Mein aktuelles Kapitel: Liebe, Verlust und Aufbruch – 100ster Blogartikel

Hundert. 100. Das ist der Artikel, den du gerade liest. Mein hundertster!!!

Und während ich sitze und darüber schreibe, steht in meinem Beitragsregister noch die Zahl 99. Ich sehe es sicher erst, sobald ich den Artikel veröffentlicht habe. Aber ich kann es trotzdem kaum glauben. Vor einem Jahr hätte ich das niemals erwartet. Erst am 7. Juli habe ich meinen ersten Bloggeburtstag gefeiert und schon schleudert mich das nächste Jubiläum in den nächsten Strudel. Ich bin stolz, ein bisschen verwundert, und irgendwie fühlt sich das alles noch unwirklich an. In meinem Bloggeburtstags-Liebesbrief hatte ich es bereits mit „ein weiteres rundes Ereignis“ angedeutet, das schon seine Schatten vorauswirft. Ich war also eigentlich darauf vorbereitet. Aber unglaublich, nun ist es wirklich so weit. Hier ist es. Genauso ohne große ausladende Schleife wie mein Bloggeburtstagsgeschenk. Wieder ein geschenkter Artikel zum Jubiläum. Auspacken erlaubt.

Zwei liebe Blogkolleginnen haben mir gerade die perfekten Worte für diesen Moment geliehen. Bettina Verheyen fragt in ihrer Blogparade: Wenn dein Leben ein Buch wäre – wie würde das aktuelle Kapitel heißen? Und Gabi Kremeskötter lädt ein, über Liebe, Verlust und Aufbruch zu schreiben. Als ich beide Aufrufe las, war mir klar: Das ist ein und dasselbe Kapitel. Meins. Und es heißt genau so: Liebe, Verlust und Aufbruch.

100. Blogartikel - Mein aktuelles Kapitel: Liebe, Abschied, Aufbruch

Liebe: Wie aus grüner Liebe ein Weg zurück zu meiner ersten Liebe wurde

Nur über meine Liebe zu Wildpflanzen zu reden, ist zu kurz gegriffen. Ja, sie sind eine meiner Lieben, aber sie führten auch wieder zurück zu meiner ursprünglichen Liebe zurück. Denn in der Schule merkte ich schon im Deutsch Leistungskurs, dass ich gerne schreibe. Aber eines nach dem anderen.

Der Ursprung meiner Kräuterliebe

Angefangen hat mein momentanes Kapitel mit einem Waldbadenkurs im Frühling 2024. Alles grünte und spross, und in mir entsprang eine tiefe Sehnsucht nach mehr Grün in meinem Leben. Mehr Draußen. Mehr Wildkräuter. Freund:innen fragten immer mich, wenn sie etwas möglicherweise essbares auf ihren Spaziergänge fanden. Also wurde mir die Richtung meines grünen Weges schnell klar. Der Weg führte mich zur Kräuterpädagogik, meiner ersten großen Liebe. Ich wollte genauer wissen, was da noch unbekanntes am Wegesrand wächst, was essbar ist, was heilt, was Geschichten erzählt. Da inzwischen beide Großeltern verstorben sind, hatte ich niemanden mehr zum Fragen: Kann ich das essen? Und was kann man daraus machen? Genau dieses vorhandene Wissen hat meine Ausbildung zur Kräuterpädagogin vertieft. Der Blog war damals nur ein Same in meinem Kopf, während ich für die Ausbildung Wildpflanzen katalogisierte und fleißig Ausarbeitungen für 31 Pflanzen schrieb.

Und über diese erste Liebe habe ich eine zweite entdeckt, mit der ich überhaupt nicht gerechnet hatte: die Liebe zum Bloggen. Zum Schreiben, wie mir der Mund gewachsen ist. „Blog like nobody’s reading“, dieser Satz meiner Mentorin, Judith Peters, hat mich anfangs erschreckt. Aber das große Gewitter, das ich jedes Mal befürchtete, wenn ich schreibe, wie ich denke, blieb trotzdem aus. Aus „ich schreib das mal eben auf“ wurde ein Spielplatz mit Matschecke, an den ich immer wieder mit Vorfreude zurückkomme und am Ende staune, was so schönes herauskommt.

