Hopfen - Superfood, Heilpflanze und vielseitige Rezeptzutat

Hopfen – den meisten wohl bekannt als unverzichtbare Zutat beim Bierbrauen – ist weit mehr als nur ein Bestandteil des beliebten Gerstensafts. Die grün-goldenen Zapfen bergen ein erstaunliches Potenzial als heimisches Superfood: Sie verfeinern nicht nur Liköre, Gelees oder Essige, sondern sind auch ein wirksames Heilmittel z.B. bei Schlafstörungen und Unruhe. Besonders hervorzuheben ist seine wirkungsvoller Einsatz bei Wechseljahrsbeschwerden. Darüber hinaus sind auch Triebspitzen, Blätter, Blüten und sogar die Wurzelns des Hopfens wertvoll und können vielfaltig in der Ernährung verwendet werden. Mit ihren Bitterstoffen, ätherischen Ölen und Phytohormonen gilt die Pflanze seit Jahrhunderten als beruhigend, schlaffördernd und wohltuend – ein vielseitiges Naturkraut, das weit über die Braukunst hinaus begeistert. Ein wahrer Schatz in meiner hall of fame der Superfoods. Daher lies weiter und lass dich überraschen!

Inhaltsverzeichnis
Hopfen, Hopfen-Früchte, Hopfen-Zapfen, reifer Hopfen, Superfood

Grut war gut - Hopfen macht's besser

Wer Hopfen hört, denkt sicherlich sofort an Bier. Fun-fact am Rande: Der Hopfen ist erst seit ca. 1200 Jahren Bestandteil in der Bierbrauerei. Früheres Bier, das heißt von der Antike bis ins Mittelalter, wurde eher mit einer Kräutermischung namens Grut (z.B. aus Schafgarbe, Rosmarin, Efeu, Wachholder, Kümmel und Beifuß) gewürzt und konserviert. Dazu habe ich schon einmal in meinem Beitrag zum Beifuß berichtet. Erst ab dem 12.-13. Jahrhundert begann sich Hopfen gegenüber dem Grut-Bier durchzusetzen, vor allem weil er das Bier länger haltbar machte. Ab dem 15 Jahrhundert wurde Hopfen dann endgültig zum Standard. Das berühmte bayrische Reinheitsgebot von 1516 schrieb vor, dass Bier nur aus Wasser, Malz und Hopfen zu brauen sei. Hefe war damals als Zutat noch nicht bekannt. Diese wurde erst als wertvoll erachtet, als festgestellt wurde, dass das Bier aus Bäckereien schneller in die Gärung kam als in anderen Braustuben, was auf die in der Luft der Bäckereien vermehrt befindlichen Hefen zurückgeführt wurde.

Hopfen, Malz & 75 Promille – meine Überraschungen beim Bier-Tasting

Wusstest du, dass auch Bier, ähnlich, wie Wein, verkostet wird? Ich war letztens zu einem Bier-Tasting und habe viele spannende Erfahrungen machen dürfen. Als erstes wird das Aussehen beurteilt: trüb oder klar in mehreren Abstufungen, goldgelb oder bis hin zu dunkelbraun. Wie verhält sich der Schaum? Erst dann kommt es zum ersten Schluck. Schmeckt es spritzig? Perlt es oder schmeckt es eher schal. Geht es eher in die fruchtige Note oder ist es eher malzig? Erstaunt hat mich, dass das stärkste Bier tatsächlich 75 Promille Alkohol enthält. Das kommt daher, dass diese sogenannten Eis-Bockbiere mehrmals eingefroren, das absetzende Wasser abgeschöpft und dann weiteren Gärprozessen ausgesetzt werden. Noch faszinierender fand ich ja in einem kürzlichen Besuch in Belgien und den Niederlanden, dass jedes Bier zur optimalen Entfaltung ein eigenes Bierglas hat. Mal eine Tulpe mal eine Schale und so weiter.

