„Fass das nicht an, das ist bestimmt giftig!“ Diesen Satz höre ich immer wieder, wenn Eltern mit ihren Kindern an einer Wildpflanze vorbeigehen. Und irgendwie hält sich dieser eine Glaubenssatz hartnäckiger als jedes Unkraut: „Alle Wildkräuter sind giftig.“ Er gehört für mich in dieselbe Schublade wie die Vorstellung, dass Kühe lila sind. Beides sind Glaubenssätze, die entstehen, wenn wir den Bezug zur Natur verloren haben. Und beide stimmen einfach nicht. Ich zeige dir heute, warum und dass du gar nicht so viel brauchst, um es besser zu wissen.

Das Wichtigste in Kürze
- Nein, nicht alle Wildkräuter sind giftig. Die allermeisten heimischen Wildpflanzen sind ungiftig, nur ein kleiner Teil ist wirklich stark giftig.
- Der Glaubenssatz „alles Grüne ist gefährlich“ entsteht aus Naturentfremdung, nicht aus Fakten.
- Vier narrensichere Einstiegskräuter: Löwenzahn, Gänseblümchen, Spitzwegerich und Giersch (bei Giersch hilft die 3×3-Regel).
- Bestimmen ist kein Talent, sondern erlernbar, am besten am lebenden Objekt, im Kurs oder auf einer Wildkräuterwanderung.
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Woher kommt der Glaubenssatz „Alle Wildkräuter sind giftig“?
Dieser Glaubenssatz wächst auf einem sehr fruchtbaren Boden: der Naturentfremdung. Es beginnt schon in der Kindheit. „Fass das nicht an, das ist giftig“ ist gut gemeint, denn die Eltern, die das aussprechen, wollen nur schützen. Aber weil sie selbst nicht wissen, was da wächst, wird aus Vorsicht ein pauschales Misstrauen gegen alles Grüne am Wegesrand. Genau da reißt die Kette ab: Was die Eltern nicht kennen, können die Kinder nicht lernen. Dazu kommt unsere Supermarkt-Kultur. Essen kommt heute in Plastik verpackt aus dem Regal, ordentlich etikettiert, mit uns unbekannten Chemikalien gespritzt oder mit Wachs überzogen, damit es länger hält oder einfach nur schöner aussieht. Was draußen wächst, kennen wir nur noch als „Unkraut“. Und die eine dramatische Schlagzeile über eine Vergiftung tut ihr Übriges. Sie bestätigt scheinbar, dass die ganze grüne Welt vor unserer Haustür gefährlich ist. So wird aus Unwissen Angst, und aus Angst ein Glaubenssatz, der sich vererbt.
Warum ist dieser Glaubenssatz so hinderlich?
Weil er eine ganze Welt verschließt. Wer glaubt, dass alle Wildkräuter giftig sind, geht Tag für Tag an einem kostenlosen Superfood-Buffet vorbei und sieht es nicht einmal. Er oder sie bestellt teure Chia-Samen und Goji-Beeren aus dem Internet, während die echten Nährstoffbomben direkt vor der Haustür wachsen. Schlimmer noch: Die Angst wird weitergegeben. Kinder, die nur „Fass das nicht an“ hören, werden selbst zu Erwachsenen, die ihren Kindern „Fass das nicht an“ sagen. Das Wissen meiner Großeltern, das über Generationen gewachsen ist, verschwindet leise. Und ganz nebenbei geht auch etwas anderes verloren: die Ruhe. Wer sich draußen nicht auskennt, kann sich draußen auch nicht fallen lassen. Dabei ist genau das, das Entdecken, das Staunen, das Sammeln, eine der schönsten Arten, mit der Natur in Verbindung zu kommen und herunterzufahren.
Sind alle Wildkräuter giftig? Die Wahrheit
Jetzt kommt die gute Nachricht, und die ist glasklar: Die allermeisten Wildpflanzen, die bei uns wachsen, sind nicht giftig. Nur ein kleiner Teil ist wirklich stark giftig. Und der Anteil an mittleren und schweren Vergiftungsfällen liegt zwischen rund 2 bis 3 %, wobei Todesfälle nur im Einzelfall vorkommen (Quelle: Bundesinstitut für Risikobewertung). „Alle Wildkräuter sind giftig“ ist also ungefähr so wahr wie „alle Kühe sind lila“. Und es kommt noch besser. Die einfachsten Einstiegskräuter sind kaum zu verwechseln: Löwenzahn, Gänseblümchen, Spitzwegerich und Giersch wachsen fast überall und haben so gut wie keine schwer unterscheidbaren gefährlichen Doppelgänger, die dir das Leben schwer machen. Ja gut, Giersch gehört zu den Doldenblütlern, unter denen es sehr giftige Vertreter gibt, aber die Blätter und deren Merkmale sind wirklich leicht zu bestimmen, wenn du dich an die 3×3 Regel hältst. Damit kann wirklich jede und jeder anfangen, Wildkräuter zu sammeln.
Und die kleinen Geschwister-Glaubenssätze? Räumen wir gleich mit weg:
- „Die schmecken sowieso nicht.“ – Doch. Eine Brennnessel-Quiche oder Omas Holundersuppe überzeugen selbst Skeptiker.
- „Die schmecken alle bitter.“ – Nein. Viele Wildkräuter sind mild, nussig oder sogar süßlich. Bitter ist die Ausnahme, nicht die Regel.