Wiederentdeckung meiner alten Liebe

Es gab da einen Moment, der mein Fundament verstärkt hat. Ich war schon dabei, meine Website aufzubauen und war noch mitten in der Ausbildung zur Kräuterpädagogin. Ende Juni, an einem letzten Präsenzwochenende vor unserer Kräuterpädagogik-Prüfung, sagte meine Dozentin Anna Schuster von pimpinellalab.de bei einer meiner ersten Probewanderungen zu mir: Ich könne so schön bildhaft erzählen, ich solle Geschichtenerzählerin werden.

Ich?!?! Ausgerechnet ich dachte immer, ich erzähle viel zu wenig. In meinem Job komme ich schnell auf den Punkt und rede nicht lange um den heißen Brei herum. Aber Annas Satz hat etwas in mir bestärkt: dass der Blog, den ich gerade für die Prüfung aufbaute, genau das richtige Instrument war, um meiner bildhaften Sprache Ausdruck zu verleihen. Und Anna hat so recht behalten. Ich liebe es inzwischen, so zu schreiben, wie es mir gerade in den Kopf kommt, in Bildern und Erinnerungen. Wenn dir das genauso gefällt, dann abonniere doch gern meinen Newsletter. Ich höre so schnell nicht auf mit meinen Geschichten. Ich habe ja gerade erst angefangen.

Die Menschen, die mein Kapitel mitschreiben

Bettina fragtin ihrer Blogparade, welche Menschen in diesem Kapitel eine Rolle spielen. Und Gabi zählt „Liebe zu einem Menschen“ ausdrücklich mit dazu. Also gut. Denn ohne die folgenden Menschen wäre mein Fluss nur ein Rinnsal, das nicht weit weg von der Quelle bereits versiegt.

Mein Traumprinz – Anker und Fels in der Brandung

Allen voran mein Traumprinz. Mein Anker, mein Fels in der Brandung, der durch alle Höhen und Tiefen treu an meiner Seite steht. Er hört sich meine Gedanken an, gibt nur auf konkreten Wunsch einen Rat und redet mir nie rein. Er lässt mich meinen eigenen Weg finden und gibt nur hier und da ein wenig Hilfestellung. Dabei hat er sich früher null für Wildpflanzen interessiert und leidet jeden Sommer unter einer Gräserpollenallergie. Und trotzdem geht er mit mir raus, entdeckt mit mir, entwickelt Rezepte mit und lässt sich von meinen Ideen mitreißen. Wenn das keine Liebe ist.

Mein Glückskind und mein Bonuskind

Meine Kinder zeigen sich offen für alles, was ich Neues in der Küche zaubere. Sie probieren alles, auch wenn es nicht immer schmeckt, und pushen mich obendrein in den sozialen Medien, die mir nicht unbedingt liegen. Aber sie geben mir damit das Gefühl, einen wertvollen Beitrag zu leisten.

Familie: Schwager und Schwiegereltern

Mein Schwager, Paul, pusht mich ebenfalls kräftig auf den Instas und WhatsApps dieser Welt, obwohl Wildkräuter nicht unbedingt sein Thema sind. Dafür immt er mich auf Wanderungen mit. Uns verbindet die Liebe zur Bewegung an der frischen Lusft. Danke an dich, Paul. Und meine Schwiegereltern, die Eltern meines Traumprinzen, konnte ich mit meinem Wissen tatsächlich begeistern und ein Stück weit bekehren: Bei ihnen bleiben die Gänseblümchen jetzt einfach stehen, der Rasen darf wachsen und für mehr Abkühlung im Garten sorgen (davon habe ich in meinem letzten 12 von 12 im Juli berichtet). Und sie essen inzwischen bereitwillig und immer öfter meine Kräuterkreationen mit und ernähren sich seit einiger Zeit Schritt für Schritt gesünder. Hut ab, das zeigt mir, dass man auch nach Jahrzehnten, Ansichten und Routinen ändern kann.