Vom Bierkraut zum Superfood

Aber erstmal genug zum Bier und zurück zum Hopfen. Spätsommer ist Hopfenzeit. Zumindest was die Zapfen und die Blüten angeht. Die hängen zwischen Juli und August erntebereit an den alles überwuchernden Trieben. Was mich im Rahmen meiner Ausbildung zur Kräuterpädagogin überrascht hat, ist die Tatsache, dass die gesamte Hopfenpflanze schon im Frühjahr bis in den Herbst hinein ein Füllhorn an Verwendungsmöglichkeiten bietet. Die frischen Sprosse des Hopfen können ab April bis Juli als sogenannter „Hopfenspargel“ zubereitet werden. Dafür verwendet man die ersten 15 cm der Triebe. Die jungen Blätter eigenen sich als Spinatersatz oder Salatbeigabe. Der ein oder andere presst sich daraus Saft. Die im Spätsommer erscheinenden Blüten eignen sich gedämpft oder gedünstet als Gemüse. Selbst junge Wurzeln können ab September als Back-, Brat- oder Kochgemüse verwendet werden.

Spätsommer-Check: Wann Hopfenwurzeln ihre volle Superfood-Power enthalten

So ganz nebenbei: Die Wurzeln lohnen sich erst ab September, da die Pflanze ab dem Frühjahr all ihre Kraft in das Ausbilden von Trieben und Früchten steckt. Ab dem Spätsommer speichert die Pflanze erst wieder alle energiereichen Kohlenhydrate, die sie in der Photosynthese gewinnt, in den Wurzeln, um sich neue Vorräte für den Winter und dann wieder für die neuen Triebe und Früchte im folgenden Frühjahr anzulegen. Daher sind die Wurzeln erst ab September wieder voll gefüllt mit den leckersten und gesündesten Nährstoffen, die für eine gesunde und ausgewogene Ernährung so wichtig sind.

Grün, duftend, köstlich – mein erstes Hopfen-Experiment

Ich gebe ja zu, „Bier!“ war auch mein erster Gedanke, als ich auf einem Spaziergang vor einigen Jahren Massen an Hopfenzapfen habe wachsen sehen. Das Brauen von Bier ist aber eine für den Privatgebrauch eher aufwändige Prozedur. Hängen lassen wollte ich die grünen Zapfen, die so aromatisch rochen, aber auch nicht. Also wurde das Handy gezückt und erstmal Ideen gesammelt. Unter anderem fand ich heraus, dass sich aus Hopfenzapfen ein Likör herstellen lässt. Gesagt getan. Den obligatorischen Beutel, den ich bei Ausflügen immer bei mir habe, sammelte ich halb voll und setzte zu Hause meinen ersten Versuch an. Das Ergebnis hat mich überzeugt. Seitdem ist im Anschluss dieses Rezept für einen Hopfen-Likör entstanden, das ich nun schon seit Jahren immer wieder ansetze.

Hopfenliebe: Meine Verwendung für Likör, Gelee oder Essig

Über den oben bereits erwähnten Likör hinaus habe ich auch schon ein Gelee und ein Oxymel aus den Hopfenzapfen hergestellt und ein Essig damit aromatisiert. Was soll ich sagen. Ich bin Hopfen-Fan geworden und kann gar nicht mehr genug davon bekommen. Das muss wohl an den wertvollen Inhaltsstoffen liegen. U.a. Enthält Hopfen Bitterstoffe, viele ätherische Öle, Gerbstoffe sowie Dextrose. Ihm wird eine beruhigende Wirkung nachgesagt, daher wird der Hopfen in der Volksmedizin vor allem auch zur Beruhigung bei Nervosität sowie bei Appetitlosigkeit angewendet.

