Giersch (Aegopodium podagraria) gehört zu den Wildkräutern, die in deutschen Gärten und Parks fast überall anzutreffen sind und die bei vielen Gartenbesitzern für Frust sorgen. Verbleibt auch nur ein kleines Wurzelstück der unterirdischen Ausläufer im Boden, so „beglückt“ der Giersch auch im Folgejahr wieder seine Widersacher. Er scheint schier unerschöpflich immer wieder aus dem Boden zu sprießen. Ein Kampf gegen Windmühlen. Dabei lohnt es sich, dieses robuste Kraut einmal mit anderen Augen zu betrachten: als köstliche, nährstoffreiche Zutat ohne viel Pflegeaufwand. Denn hat sich der Giersch einmal angesiedelt, sprießt er selbst nach den motiviertesten Unkrautvernichtungseinsätzen munter in jeder Ecke des Gartens.

Das Wichtigste in Kürze
- Giersch erkennst du an der Drei-drei-drei-Regel: dreikantiger Stängel, der sich dreifach teilt, mit dreigeteilten Blättern.
- Der Blattstiel ist im Querschnitt dreieckig und das auffälligste Merkmal.
- Zerriebene Blätter riechen nach Möhre und Petersilie, der Giersch gehört, genauso wie sie, zu den Doldenblütlern.
- Giftige Doppelgänger (Gefleckter Schierling, Taumel-Kälberkropf, Hundspetersielie u.a.) haben rote Flecken oder Verdickungen am Stängel und riechen unangenehm.
- Giersch ist essbar und nährstoffreich (Vitamin A und C), daher nicht bekämpfen, sondern aufessen.
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Meine persönliche Giersch-Geschichte
Giersch ist eines der ersten Kräuter, die im Erwachsenenalter meine Liebe zu den Wildkräutern wiedererweckt haben. Als ich ihn das erste Mal bei meinen Schwiegereltern im Schrebergarten entdeckte, war ich begeistert, sie dagegen verblüfft. Sie kämpften seit Jahrzehnten gegen dieses hartnäckige Kraut an, und ich fragte freudestrahlend: „Yeah, wie toll! Bei euch wächst Giersch. Kann ich den haben?“ Flux haben wir ein gemeinsames Abkommen getroffen: Ich zupfe regelmäßig den Giersch ab, halte ihn durch das Ziehen der ein oder anderen Wurzel in Zaum und meine Schwiegereltern lassen ihn für mich stehen. Eine Win-Win-Situation, wie ich fand.
Giersch nutzen als Balkonpflanze?
Meine Geschichte war mit dem Abkommen jedoch noch nicht beendet. Denn dieses Jahr wartete im Frühjahr eine Überraschung auf mich. Meine Schwiegereltern waren schon zeitig eifrig im Garten zu Gange und haben die Verbreitung des Giersch vom letzten Jahr stark eingedämmt. Als Friedensangebot haben sie mir stolz ein paar Wurzelstücke mit einigen neuen Trieben überreicht. Ob ich nicht Lust habe, die vor oder auf meinem Balkon einzupflanzen. Ich konnte nicht lange böse sein. Gesagt getan, habe ich die Wurzelstücke in einer mit Gartenerde gefüllten Obstkiste eingepflanzt. Dort tummelt sich der Giersch nun in trauter Eintracht mit Vogelmiere und Knoblauchsrauke, die sich bereits letztes Jahr selbst bei mir ausgesät haben. Bisher scheint er sich wohl zu fühlen, zu den ersten zaghaften Blättern gesellen sich von Woche zu Woche mehr.

So erkennst du Giersch – Einfache Bestimmungsmerkmale für Anfänger
Giersch (Aegopodium podagraria) ist ein essbares Wildkraut aus der Familie der Doldenblütler und du erkennst ihn am sichersten an drei Dingen: dem dreikantigen Stängel, den daraus erwachsenden drei Blättern, die sich überwiegend dreifach teilen. Das vierte Bestimmungsmerkmal unabhängig von der Dreiregel ist der markante Geruch nach Möhre und Petersilie. Dieser Geruch ist kein Zufall, denn Möhre, Petersilie und Giersch gehören alle zur Familie der Doldenblütler. In der Familie der Doldenblütler gibt es aber auch viele giftige Vertreter. Daher ist es wichtig, Giersch sicher bestimmen zu können, bevor du ihn sammelst. Wenn du die Erkennungsmerkmale aus eigener Anschauung lernen möchtest, empfehle ich dir eine Kräuterwanderung mit einer erfahrenen Führung. Dort erfährst du sicher auch von der Bestimmungsregel: „Drei, drei, drei – bist beim Giersch dabei.“
Die wichtigsten Erkennungsmerkmale auf einen Blick:
- Der Blattstiel ist im Querschnitt dreieckig. Das ist das auffälligste Merkmal!
- Der Blattstiel teilt sich nochmal in drei kleine Stängel, an denen die Blätter wachsen.
- An diesen kleineren Stielen sich meistens nochmal drei Blätter, wobei das oberste Blatt sich überwiegend nochmals in drei Teile aufteilt (dreifach gefiedert).