Freundinnen: Alina und Michi

Dann sind da Freundinnen, die mit mir die Kräuterwelt entdecken. Alina, die lange Zeit für sich gebraucht hat. Ich habe sie in dieser Zeit sehr vermisst. Über die Kräuter und unsere gemeinsame Liebe zur Natur haben wir wieder zueinandergefunden. Ich freue mich so, dass wir wieder verbunden sind. Und Michi, die schon immer an Kräuterwanderungen interessiert war. Mit ihr habe ich an einem Mädelswochenende meine allererste Kräuterwanderung gemacht, noch bevor ich überhaupt meine Ausbildung zur Kräuterpädagogin begann. Heute tauschen wir uns über Teemischungen aus, und sie versorgt mich über den Kräuterhändler ihres Vertrauens mit getrockneten Kräutern und Gewürzen. Danke an dich, liebe Michi.

Raphaela und Peter

Und schließlich Raphaela und ihr Peter, die ich erst seit Kurzem kenne. Rapha und mich verbindet dieselbe Kräutermanie und die Liebe zur Zubereitung von Wildkräutergerichten und kleinen Hausmitteln. Ein besonderes Erlebnis war mein Besuch in Raphas Heimat Anfang dieses Sommers: Sie hat mir die Gegend und ihre Lieblingssammelstellen gezeigt. Diese Tage waren so übervoll an Kräuter- und Wilderdbeerfunden und an tiefen Gesprächen. Sie waren so intensiv und wegweisend, ich werde sie nie vergessen. Über Rapha kam auch der Kontakt zu Peter zustande, der mir wertvolle Tipps zur Optimierung von Website und Blog gegeben hat. Aus diesem Anlass gab es im März einen großen Frühjahrsputz. Und es werden nicht die letzten Aufräumaktionen sein, mir fallen immer wieder neue Kniffe ein. Peter gab mir außerdem den letzten Anstoß, mein Logo zu finalisieren: Aus eckig wurde rund. Seitdem läuft es im wahrsten Sinne rund.

Verlust: Abschied vom Newbie-Status

Und der Verlust? Der ist klein, aber er ist da. Mit meinem hundertsten Artikel verliere ich meinen Newbie-Status. Diese ersten Monate, in denen alles neu und aufregend war, in denen jeder veröffentlichte Artikel ein kleines Wunder schien, die sind jetzt vorbei. Ich bin keine blutige Anfängerin mehr. Laut TCS, meiner Bloggercommunity, zählte ich schon nach dem 52. Artikel zum erlesenen Kreis der fortgeschrittenen Blogger:innen, aber so richtig wahrhaben und für mich annehmen kann ich es erst jetzt. Beim 100sten. Meinem hundertsten Blogbeitrag. Ich bin nun aber auch wirklich wirklich (das steht bewusst doppelt) keine Anfängerin mehr. Und ja, ein winziger Teil von mir trauert dieser staunenden Anfangszeit hinterher. Aber weißt du was? Das ist so ein Verlust, der im Rückblick nur Positives gebracht hat. Denn hinter dem Newbie-Status steckt genau das: Ich bin gewachsen und ich wachse weiter. Aus fünf ersten Babies – Erle, Ahorn, Linde, Beifuß und Rosskastanie sind hundert Artikel geworden. Verlieren fühlt sich selten so sehr nach Gewinnen an. Daher kann ich es auch bewusst kurz halten. Die Freude überwiegt.

Aufbruch: weiter im Fluss

Bleibt der Aufbruch. Und der ist bei mir kein großer, dramatischer Neuanfang, sondern eher ein beherztes Weiter. Wie eine kurze Rast bei einer Wanderung. Kurz innehalten, Füße hochlegen, stärken und dann kann es mir neuer Kraft weiter gehen. Zum Gipfel?? Nein, dann würde diese Wanderung ja irgendwann enden, aber das soll sie vorerst nicht. Momentan betrachte ich diesen Weg als eine Wanderung mit vielen Zwischenzielen und irgendwann mal bleibe ich stehen. Der Moment des Faust’s „Verweile doch, du bist so schön!“ mag irgendwann kommen, aber im Moment fühlt er sich eher wie eine Insel an, die im reißenden Strom standhaft stehen bleibt. Möge ich nicht so bald an eine Staumauer gelangen, dann, wehe der Staumauer, kann ich für nichts garantieren. Ich will meine Kräuterliebe und meine Blogliebe weiter wachsen lassen. Ich will in diesem Tempo bleiben, das mich selbst überrascht hat. Mein ursprünglicher Plan waren mal zwei Artikel im Monat, schön brav. So tyische Inga-Manier in ihrem alten eng gewordenen Korsett. Wie gut, dass mich der Wortfluss längst überholt hat. Ich will mein 7-Gedanken-Format weiterführen, weiter auf meinem Spielplatz mit Matschecke herumprobieren und hinter den Kulissen wächst schon Neues heran. Aufbruch ist bei mir kein Ziel, das ich abhake, sondern eine Strömung, in der ich bleibe. Gabi fragt: „Welcher Aufbruch hat dich überrascht?“ Meiner überrascht mich täglich. Dass aus einer Sehnsucht nach mehr Grün das alles hier werden konnte, dieser Blog, diese stetig wachsender Leserschaft, dieses nächste Kapitel, damit hätte ich vor einem Jahr wirklich nicht gerechnet.