Hopfen und Phytoöstrogene – sanfte Hilfe in den Wechseljahren

Hopfen enthält Phytoöstrogene, die sich an unsere Östrogenrezeptoren binden, da ihre Struktur dem weiblichen Geschlechtshormon ähnelt. Deshalb kann Hopfen Frauen in den Wechseljahren unterstützen, das hormonelle Ungleichgewicht auszugleichen und typische Beschwerden wie Hitzewallungen, Schlafprobleme oder Stimmungsschwankungen zu lindern.

Persönliche Erfahrungen

Seit etwa zwei Jahren begleiten mich solche Beschwerden. Um die beruhigende Wirkung des Hopfens zumindest beim Durchschlafen zu nutzen, habe ich in der letzten Saison ein Hopfen-Oxymel ausprobiert – und es hat mich wirklich überzeugt.

Hopfen, Früchte, grün, reifer Hopfen, Superfood
Hopfenzapfen

Praktische Anwendung: Hopfen-Oxymel

Über die Wirkweise von Oxymel werde ich noch im Beitrag zum JOHANNISKRAUT berichten, und auch auf die Wirkung von Phytohormonen werde ich im ROT-KLEE-Beitrag näher eingehen. Beide Artikel werde ich in der nächsten Saison hier veröffentlichen, daher tragt euch gerne in mein Newsletter-Formular weiter unten ein, um nichts zu verpassen. Mein sogenanntes „Schlaf-gut-Oxymel“ mit Hopfen hilft mir, abends besser zur Ruhe zu kommen. Wenn ich noch aufgekratzt bin, nehme ich einen Esslöffel unverdünnt. Oder ich wache nachts auf und kann manchmal schlecht wieder einschlafen. Dann greife ich ebenfalls zu einem Esslöffel beruhigender Pflanzenkraft.

Weitere Hopfen-Hacks: Einschlafen, Lernen, Wohlfühlen

Neben der inneren Anwendung als Oxymel kann Hopfen auch auf andere Weise beruhigend wirken – zum Beispiel über die Aromatherapie. Aus vielen Quellen weiß ich, dass Hopfendolden unter anderem im Ganzen getrocknet in kleinen Kissen eingenäht wird. Es kommt dann als Einschlafhilfe zum Einsatz, indem man das gefüllte Kissen neben sein Kopfkissen legt.

 

Als ich eine meiner Kolleginnen, das Kräuter-Kätchen aus Potsdam, in einer ihrer Kräuterwanderungen begleitete und bei ihr die Räuchermischung „Intuition & Klarheit“, die Hopfen enthält, erworben habe, wurde ich noch fester von diesem tollen Kraut gefesselt. Ich habe die Mischung immer zum Lernen für meine Kräuterausbildung verwendet und habe diese mit Bravour bestanden. Daher auch ein Dank an dich, liebe Maria. Klarheit war mein Schlüssel zum grünen Glück! Also alles in Allem ist der Hopfen ein tolles Kraut, das auf mehr Weisen Verwendung findet als nur zum Bierbrauen.

Hopfen-Gelee

Das Hopfen-Gelee ist ein Ein leckeres Frühstücksgelee mit einer fein-herben Note. Es war Bestandteil meiner Prüfung zur Kräuterpädagogin und wurde dort von Prüfer/Innen und Prüflingen probiert und alle waren begeistert, so dass dieses Rezept als eine meiner ersten Amtshandlungen als Kräuterpädagogin an meine Kolleginnen und Kollegen weitergereicht wurde. Ich hoffe, ich kann dich damit ebenso begeistern. Folge dazu diesem Link zum Hopfen-Gelee Rezept. Viel Freude bei der Zubereitung und lass es dir schmecken.

Bist du Team "Hopfen-Spargel", "Hopfen-Oxymel", "Hopfen-Likör" oder "Hopfen-Gelee"?

Was meinst du: Hopfen-Spargel, -Oxymel oder eine der anderen Leckereien? Verrate mir in den Kommentaren, welches Team du bist – ich bin gespannt!