- „Ich kann die sowieso nicht unterscheiden.“ – Kannst du. Bestimmen ist kein Talent, es ist erlernbar. Genau wie Lesen.
Ja, es gibt giftige Pflanzen, und ja, es gibt Verwechslungen. Aber die Lösung heißt nicht „Finger weg von allem“, sondern „lerne die wichtigen kennen“ und die Angst schrumpft mit jedem weiteren Wissenshappen, den du dir selbst aneignest.
Wie ich die Unsicherheit selbst überwunden habe
Und weil ich dir nichts vormachen will: Ich kenne dieses mulmige Gefühl selbst. Nicht bei den Kräutern, aber bei den Pilzen. Ich wurde mit der Zeit so unsicher beim Bestimmen, dass ich meine jährliche Pilzsammlung fast auf null heruntergefahren habe. Die ganze Geschichte steht in meinem Beitrag Pilze bestimmen. Zurückgeholt hat mir die Sicherheit nichts Digitales, sondern echtes Lernen, Kurse bei Waldsamkeit, die Pflanze und der Pilz in der Hand, am lebenden Objekt. Und je mehr ich meine Sinne damit trainierte, um so mutiger und sicherer wurde ich wieder. Genau deshalb weiß ich: Der Glaubenssatz „das ist alles gefährlich“ ist kein Urteil, sondern nur ein Mangel an Wissen und Anleitung. Und beides kann man sich holen.

Du willst auch loslegen? So fängst du an
Ganz einfach: Fang klein an. Nimm dir eines der vier narrensicheren Anfängerkräuter vor, Löwenzahn, Gänseblümchen, Spitzwegerich oder Giersch – und lerne es richtig kennen, mit allen Sinnen. Wie du das (auch mit Kindern) machst, habe ich dir in Wildkräuter mit Kindern entdecken aufgeschrieben. Und wenn du eine sichere Starthilfe möchtest, hol dir mein kostenloses Wildkräuter-Starterpaket. Damit hast du die ersten Schritte schwarz auf weiß.
Komm mit nach draußen – da wird aus Angst Neugier
Am schnellsten schmilzt die Angst übrigens dort, wo die Kräuter wachsen: draußen, gemeinsam, live. Deshalb starte ich im Oktober mit meinen Wildkräuterwanderungen und Kochkursen am offenen Feuer. Dort zeige ich dir, wie du die essbaren Schätze sicher erkennst, sie von ihren giftigen Doppelgängern unterscheidest oder wie du sie am und im Lagerfeuer zubereiten und in etwas Köstliches verwandeln kannst. Die Plätze sind begrenzt, und der Oktober ist näher, als du denkst. Wenn du die Angst vor dem „giftigen Grün“ ein für alle Mal loswerden und stattdessen mit vollem Korb und gutem Gewissen nach Hause gehen willst, dann sichere dir jetzt deinen Platz. Denn niemand muss glauben, dass alle Wildkräuter giftig sind. Genauso wenig, wie irgendjemand glauben muss, dass Kühe lila sind. Komm mit, dann schauen wir gemeinsam genauer hin.
Welcher Glaubenssatz hält dich zurück?
„Alle Wildkräuter sind giftig“ ist ja nur einer von vielen Glaubenssätzen, die uns von den Schätzen vor der Haustür fernhalten. Vielleicht trägst du einen ganz anderen mit dir herum: „Ich verwechsle die doch sowieso“, „das ist mir zu kompliziert“ oder „dafür habe ich keine Zeit“. Genau die möchte ich kennenlernen. In meiner kurzen, anonymen Umfrage verrätst du mir in nur wenigen Minuten, welche Zweifel dich vom Wildkräutersammeln abhalten. Deine Antwort hilft mir, künftig genau die Mythen aufzugreifen, die dir noch im Weg stehen. Und das Beste ist, du gestaltest damit ein Stück meines Blogs mit. Klicke auf den folgenden Button und du wirst zu dem Umfrageanbieter „Tally“ weitergeleitet.
Nur noch ein Klick bis zu meiner kurzen, anonymen Umfrage. Sie läuft über den Anbieter Tally, deshalb hole ich vorher kurz dein Okay, weil dabei Daten an Tally übertragen werden. Danach kannst du direkt mitmachen.
Weitere InformationenUnd du? Welchen dieser Glaubenssätze hast du selbst schon mal gedacht? Verrate es mir in der Umfrage oder schreib es mir in die Kommentare, vielleicht können wir sie gemeinsam lösen. Ich bin gespannt!
Häufige Fragen zu Wildkräutern
Nein, nicht alle. Die allermeisten heimischen Wildpflanzen sind ungiftig, nur ein kleiner Teil ist stark giftig. Wer mit wenigen, gut erkennbaren Kräutern startet, sammelt von Anfang an sicher.
Löwenzahn, Gänseblümchen, Spitzwegerich und Giersch. Sie wachsen fast überall und haben kaum gefährliche Doppelgänger. Bei Giersch hilft die 3×3-Regel beim sicheren Erkennen.
Indem du wenige Pflanzen richtig kennenlernst statt alle oberflächlich. Bestimmen ist erlernbar wie Lesen. Am besten am lebenden Objekt, mit Bestimmungsbuch, Kurs oder einer geführten Wildkräuterwanderung üben.
Grüne Grüße
Inga
Bilder
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