Ich habe einige Monate ausgesetzt mit meinen Monatsrückblicken, meistens aus Unsicherheit. Solange meine Zukunft im Nebel liegt, kann ich keine klaren Aussagen treffen. Kann ich dann überhaupt frei schreiben? Was, wenn ich das Falsche schreibe? Ich habe einfach kein gutes Feeling, wenn ich ständig über Zahlen rede. Ein Rückblick soll persönlich sein. Zahlen sind für mich nicht persönlich. Seit Monaten beschäftigt mich nun also diese Frage: Skippen oder nicht skippen? Denn ich kann nicht immer Erfolge feiern. Manchmal trete ich gefühlt auf der Stelle. Jammern will ich aber auch nicht. Da kam der Vorschlag von Judith aus meiner Blogcommunity „The Content Society“ (TCS) genau richtig: „Schaut mal, von einer anderen Bloggerin wird ein anderes Format für einen Rückblick geschrieben. Vielleicht ist das was für euch.“ Gesagt getan: Linda Kunze von Leisepreneur spricht mir aus dem Herzen. Sie schreibt „7 Gedanken“, die keinem starren Schema folgen, sondern einen Sanften Rahmen bieten. Darin möchte ich mich diesen Monat mal probieren. Daher heißt es diesmal für meinen Mai: Nicht skippen.

Gedanke 1 – Eine Wiese und das Kind in mir will gleich Blumen pflücken
Am Morgen eines Maitages hatte ich meinen Artikel „Wildkräuter mit Kindern entdecken“ veröffentlich. Es geht darin um 5 einfach erkennbare und kaum verwechselbare Wildkräuter. Als ich später am Tag von einem Termin nach Hause lief, hatte ich mir bewusst einen Weg ausgesucht, der mich auf eine Wiese führte, die ich schon im letzten Sommer/Herbst für mich entdeckt hatte. Eigentlich wollte ich nur schauen, was gerade so wächst. Von weitem sah ich schon, wie eine ältere Frau mit Gartenschere bewaffnet am Wegesrand Pflanzen schnitt. Dem Anblick hing ich weiter nach, als ich einem Trampelpfad quer über die Wiese folgte. Dabei begegnete mir das erste Wildkraut (Nr. 1) dieses Artikels, der Rotklee. Um später Fotos zu machen, nahm ich den mit. Dabei genoss ich die Wärme der Sonne und drehte mich einmal kurz um mich selbst. Einfach des Moments und der Sonnenwärme wegen. Machte kurzerhand noch ein paar Fotos, um den Moment für mich festzuhalten und ging kaum ein paar Schritte, als ich über einen Löwenzahn (Nr. 2) und Spitzwegerich (Nr. 3) stolperte. Kurzerhand beschloss ich daraus einen kleinen Strauß mit dem Rotklee zu machen. Da ich schon 3 Wildkräuter hatte packte mich der Ehrgeiz. Sicher finde ich auf meinen Weg, der mich durch Gebüsche und über Fußwege nach Hause führte auch noch die übrigen Pflanzen. Tatsächlich! Giersch (Nr. 4) im Gebüsch und Gänseblümchen (Nr. 5) am Rande des Fußwegs.


Gedanke 2 – Im Grünen sprudeln die Ideen
Die Erkenntnis, die ich daraus mitnehme: Es genügt ein wenig Grün um mich herum und die Ideen sprudeln. Die Maschinerie setzt sich in Bewegung. Das ist das, was ich schon die letzten Monate wahrnehme. Ich muss noch nicht mal draußen sein. Ich hatte mir im als Quartalsziele eigentlich vorgenommen, öfter raus zu gehen. Das schwirrt mir schon die ganze Zeit im Kopf, warum ich ungern die nächsten Ziele aufsetze (Skip), weil ich das eigentlich als das Wichtigste überhaupt gewichtet hatte. Die Quartalsziele waren eigentlich nicht als Druck gedacht, aber bei mir haben sie sich dazu entwickelt. Denn ich habe einiges nicht umsetzen können. Seit Monaten schwebt das wie ein Damoklesschwert über mir. Doch dieser Moment ,wenn ich an die Wiese denke, macht mir klarer, als gedacht: Ich muss nur an Grün denken und mein Kopf spuckt, wie ein Goldesel Ideen über Ideen aus. Meine Tage müssten 48h lang sein, um die alle umzusetzen. Also weniger Druck, einfach dem hingeben. Ich bin im Grünen. Gedanklich. Immerzu!
Gedanke 3 – Was mir wichtig ist, ist auch anderen wichtig
Ein besonderes Highlight im Mai war der Kochkurs am offenen Feuer der Wildnisschule „Weg der Wildnis“. Ich habe bereits im 12 von 12 Mai 2026 – Momente des Innehaltens darüber berichtet. Darauf habe ich schon seit letzten Jahr hingefiebert. Trotz kalter Nächte und hauptsächlich vegetarischer Ernährung, fühlte ich mich das Wochenende so genährt, wie schon lange nicht mehr. Dieses Gefühl würde ich am liebsten in Einweckgläsern konservieren. Leider geht das nicht, aber ich habe einen nützlichen Begleiter hergestellt, der mich hoffentlich immer wieder daran erinnern wird. Einen Löffel. Selbst GESCHNITZT. Ich wusste gar nicht, dass ich sowas kann. Das Projekt hat mich auch einige Wochen danach beschäftigt. Und emsig baute mir mein Schwiegervater einen Klotz und stellte mir Werkzeug zur Verfügung. Mein Traumprinz versorgte mich mit Feuer und Glut, dass ich die Kuhle des Löffels ausbrennen und ich mein Projekt beenden konnte. Alle merkten, dieser Löffel ist mir wichtig. Das tat so gut. Es wurde schon „der Löffel“ genannt, der nie vergessen werden würde. So sei es. Nun hängt er einträchtig in der Küche neben anderen Utensilien und wartet auf seinen Einsatz. Vor lauter Ehrfurcht wurde er noch nicht benutzt.








Gedanke 4 – Netzwerken ist wichtiger denn je
In diesem Monat hatten sowohl mein Glückskind als auch mein Bonuskind Jugendweihe. Ich Naturmensch, der am liebsten allein im Wald ist, sah mich in großen Veranstaltungsräumen mit vielen Menschen. UM GOTTES WILLEN. Kurz dazu: Ich habe es mit Bravour überlebt. Bin stolz auf mich! Aber was eigentlich hängen geblieben ist: In einer Rede ging es ums Netzwerken. Fällt mir als Einzelgänger eher schwer. „Selbst ist die Frau“ ist so eingebrannt wie die Kuhle in meinem Löffel. Aber in Gemeinschaft schafft es sich leichter und öffnen sich auf einmal ganz neue Türen. Ich versuche gerade eine Gastautorin für meinen Blog zu gewinnen und habe auch für andere so viele Ideen, dass mir in einem Gastbeitragsdating in der TCS schon fast schwindelig wurde vor Ideenrausch. Diese Gemeinschaft dort ist einfach so beflügelnd. Ich bleibe dran und bin gespannt, was sich daraus in nächster Zeit ergibt. Ich werde berichten.
Gedanke 5 – Etwas, das sich geändert hat
Was sich geändert hat? Skip? Oder doch nicht Skip? Oh doch, es hat sich einiges geändert: Alte Gruppierungen haben sich aufgelöst, neue Gruppierungen sind entstanden. Das macht mir weniger aus als in der Vergangenheit. Neue Formate sorgen für Entspannung. Mein Aquarellkurs bleibt beständiger Begleiter, 1x wöchentlich. Ich male mutiger, probiere mehr aus, als am Motiv kleben zu bleiben. Was daraus entsteht gefällt mir noch nicht, aber ich nehme es als Übung für Akzeptanz von Unvollkommenheit. Meine Einstellung hat sich jedenfalls geändert. Ich bin gelassener. Was solls. Macht nichts. Nächster Anlauf.


Gedanke 6 – Etwas, das mich überrascht hat
Baumblätter! Diesen Mai habe ich mich durchprobiert. Eiche, Linde, Erle, Buche, verschiedene Ahornarten. Was für Geschmackserlebnisse. Eiche (Sowohl Roteiche als auch Stieleiche) geht gar nicht! So bitter! Die Bücher haben gewarnt, Eicheln müssen nicht umsonst mehrmals ausgewaschen werden, ehe sie in der Küche verwendet werden können, so bitter sind schon diese diese. Wen wundert’s. Die Eiche steckt voller Gerbstoffe. Kein Zweifel. Die Erle auch, aber war weitaus weniger abschreckend. Dafür verhielt sich das Blatt wie ein Kaugummi im Mund. Faszinierende Konsistenz. Buche, Linde und Ahorn haben sich nun einen festen Platz in meinem Frühlingsspeiseplan ergattert. Buche eher säuerlich, Linde ganz mild, wird irgendwann schleimig. Ahorn okay (Bergahorn am bittersten, Feldahorn geht schon, am häufigsten fanden sich die Blätter des Spitzahorns in meinem Salat wieder).






Gedanke 7 – Was darf mit in den nächsten Monat?
Ich nehme in erster Linie mit, dass mir dieses Format der 7 Gedanken besser liegt. Es hat sich fast wie im Schlaf runtergeschrieben. Außerdem nehme ich mit, dass ich Ziele nicht unbedingt erreichen muss, um zufrieden zu sein. Es heißt nicht umsonst: „Der Weg ist das Ziel.“ Aber auch das möchte ich ergänzen um: „Nur weil ich mich neben dem Weg befinde, heißt das noch lange nicht, dass ich mich verlaufen habe!“ Denn welches Ziel kann schöner sein, als wenn ich neben dem Weg Blumen pflücke, oder Kräuter, oder Blätter! Plötzlich heißt es unerwartet: „Sie haben ihr Ziel erreicht!“