Wichtiger Hinweis an alle

Jeder Mensch bringt andere Voraussetzungen mit und reagiert auf die Pflanzen die uns umgeben ganz einzigartig. Daher sollten Allergiker besondere Vorsicht walten lassen. Grundsätzlich weise ich daher darauf hin, dass der Genuss von Wildpflanzen bei empfindlichen Menschen Allergien auslösen können. Wenn du damit noch keine Erfahrung gemacht hast, oder dir unsicher bist, probiere erstmal kleine Mengen aus und beobachte, wie du darauf reagierst. Wenn dein Körper darauf nicht negativ reagiert, kannst du die Portion von Mal zu mal steigern, bis du dir ausreichend sicher sein kannst, dass du diese ganz besondere Pflanze verträgst.

Alle publizierten Inhalte in diesem Artikel sind sorgfältig recherchiert, in meiner Ausbildung zur Kräuterpädagogin erlernt und nur als Anregung und zur Unterhaltung gedacht. Sie können den Arztbesuch nicht ersetzen, den ich bei körperlichen Beschwerden immer empfehle. Kräuter, Bäume und Pilze, die ich hier vorstelle, sammle und verarbeite ich für den Eigengebrauch. Bei Zweifel oder Unsicherheiten rate ich, sich an Experten, gerne an mich, zu wenden oder im Rahmen einer Wildkräuterwanderung unter Aufsicht des Kräuter- und Pilzkundigen zu sammeln. Im Zweifel stehen lassen.

Alle Inhalte und Fotos in diesem Artikel werden ausschließlich von mir produziert und dürfen nur nach Absprache und mit meiner Zustimmung von Dritten verwendet werden.

Ich bin offen für Kooperationen und Austausch. Kontaktiert mich dafür gerne über meine E-Mailadresse: contact@wildkrautbraut.de. Ohne vorherige Absprache zugesendete Pakete, werden nicht angenommen und postwendend zurückgeschickt. Werbliche Zusammenarbeiten werden von mir auch als solche gekennzeichnet. Ich werde nur solche Themen bewerben, mit denen ich mich auch zu 100% identifizieren kann.

Bilder

Bild 1 Beitragsbild Hopfenzapfen: selbst fotografiert

Bild 2 Hopfenblüten: selbst fotografiert

Bild 3 Hopfenzapfen: selbst fotografiert

Bilder aktuell zu erwerben bei: : shutterstock

Rezeptbilder: Eigene Erstellung der Grafik

Quellen

Steffen Guido Fleischhauer, Jürgen Guthmann, Roland Spiegelberger, Enzyklopädie, Essbare Wildpflanzen, AT Verlag 2020, 14. Auflage 2023, S. 134 ff.

Sandra Keller-Gramlich und Alexander Gramlich, Die moderne Kräuterhexe, Mit Wildkräutern und Heilpflanzen durchs ganze Jahr, Erschienen im Eigenverlag 2024, 6. Auflage, S. 101.

Das war interessant? Dann könnte dich das auch interessieren:

Abonniere meinen Newsletter

Du möchtest keine Neuigkeiten mehr verpassen? Dann trag dich in das folgende Newsletter-Formular ein und erhalte als Bonus meinen Überblick zu 101 kreativen Verwendungsmöglichkeiten für Wildpflanzen für 0€. Du wirst staunen, wie vielseitig diese Gaben der Natur einsetzbar sind.

101 Verwendungsmöglichkeiten für Wildpflanzen und -früchte

Mit deiner Anmeldung registrierst du dich für meinen Newsletter, über den ich regelmäßig Kontakt mit dir halte. Ich versende E-Mails an dich gemäß der Datenschutzrichtlinie über den Anbieter ActiveCampaign. Du kannst dich jederzeit abmelden.

<img src=“https://vg06.met.vgwort.de/na/43804977c52248919aa40a5a82b87f18″ width=“1″ height=“1″ alt=““>

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert