Dieser Beitrag ist mein Beitrag zur Blogparade „Welcher Duft riecht für Dich nach Sommer?“ von Jessica Maas.
Kennst du das auch? Du kommst an einen Urlaubsort und dort begleitet dich während des gesamten Aufenthalts ein Duft in der Luft, der dich nicht mehr loslässt. Zu Hause angekommen versuchst du diesen Duft wieder zu finden. In Parfums, Kosmetik oder ätherischen Ölen. Und dann auf einmal triffst du ihn zufällig an einem Menschen, in einem Restaurant, bei Freunden im Garten oder bei einem ähnlichen Zufall. So erging es mir mit der Schmalblättrigen Ölweide.
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Mallorca 2018: Ein honigsüßer Duft, der mich nie wieder losließ
Ich war mit meinem Sohn im Mai 2018 auf Mallorca. Im ruhigen Norden, Cala Mesquida. Eine kleine Bucht mit nur 2 Hotels und Wanderwegen in naher Umgebung. Täglich waren wir dort auf Tour und haben die steinigen Wanderwege für uns entdeckt. Manchmal ging es über Felsen direkt über dem Mittelmeer oder durch gelb blühende Büsche. Es wuchsen lila Blüten, die wie Krokusse aussahen, zwischen den Steinen. Und es lag immer ein Duft in der Luft, der schwer und süß roch. Er erinnerte an Honig. Ich konnte aber nie ausmachen, woher er kam. Ich habe ihn nie vergessen, da er für mich immer Sinnbild für einen unvergesslichen Urlaub in einer atemberaubenden Landschaft war.
Die zufällige Entdeckung: Silberblätter und ein Duft wie ein Schlag
Letzten Mai, war ich mal wieder auf Streifzug durch die Natur. Ich war kurz vor Abschluss meiner Ausbildung zur Kräuterpädagogin und brauchte noch Material für mein Herbarium. An unserem früheren Lieblingsbadesee fand ich mehrere Büsche mit silbernen Blättern. Ich dachte erst, es sei Sanddorn, da die Blätter ähnlich silbern schimmern. Oder eine Weide, da die Blattform eher an Weidenblätter erinnert. Als ich näherkam, sah ich, dass er eher unscheinbare gelbe Blüten trug, die sich in den vielen silbrigen Blättern regelrecht versteckten. Doch dann traf mich der Duft, wie ein Schlag. MALLORCA!! Völlig aus dem Häuschen zückte ich mein Bestimmungsbuch. Die Blüten sind radiär und haben vier Blütenblätter. Kelchblätter gibt es nicht und der Fruchtknoten ist unterständig. Das heißt, dass er sich nicht in, sondern unter der Blüte befindet. Doch in meinem Bestimmungsbuch fand ich nichts. Verwundert bemühte ich meine Bestimmungs-App und dort lüftete sich der Schleier. Da sie nicht einheimisch, sondern ein Neophyt ist, war sie auch in meinem Bestimmungsbuch nicht zu finden. Die App brachte aber Klarheit : Ich hatte eine Schmalblättrige Ölweide vor mir.


Was ist die Schmalblättrige Ölweide? Steckbrief einer unterschätzten Duftpflanze
Die Schmalblättrige Ölweide ist eine Verwandte des Sanddorns, da beides Ölweidengewächse sind. Sie stammt ursprünglich aus Asien, gelangte im 17. Jahrhundert nach Europa, ist heute häufig in der Mittelmeer-Region anzutreffen und erst 1736 nach Deutschland gelangt. Fakt ist aber, sobald die Ölweide ihre Blüten öffnet, wird ihre nahe Umgebung in einen sehr intensiven süßen Duft getaucht. Dieser Duft aus meiner Erinnerung. Unwiderstehlich! Nach intensiverer Recherche habe ich festgestellt, dass nicht nur ich ihm verfallen bin, denn auch die Parfum-Industrie hat einen Narren daran gefressen und verwendet die Blüten für die Herstellung von Düften.