Das aktuelle Kapitel – und worauf ich mich freue

Wenn mein Leben ein Buch wäre, dann trägt das aufgeschlagene Kapitel gerade diese drei Worte als Überschrift: Liebe, Verlust und Aufbruch. Die Liebe, die alles ins Rollen brachte. Der kleine Abschied, der in Wahrheit ein Wachstum ist. Und der Aufbruch, der einfach weiterläuft, im Fluss. Und wenn dieses Kapitel ein Genre hätte. Für mich ist es eine Liebesgeschichte und zwar gleich eine mehrfache: zur Natur, zum Wort und zu den Menschen, die mit mir sammeln, kochen und mich tragen. Nur dass sich zwischendurch immer wieder eine Abenteuergeschichte hineinschmuggelt, mit Streifzügen, Neuentdeckungen und dem ein oder anderen blauen Fleck.

Hundert Artikel. Es fühlt sich immer noch ein bisschen unwirklich an. Aber vielleicht muss sich Aufbruch genau so anfühlen. Und bevor ich dieses Kapitel zuklappe: Danke. Danke, dass du hier bist, mitliest, kommentierst und mal vorbeischaust. Hundert Artikel schreibt man nicht für ein leeres Zimmer, auch nicht unter dem Leitspruch „Like nobody’s reading“. Ich schreibe sie für mich, aber in erster Linie auch für dich, die/der du hier mit liest. Und ich hoffe, es bringt in dir genauso Seiten zum Klingen, wie für mich. Lass uns zusammen wieder in die Matschecke pilgern. Mir kommen schon wieder neue Ideen! ;-D

Und du? Wie würde das aktuelle Kapitel deines Lebens heißen – und welche Liebe, welcher Verlust, welcher Aufbruch stünde drin? Erzähl es mir, ich lese so gern auch andere Kapitel.

Grüne Grüße

Inga


Bilder

Alle Bilder sind selbst fotografiert.

2 Kommentare

  1. Liebe Inga,
    Glückwunsch zu 100 (in Worten: hundert!!!) Blogartikeln. Und vielen Dank für deinen Einblick in dein aktuelles (Lebens-)Kapitel.
    Als Initiatorin der Blogparade „Wenn dein Leben ein Buch wäre …“ habe ich auch selbst über mein Kapitel geschrieben. Es heißt „Angekommen“. Wer Lust hat, findet es hier: https://lektorin-bettina.de/wenn-mein-leben-ein-buch-waere-dann-wuerde-das-aktuelle-kapitel-angekommen-heissen/
    Dir, liebe Inga, viel Spaß beim Weiterschreiben – von Blogartikeln und Lebenskapiteln 🙂
    Herzliche Grüße
    Bettina

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Wichtige Hinweise

Alle publizierten Inhalte in diesem Artikel sind sorgfältig recherchiert, in meiner Ausbildung zur Kräuterpädagogin erlernt und nur als Anregung und zur Unterhaltung gedacht. Sie können den Arztbesuch nicht ersetzen, den ich bei körperlichen Beschwerden immer empfehle. Kräuter, Bäume und Pilze, die ich hier vorstelle, sammle und verarbeite ich für den Eigengebrauch. Bei Zweifel oder Unsicherheiten rate ich, sich an Experten, gerne an mich, zu wenden oder im Rahmen einer Wildkräuterwanderung unter Aufsicht des Kräuter- und Pilzkundigen zu sammeln. Im Zweifel stehen lassen.

Alle Inhalte und Fotos in diesem Artikel werden ausschließlich von mir produziert und dürfen nur nach Absprache und mit meiner Zustimmung von Dritten verwendet werden.

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