Vor Kurzem habe ich eine Schlagzeile gelesen, dass wir gerade im „Zeitalter des Löwenzahns“ leben. Es ist April. Hier und da blüht trotz der kühlen Temperaturen bereits der Löwenzahn. Ein Zeichen für mich, dass der Frühling in vollem Gange ist. Bald, im Mai, wird die Wiesen ein schier unerschöpfliches gelbes Tupfen-Kleid zieren. Für den Autor der Schlagzeile eindeutig ein typisches Zeichen für das momentane Zeitalter, in dem der Mensch massiven Einfluss auf die Erde und damit auf deren Ökosysteme hat. Es entsteht der Eindruck, der Löwenzahn stelle sich dem hartnäckig entgegen, sei sogar ein Profiteur dieser Umstände.

Anpassungsfähigkeit und Vermehrungsvorteile des Löwenzahns
Unermüdlich wächst er aus allen Ritzen und sprengt selbst Asphalt und Beton. Er passt sich äußerst flexibel an und es scheint keinen Lebensraum zu geben, in dem man nicht auf ihn trifft. Selbst der Klimawandel, der seit Jahrzehnten von einem Anstieg des CO₂-Gehalts in der Erdatmosphäre begleitet wird, spielt ihm in die Karten. Ein Experiment mit Löwenzahn unter erhöhtem CO₂-Gehalt in der Luft belegt, dass dieses schlaue Pflänzchen prompt 83 % mehr Blüten und jeweils 32 % mehr Samen entwickelte, welche wiederum eine höhere Keimungsrate hatten. Ein Ergebnis, das mich überrascht. Allerdings habe auch ich die Vermehrung des Löwenzahns wahrgenommen. Kaum eine Ecke oder ein Weg, wo er nicht wächst.
Damit rechnet keiner
Wir hatten in der Ausbildung zum Kräuterpädagogen manchmal lustige Aufgaben. Unter anderem war eine Aufgabe, die Samen eines Löwenzahns zu zählen. Ich habe lange nicht einen so großen Zeitraum flach geatmet. Denn bei jedem noch so kleinen Windzug lief ich Gefahr, dass sich die Schirmchen verselbstständigten. Aber nach ca. einer Stunde hatte ich alle erfolgreich abgesammelt und auf einem Streifen Kleber von der Rolle fixiert. Sage und schreibe 261 Samen habe ich dabei auf dem Klebestreifen „festgesetzt“. Dann rechne mal hoch, wie viele Samen es bei 83 % mehr Blüten und nochmal 32 % mehr Samenentwicklung wären. Utopisch! Oder eher nicht, wenn man dem vorgenannten Zeitungsartikel Glauben schenkt?


Vom Gartenfeind zum Superfood – einfach aufessen
Für die Verfechter des englischen Rasens ein Graus, da er sich demnach massenhaft vervielfältigen kann, sich selbst der regelmäßigen Rasur durch den Rasenmäher anpasst und einfach flacher wächst. Für mich ein Glück, da ich den Löwenzahn nicht erst seit neuestem schätze. Schon als Teenager habe ich einem Kartoffelsalat Löwenzahnblätter hinzugefügt. Leider nahm ich aus Unkenntnis die bereits älteren Blätter, die vor Bitterkeit strotzten. Am Ende war ich die Einzige, die diesen Salat genüsslich verputzte, alle anderen machten lange Zähne. Dabei sind es doch gerade die Bitterstoffe, die unsere Verdauung inzwischen so dringend zu einer gesunden Ernährungsweise benötigt. Neben den eben erwähnten Bitterstoffen enthält der Löwenzahn auch Flavonoide, Cumarine, Photohysterine, Schleimstoffe, im Frühjahr ca. 18 % Fructose, darüber hinaus Inulin, wie die Topinambur (2 % im Frühjahr bis 40 % im Herbst) und das 5-fache an Eiweiß, das 8-fache an Vitamin C sowie das Doppelte an Kalium, Magnesium und Phosphor im Vergleich zum Kopfsalat. Alle Teile des Löwenzahns enthalten diese wertvollen Inhaltsstoffe in unterschiedlichen Konzentrationen und sind essbar. Neulich entdeckte ich eine Anleitung für Löwenzahnspaghetti aus den Stielen. Ich werde das demnächst ausprobieren und dir hier berichten.
Aufessen statt bekämpfen – Verwendungsmöglichkeiten im Überblick
Für mich ist daher unverständlich, dass der Löwenzahn so verteufelt wird. Meine Devise lautet ganz klar: Aufessen, statt bekämpfen. Für die Blätter finden sich vielfältige Verwendungsmöglichkeiten, die von der Salatbeigabe bis hin zu gedämpftem Bittergemüse reichen. Dabei erhöht Dämpfen und Erhitzen in der Mikrowelle die Wirksamkeit seiner antioxidativen Kraft, wohingegen Kochen sie fast bis auf null reduziert. Also werde ich die Stängel für die Löwenzahnspaghetti nur kurz in kochendem Wasser blanchieren, um genügend Nährstoffe zu erhalten. Aus den Knospen kannst du darüber hinaus Kapern und Chutneys herstellen oder sie lassen sich als Gemüse braten. Die Blüten können zu Gelee verarbeitet werden. Vergiss dabei nicht, den grünen Kelch zu entfernen (denn mit Kelch schmeckte mein selbstgemachtes Gelee ziemlich bitter). Sie machen sich aber auch hübsch als Deko über einen Salat, Desserts oder Blütenbutter gestreut, zum Beispiel zusammen mit Vogelmiere, Gänseblümchen, Taubnessel und/oder Gundermann.