- Der Blattrand ist gesägt (wie kleine Zähne).
- Im Sommer erscheint eine Doppeldolde mit weißen Blüten.
- Beim Zerreifen der Blätter entsteht ein charakteristischer Geruch, der an Möhre und Petersilie erinnert – beide sind Verwandte des Gierschs.





Wichtiger Hinweis für Anfänger: Verwechslungsgefahr beachten!
Als Doldenblütler kann Giersch theoretisch mit giftigen Verwandten wie dem Geflecktem Schierling, der Hundspetersilie oder dem Taumelkälberkropf verwechselt werden.
Gefleckter Schierling
Der Gefleckte Schierling (Conium maculatum) enthält das Alkaloid Coniin, das in allen Pflanzenteilen steckt und schon in Mengen von etwa 0,5–1 g für einen Erwachsenen tödlich sein kann. Erkennungszeichen sind der gefleckte Stängel und der Geruch nach Mäuseurin. (isip.de)
Taumelkälberkropf
Der Taumelkälberkropf (Chaerophyllum temulum) ist für den Menschen nur schwach giftig, wird aber leicht mit dem hochgiftigen Gefleckten Schierling verwechselt. Sein Stängel ist rund und borstig behaart, anders als der dreikantige, kahle Giersch-Stängel. (vetpharm.uzh.ch)
Hundspetersilie
Die Hundspetersilie (Aethusa cynapium), im Volksmund auch ‚Gartenschierling‘, ist auch ein giftiger Doldenblütler. Ihr Hauptgift Aethusin (ein Polyin) kann Symptome bis hin zur Atemlähmung auslösen. Sicher erkennst du sie an den langen, einseitig nach unten hängenden Hüllchen unter den Döldchen (einem regelrechten ‚Bärtchen‘), der stark glänzenden Blattunterseite und dem unangenehmen, knoblauchartigen Geruch beim Zerreiben, anders als Gierschs Möhren-/Petersiliengeruch und dreikantiger Stängel. (vetpharm.uzh.ch)
Wer sich unsicher ist, sollte immer das dreieckige Stielquerschnitt-Merkmal und den charakteristischen Geruch prüfen. Gefleckter Schierling riecht unangenehm nach Mäuseurin. Im Zweifelsfall lieber stehenlassen oder eine erfahrene Person um Rat fragen! Eine Kräuterwanderung unter fachkundiger Anleitung ist die sicherste Methode, um Giersch zuverlässig zu bestimmen.
| Pflanze | Unterscheidung zum Giersch | Giftig? |
| Giersch (Aegopodium podagraria) | dreikantiger, kahler Stängel + Möhren-/Petersiliengeruch (nie rote Flecken oder Mäuseuringeruch) | nein |
| Gefleckter Schierling (Conium maculatum) | rote Flecken am Stängel, Geruch nach Mäuseurin, wird sehr groß | ja, hochgiftig |
| Taumelkälberkropf (Chaerophyllum temulum) | rundlicher, borstig behaarter Stängel (Giersch ist dreikantig und kahl) | ja, schwach giftig* |
| Hundspetersilie (Aethusa cynapium) | oft weinrot überlaufener und bläulich bereifter Stängel, widerlicher Geruch | ja, stark giftig |
*Der Taumelkälberkropf ist für den Menschen nur schwach giftig. Die eigentliche Gefahr ist, dass er leicht mit dem hochgiftigen Gefleckten Schierling verwechselt wird.


Was steckt eigentlich im Giersch? Nährstoffe und Inhaltsstoffe
Giersch ist weit mehr als nur ein lästiges Unkraut. Er ist ein wahres heimisches Superfood. Er steckt voller wertvoller Mineralien und Vitamine sowie Harz, ätherischem Öl, Flavonoide und Phenolcarbonsäuren. All das macht ihn zu einem wertvollen Beitrag zu einer gesunden und ausgewogenen Ernährung, wenn man denn bereit ist, ihn darin zu integrieren.
