Ich verrate dir was. Mich hat es erwischt – oder ich bin schon seit einiger Zeit mittendrin. Mit gerade mal 41 Jahren hat es angefangen. Seitdem kämpfe ich mit Stimmungsschwankungen, weine manchmal aus gar nicht so schlimmen Beweggründen und kann kaum wieder aufhören. Nachts schwitze ich, dass ich manchmal täglich die Schlafsachen und das Bettzeug wechseln muss. Meine Haare sind dünner geworden, sodass ich die Kopfhaut mehr und mehr durchschimmern sehe. Und es gibt Nächte, da liege ich stundenlang wach, obwohl ich einen anstrengenden Tag hinter mit habe.
Ich sag’s dir. Das sind typische Symptome der Wechseljahre. Mich haben sie ziemlich unvorbereitet getroffen. Umso besser, dass ich mich zu der Zeit bereits mit Wildkräutern und deren Wirkung beschäftigt habe, sodass ich schnell herausfand, dass es Pflanzen gibt, die dank Phytohormonen die Symptome der Wechseljahre abmildern können. Noch schöner, dass ich im Laufe meiner Weiterbildung zur Kräuterpädagogin mehr darüber erfahren habe und ich mich deshalb in einem Artikel zum Rotklee mehr zu diesem Thema belesen und ausarbeiten konnte. Ja, richtig gelesen – dagegen ist ein Kraut gewachsen. Sogar einige Kräuter. Darüber habe ich bereits im Artikel zur Frauengesundheit berichtet. Heute steht speziell der Rotklee im Fokus. Doch erst einmal steht eine Frage im Raum:
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Was sind eigentlich Wechseljahre – und wen treffen sie?
Die Wechseljahre, medizinisch als Klimakterium bezeichnet, sind eine natürliche Lebensphase, in der der weibliche Körper die Produktion der Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron nach und nach reduziert. Diese Phase beginnt bei den meisten Frauen zwischen dem 45. und 55. Lebensjahr – kann aber wie in meinem Fall auch früher einsetzen. Man spricht dann von einem frühen oder vorzeitigen Klimakterium. Die Übergangsphase vor der letzten Regelblutung (Menopause) nennt sich Perimenopause und kann bereits Jahre zuvor beginnen. Typische Symptome der Wechseljahre sind u.a. Hitzewallungen, Nachtschweiß, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Haarausfall, Libidoverlust und Konzentrationsprobleme. Nicht jede Frau erlebt alle Beschwerden gleich stark – manche kommen mit kaum spürbaren Veränderungen durch diese Phase, andere kämpfen jahrelang mit intensiven Symptomen.
Was sind Phytohormone und wie wirken sie im Körper?
Phytohormone sind im botanischen Sinn pflanzeneigene organische Verbindungen, die Wachstum und Entwicklung der Pflanzen steuern und koordinieren, indem sie sie auslösen, hemmen oder fördern können. Aus der pharmazeutischen Sicht sind Phytohormone Inhaltsstoffe, die den menschlichen Hormonen insoweit ähnlich sind, dass sie eine hormonelle Wirkung erzielen können. Daher sind Phytohormone in den letzten Jahren ins Blickfeld der Wissenschaft geraten, da sie in der Lage sind, den Hormonhaushalt, der in den Wechseljahren durcheinandergerät, unterstützend wieder ins Gleichgewicht bringen zu können – und sie gelten als natürliche Alternative zur Hormonersatztherapie in den Wechseljahren. Einfach gesagt: Phytohormone können an den gleichen Rezeptoren andocken wie körpereigene Hormone, ohne dabei dieselben Nebenwirkungen zu erzeugen wie synthetische Hormone.
Rotklee hilft nicht nur bei Wechseljahresbeschwerden
Rotklee (Trifolium pratense) ist eine wertvolle Heilpflanze, wenn es um Östrogenstabilisierung in den Wechseljahren geht. Er enthält eine besonders hohe Konzentration an Isoflavonen – einer Untergruppe der Phytohormone, die in ihrer Struktur dem körpereigenen Östrogen ähneln. Isoflavone aus Rotklee können eine übermäßige Östrogenbildung normalisieren und gleichzeitig bei Östrogenmangel ausgleichend wirken. Darüber hinaus enthält der Rotklee auch noch weitere wertvolle sekundäre Pflanzenstoffe wie u. a. Gerbstoffe, Cumarin, ätherisches Öl, Harz und Vitamin C. Er wird daher volksheilkundlich auch bei Durchfällen, Husten und chronisch entzündlichen Hauterkrankungen genutzt.
Wo wächst Rotklee und woran erkenne ich ihn?
Das Beste Vorneweg: Rotklee ist essbar, mild im Geschmack und leicht zu trocknen, daher ein idealer Einstieg in die Welt der Wildkräuter. Er ist eine der häufigsten Wildpflanzen Mitteleuropas und wächst auf Wiesen, Wegrändern, in Gärten und auf Brachflächen. Gut zu erkennen ist Rotklee an seinen hellkarmin- bis fleischroten, kugeligen Blütenköpfen. Manchmal sitzen zwei unterschiedlich weit entwickelte Köpfchen an einem unbehaarten, oft verzweigten Stängeln. Die Blätter zeigen häufig das typische helle, Zick-Zack Muster auf den dreizähligen Blättchen.
