So viele wie noch nie. Die vielen Blogparaden-Artikel haben ganze Gesprächsfäden gesponnen und plötzlich war hier so viel los wie nie zuvor. Ja, die reinen Besucherzahlen und Seitenansichten sind gegenüber dem Juni sogar leicht zurückgegangen. Und trotzdem – oder gerade deshalb – fühlt sich dieser Monat an wie einer meiner reichsten. Zahlen sind nicht alles. Aber manche Zahlen erzählen eben doch eine kleine Wachstumsgeschichte. Und diese hier feiere ich.

Gedanke 5 – Etwas, das sich verändert hat: Zahlen und ich

Weißt du noch, im Mai? Da habe ich mich gefragt, ob ich meine Rückblicke überhaupt schreiben soll, weil ich einfach kein gutes Feeling hatte, ständig über Zahlen zu reden. „Ein Rückblick soll persönlich sein. Zahlen sind für mich nicht persönlich“, habe ich damals geschrieben. Und jetzt sitze ich hier und feiere meine 90 Klicks, als wären es Geburtstagskerzen. Was hat sich geändert? Ich glaube, meine Zahlen sind endlich persönlich geworden. Sie sind nicht mehr das kalte Damoklesschwert über mir, sondern die Spur, die ich hinterlassen habe. Jede Zahl ein Schritt. 1. Geburtstag, 25 Kommentare, 90 Klicks und 100.ster Blogartikel. Jeder Klick ein Mensch, der kurz stehen geblieben ist. Jeder Kommentar ein Gespräch. 100 Blogartikel 100 Schritte in die richtige Richtung. und mein erster Bloggeburtstag hinterlässt eine ganze Spur an Schritten. So darf ich das sehen. So will ich das sehen. Einfach mal so. Weil es sich in diesem Moment gut anfühlt.

Und noch etwas hat sich verändert: Ich traue mich, über mehr zu schreiben als über Wildkräuter. Über mich. Über Verlust und Aufbruch. Über einen Fluss, der nicht mehr trägt. Über persönliche Erkenntnisse, Erinnerungen, Düfte, Farben oder Geschmäcker, die mich in die Kindheit zurückversetzen und die sich nach Geborgenheit anfühlen. Oder Märchen, die Missstände aufzeigen, die bis heute nicht aus der Welt geschafft worden sind und noch immer rollende Augen heraufbeschwören. Die Welt darf sich auch mal um mich und meine Gedanken drehen, ohne dass ich mich dafür schämen muss.

Gedanke 6 – Etwas, das überrascht hat: Eine Pause, die keine war

Ich hatte diesen Urlaub als Zwangspause im Kopf. Eine Woche weg, kein Schreibtisch, kein Rhythmus – „na, das wird die Statistik schon drücken“, dachte ich. Und dann? Elf Artikel trotzdem. Ein voller Monat trotzdem. Die Pause hat mich nicht ausgebremst, sie hat mir Luft zum Atmen gegeben. Sonst hätte ich mir wahrscheinlich gedanklich einen Wolf gelaufen. Die eigentliche Überraschung aber ist eine leise: Dass ausgerechnet der Monat, in dem meine Besucherzahlen ein bisschen sinken, sich anfühlt wie mein bisher erfolgreichster. Ich hätte früher gedacht, Erfolg heißt: Kurve geht hoch, immer, überall. Heute weiß ich, Erfolg kann auch heißen: mehr Gespräche, mehr Mut, mehr Freude am Schreiben, ein Geburtstag, ein hundertster Artikel. Wer hätte das gedacht. Ich jedenfalls nicht.

Gedanke 7 – Ein Ausblick oder eine Frage: Der Fluss füllt sich (hoffentlich) wieder

Flüsse haben niedrige Pegel. Und dann kommt (hoffentlich) irgendwann der Regen, und sie füllen sich wieder und tragen die Schiffe weiter. Genau da bin ich gerade. Ich sehe schon die nächsten Ideengewitter am Horizont ziehen, spüre die nächste kreative Explosion in den Fingern kribbeln und freue mich darauf wie ein Kind auf den ersten Regen nach Wochen der Trockenheit.

Und eins darf auf keinen Fall mit in den nächsten Monat gehen, ohne dass ich es dir noch sage: Meine Blogparade „Mein Lieblingsrezept mit Wildkräutern“ läuft noch bis zum 2. August. Wenn du also ein Wildkräuter-Lieblingsrezept in der Schublade hast, wirf es in meinen Fluss, ich freu mich drauf. Aus sechs Rezepten dürfen gern noch ein paar mehr werden.

Ich schaue dem Papierschiffchen noch einen Moment nach, wie es weiterzieht, mal an einem Stein hängen bleibt, der inzwischen aus dem Flussbett ragt. Bleibt es liegen oder wird es weiter getrieben? Der nächste Regenguss wird es zeigen.

Grüne Grüße Inga


Bilder

Alle Bilder sind selbst fotografiert und teilweise erwerbbar bei: shutterstock.

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Wichtige Hinweise

Alle publizierten Inhalte in diesem Artikel sind sorgfältig recherchiert, in meiner Ausbildung zur Kräuterpädagogin erlernt und nur als Anregung und zur Unterhaltung gedacht. Sie können den Arztbesuch nicht ersetzen, den ich bei körperlichen Beschwerden immer empfehle. Kräuter, Bäume und Pilze, die ich hier vorstelle, sammle und verarbeite ich für den Eigengebrauch. Bei Zweifel oder Unsicherheiten rate ich, sich an Experten, gerne an mich, zu wenden oder im Rahmen einer Wildkräuterwanderung unter Aufsicht des Kräuter- und Pilzkundigen zu sammeln. Im Zweifel stehen lassen.

Alle Inhalte und Fotos in diesem Artikel werden ausschließlich von mir produziert und dürfen nur nach Absprache und mit meiner Zustimmung von Dritten verwendet werden.

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