In Einzelnen enthält Giersch folgende gesunde Nährstoffe:
- Vitamin A und C
- Mineralstoffe
- ätherisches Öl
- Flavonoide
- Phenolcarbonsäuren
- Harz
Giersch in der Küche: Vielseitig und köstlich
Am besten schmecken die jungen, zarten Blätter, die im Frühling oft schon ab März/April sprießen. Sie sind sehr schmackhaft in Salaten. Du erkennst sie daran, dass sie noch leicht zusammengefaltet sind und glänzen. Ältere Blätter sind voll entfaltet und haben den Glanz bereits verloren. Die schon festeren Blätter eignen sich wunderbar zum Aromatisieren. Dabei sind die Möglichkeiten in der Küche erstaunlich vielfältig: Giersch lässt sich u.a. zur Aromatisierung von Limonade, als Würzkraut oder Salatbeigabe verwenden. Sogar Marmelade und Gelee lassen sich daraus zaubern. Haltbar für die wenigen Monate, die er nicht wächst, mache ich ihn in einer Kräuterpaste. Der botanische Name „podagraria“ verweist des Weiteren auf die traditionelle Anwendung gegen Gicht (Podagra). Daher wird er volksheilkundlich bei Gichtbeschwerden auch als Tee aufgebrüht. Ich könnte hier noch unzählige Verwendungen aufzählen. Kein Wunder also, dass man immer öfter in Büchern und im Internet liest: „Nicht bekämpfen, sondern einfach aufessen.“
Warum wächst Giersch immer wieder? (K)eine Hexerei
Viele Gärtner schimpfen über den Giersch und das nicht zu Unrecht. Er scheint schier unerschöpflich zu wachsen und verbreitet sich hartnäckig. Der Grund: Giersch vermehrt sich nicht nur oberirdisch über Samen, sondern auch über unterirdische Ausläufer (sogenannte Rhizome, auch typisch für Frühblüher). Da es kaum möglich ist, alle Ausläufer beim Jäten zu erwischen, taucht das Kraut nach einer Unkrautbeseitigungsaktion trotzdem immer wieder auf. Für Anfänger in der Wildkräuterküche ist das eine gute Nachricht: Der Giersch kommt zu euch, nicht umgekehrt! Selbst im Bekanntenkreis höre ich immer öfter, dass Gemüse- und Obstbauern auf den Zug aufspringen. Früher ärgerten sie sich über den wild wuchernden Giersch auf ihren Höfen und Feldern. Inzwischen wird er abgemäht, um ihn als Handsträußchen auf dem Wochenmarkt zu verkaufen
Wo finde ich Giersch? Fundorte
So unverwüstlich der Giersch ist, hat er sicherlich auch in deiner Nähe ein Plätzchen gefunden. Er wächst bevorzugt in schattigen bis halbschattigen Bereichen: in Gärten, an Waldrändern, in Parks und auf Brachflächen. Das Beitragsbild ist zum Beispiel am Rand eines Garten umgeben von Wald aufgenommen. Ein typischer Wuchsort für Giersch. Wenn du keinen Garten hast und selbst keinen Giersch findest, schau mal auf einem Wochenmarkt vorbei, dort kommt der Verkauf langsam in Mode, habe ich mir sagen lassen.
Tipps zum richtigen Sammeln
Sammle Giersch nur an unbelasteten Standorten, also nicht direkt an viel befahrenen Straßen, in der Nähe von Industriegebieten oder auf Düngungsflächen. Gesammelte Blätter am besten noch am selben Tag verarbeiten, denn sie welken schnell und laufen dann braun/schwarz an. Du kannst sie länger frisch halten, indem du sie in ein feuchtes Küchentuch einwickelst und im Kühlschrank lagerst.
Giersch erkennen und nutzen! Gib ihm ’ne Chance!
Statt dich über Giersch zu ärgern, kannst du ihn einfach… aufessen. Beim nächsten Spaziergang heißt es also: Augen und Nase auf. Dieses „Unkraut“ ist nämlich eine echte Bereicherung für deine Küche. Robust, gesund und erstaunlich vielseitig macht er sich nämlich ganz gut auf dem Teller. Also schnapp dir ein paar Blätter und gib ihm eine Chance. Giersch könnte dich ziemlich überraschen.
Viel Spaß beim Ausprobieren und guten Appetit!
Häufige Fragen zum Giersch:
An der Drei-drei-drei-Regel: einem dreikantigen Stängel, der sich dreifach teilt, mit meist dreigeteilten Blättern. Dazu der Geruch nach Möhre und Petersilie, wenn du ein Blatt zerreibst.
Vor allem den Gefleckten Schierling und den Taumelkälberkropf. Beide haben rote Flecken oder Verdickungen am Stängel; der Gefleckte Schierling riecht unangenehm nach Mäuseurin. Im Zweifel stehen lassen.
Theoretisch ja, da beide Doldenblütler sind. Der sicherste Unterschied: Giersch hat einen dreikantigen Stängel ohne rote Flecken und riecht nach Möhre/Petersilie, nicht unangenehm.
Giersch gehört zu den Doldenblütlern. Empfindliche Menschen, besonders mit einer bekannten Allergie gegen Doldenblütler (Sellerie, Möhre & Co.), können darauf reagieren. Wie bei allen Wildpflanzen gilt: erst kleine Mengen auf Verträglichkeit testen.
Vielseitig: junge Blätter im Salat, als Würzkraut, in Limonade, Pesto oder Kräuterpaste, sogar in Marmelade. Traditionell wird er als Tee gegen Gicht genutzt.
Grüne Grüße
Inga
Bildnachweise
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Quellen
Steffen Guido Fleischhauer, Jürgen Guthmann, Roland Spiegelberger, Enzyklopädie, Essbare Wildpflanzen, AT Verlag 2020, 14. Auflage 2023, S. 126.
Margot und Dr. Roland Spohn u.a., Kosmos-Naturführer, Das Original, Was Blüht denn da?, Kosmos Verlag 2021, 60. Auflage, S. 156 ff..
https://www.vetpharm.uzh.ch/hundspetersilie