Mein Mallorca-Gefühl eingefangen in einer Likör-Flasche
Ich habe bei meinem Fund fleißig von den kleinen Büschen gesammelt. Mit den ergatterten Blüten habe ich es erstmal mit einem Likör versucht. Der erste Versuch war noch etwas zu schnapsig, daher ist das Rezept noch nicht ausgereift und ich werde es in den nächsten Sammeljahren neu versuchen. Es war allerdings sehr mühselig die einzelnen kleinen Blütchen vom Baum zu sammeln, daher habe ich dieses Jahr auf einen weiteren Versuch verzichtet. Einen kleinen Schluck Likör habe ich noch und ich rieche sehr gerne daran. Er schmeckt zwar schapsig, riecht aber weiterhin genauso, wie der Urlaub auf Mallorca. So wird aus einem zufälligen Fund am Wegesrand ein kleines Stück Sommer, das ich mir in Alkohol konserviert habe, ganz ohne Flugticket.
Warum die Ölweide fast überall wächst und Bienen sie lieben
Bienen finden diesen Duft auch unwiderstehlich und sammeln eifrig den Nektar. Seit ich die Ölweide bestimmt und die Merkmale verinnerlicht habe, tauchen in Ludwigsfelde, Potsdam und Umgebung immer mehr Vertreter dieser Bienenweide auf, bzw. sie waren schon länger dort, sind mir nur noch nicht aufgefallen. Doch der Duft erreichte mich bisher nie, weil diese leider immer am Straßenrand oder auf Verkehrsinseln gepflanzt wurden, an denen man für gewöhnlich nur im Auto vorbeifährt. Dass sie auf solchen und ähnlichen kargen Flächen wachsen kann, liegt daran, dass sie, ähnlich wie die Schmetterlingsblütler, mit Hilfe von Bakterien der Gattung Frankia an ihren Wurzeln Stickstoff aus der Luft binden kann. Stickstoff ist der Wachstumsbooster für Pflanzen. Mit diesem Nährstoff produzierenden „Mitbewohner“ ist die Schmalblättrige Ölweide fähig, auf nahezu jedem Boden zu gedeihen, wovon laut Gartenbauexperten auch Nachbarpflanzen profitieren.
Essbare Früchte ab Juli: So vielseitig wie Sanddorn
Die Schmalblättrige Ölweide trägt ab Juli essbare Früchte, die in der Küche so vielseitig verwendet werden können, wie Sanddorn. Die saftigen Steinfrüchte, auf denen rundherum kleine weiße Pünktchen sitzen, schmecken wohl herb säuerlich und stecken voller Vitamin C und Mineralstoffe. Sie sollen sich gut zu Marmelade, Gelee, Kompott oder Likör verarbeiten. Ich habe letzten Winter mal eine Frucht probiert, die nahe einer vielbefahrenen Straße wuchs, die schmeckte eher nach nichts und war mehlig. Wahrscheinlich war ich zu spät dran. Vielleicht probiere ich es dieses Jahr vorsichtig nochmal. Diesmal etwas früher.


Fazit: Wenn ein Duft zur Zeitreise wird
Die Schmalblättrige Ölweide ist weit mehr als eine unscheinbare und robuste Wildpflanze am Wegesrand, sie ist für mich sogar ein sinnliches Archiv. Was mit einem unbekannten Urlaubsduft auf Mallorca begann, hat sich zu einer echten Leidenschaft für eine in Deutschland weitgehend unterschätzte Pflanze entwickelt. Die Begegnung mit ihr machte mir bewusst, wie Natur und Erinnerung untrennbar verbunden sein können: Ein Geruch reicht, um eine ganze Urlaubsstimmung wieder lebendig werden zu lassen. Gleichzeitig liefert die Schmalblättrige Ölweide praktischen Nutzen. Der reicht von ihrer Fähigkeit, auf nahezu jedem Boden zu gedeihen, bis hin zu ihren essbaren, vitamin- und mineralstoffreichen Früchten, die sich zu Marmelade, Gelee oder Likör verarbeiten lassen. Hast du sie einmal bewusst wahrgenommen, wirst du sie, so wie ich, sicher nie mehr übersehen.
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Bildnachweise
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Quellen
Markus Wichert, www.naturadb.de, Stand 28.06.2024.
Andrea M. Trautmann, www.botanikguide.de, Stand 06.09.2019.