Die Wurzeln werden von September über den Winter bis zum März geerntet. Sie können zu Gemüse verarbeitet werden, nachdem sie zur Reduzierung der Bitterkeit etwas in Wasser entwässert werden. Getrocknet, geröstet und in der Kaffeemühle gemahlen wurden sie in der Vergangenheit als berühmtberüchtigter „Blümchen-Kaffee“ als Kaffee-Ersatz verwendet.
Löwenzahn und seine Wirkung gegen SARS-CoV-2
Im Rahmen einer Entgiftungskur habe ich mir nach wiederholten Erkrankungen an Corona aus Löwenzahnwurzeln eine Tinktur hergestellt. Denn eine deutsche Studie vom 15. Juli 2021 belegt, dass der gewöhnliche Löwenzahn dazu in der Lage ist, das Andocken von Spike-Proteinen und deren Varianten des SARS-CoV-2 an Zelloberflächenrezeptoren in menschlichen Lungen- und Nierenzellen zu blockieren. Ist das nicht sagenhaft, was ein stinknormales „Unkraut“ bewirken kann? Ein Rezept für eine Löwenzahntinktur habe ich hier gefunden. Seit dem bin ich kein weiteres Mal an Corona erkrankt. Na, wenn das kein gutes Zeichen ist. In mir hat der Löwenzah jedenfalls einen neuen Fan gefunden.
Jetzt selbst ausprobieren!
Also ran an den Feind und probiere mal ein Blatt des Löwenzahns. Oder beginne einfach damit, deinen Salaten regelmäßig kleingeschnittene Löwenzahnblätter beizufügen. Ein erster Schritt in eine leber- und gallenfreundliche gesunde Ernährung. Und ein weiterer Schritt, um mit dem schier unerschöpflich wachsenden Löwenzahn in deinem Garten einfach Frieden zu schließen. Meinst du nicht?
Bildnachweise
Alle hier abgebildeten Bilder sind von mir fotografiert und dürfen nur nach meiner Zustimmung verwendet werden.
Quellen
Ulf von Rauchhaupt, faz.net – Botanik: Wieso es immer mehr Löwenzahn gibt, Stand 06.05.2025.
Dr. Eva-Maria Dreyer, Essbare Wildkräuter & ihre giftigen Doppelgänger, Wildkräuter sammeln, aber richtig, Kosmos Verlag 2020, S. 27.
Steffen Guido Fleischhauer, Jürgen Guthmann, Roland Spiegelberger, Enzyklopädie Essbare Wildpflanzen, AT Verlag 2020, 14. Auflage 2023, S. 401.
René Gräber, naturheilt.com – Löwenzahn.
Universität von Freiburg Forschung: Löwenzahn-Extrakt blockiert SARS CoV-2 Spike-Proteine und ihre Varianten.
Barbara, www.kostbarenatur.net.
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