Gesammelt werden vor allem die Blütenköpfe, die z.B. frisch in Salate gegeben, in Teig ausgebacken oder zu Tee aufgebrüht werden können. Am besten sammelst du die Blüten von April bis Oktober, möglichst abseits von Straßen und unbehandelten Flächen.


Kann Rotklee-Tee Wechseljahresbeschwerden wirklich lindern?
„Rotklee Wechseljahre Tee“ ist eine der meistgesuchten Fragen zu diesem Thema. Und die Antwort ist: Ja, Rotklee-Tee kann unterstützend wirken, insbesondere bei Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen und Schlafstörungen. Studien zeigen, dass eine regelmäßige Einnahme von Isoflavonen aus Rotklee die Häufigkeit und Intensität von Hitzewallungen reduzieren kann. Er ist kein Wundermittel, aber eine sanfte, pflanzliche Unterstützung – besonders für Frauen, die keine Hormonersatztherapie möchten oder können. Mir hat er zumindest geholfen meine Stimmungsschwankungen auszugleichen. Wie bei allen Heilpflanzen gilt: Kontinuität ist wichtiger als Dosis. Ein bis zwei Tassen Rotklee-Tee täglich über mehrere Wochen sind sinnvoller als einmaliger Konsum in großen Mengen. Das Rezept für den Rotklee Wechseljahre Tee findest du, wenn du den Link anklickst.
Ein Farb-Experiment mit dem du deine Kinder beeindrucken kannst
Dazu ein kleiner Tipp, mit dem du auch Kinder beeindrucken kannst: Wenn der Tee aufgebrüht oder ausgezogen ist, erscheint er zunächst gelblich-grün. Gebt ihr ein paar Tropfen Zitronensaft hinein und rührt um, ändert der Tee seine Farbe in Rosa. Der in Rotklee enthaltene sekundäre Pflanzenstoff Isoflavon, auch Isoflavonoid genannt, ist meist ein gelblich gefärbter Pflanzenfarbstoff. Dieser reagiert auf den pH-Wert-senkenden Zitronensaft und ändert als Reaktion darauf seine Farbe.
Das funktioniert im Übrigen auch wunderbar mit Malventee, der sich von blau zu rosa verfärbt. Dort sind allerdings Anthocyane für das Farbenspiel verantwortlich (das Rezept für diesen Tee findest du im Beitrag zur Malve). Das Schöne ist: Der Tee ist auch nach dem Experiment noch genießbar. Wenn Kinder sich zum Beispiel bei einem Kindergeburtstag den Zitronensaft selbst hinzufügen können, schaffst du ihnen und ihren Gästen ein unvergessliches Erlebnis, das sie auch noch trinken können.
Für wen ist Rotklee-Tee geeignet – und für wen nicht?
Rotklee-Tee ist grundsätzlich für gesunde Erwachsene gut verträglich. Schwangere und stillende Frauen sollten jedoch auf die regelmäßige Einnahme von Rotklee-Isoflavonen verzichten, da die hormonelle Wirkung in dieser Phase nicht erwünscht ist. Auch Menschen mit hormonsensitiven Erkrankungen (z. B. bestimmte Brustkrebsformen) sollten vorher ärztlichen Rat einholen.
Hinweis: Vom Rotklee-Tee sollten Kinder aufgrund der enthaltenen Phytohormone nicht mehr als eine Tasse trinken.
Gibt es andere Kräuter, die bei Wechseljahresbeschwerden helfen?
Ja! Wechseljahre sind ein wunderbares Thema – aber Rotklee ist nicht das einzige Kraut, das in dieser Lebensphase begleiten kann. Auch ohne Wechseljahre gibt es tolle Kräuter, die z. B. Menstruationsbeschwerden wie die Stärke der Regelblutung regulieren oder beruhigend bei schlechtem Schlaf wirken können. Dazu empfehle ich dir meinen Beitrag zur Schafgarbe und zum Hopfen. Auch der Frauenmantel ist, wie der Name schon sagt, das Frauenkraut schlechthin.
Weitere interessante Kandidaten für die hormonelle Balance sind Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus), der regulierend auf den Progesteronspiegel wirken kann, sowie Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa), die in der Schulmedizin inzwischen als pflanzliches Mittel gegen Wechseljahresbeschwerden anerkannt ist. Die Pflanzenwelt hat so viel zu bieten – Rotklee und dessen Phytohormone sind dabei nur der Anfang.
Fazit: Rotklee und Wechseljahre – eine sanfte, natürliche Begleitung
Rotklee und Wechseljahre – dieses Thema liegt mir sehr am Herzen, weil ich selbst erfahren habe, wie hilfreich Pflanzenwissen in dieser oft unterschätzten Lebensphase sein kann. Rotklee ist leicht zu finden, leicht zuzubereiten und bietet durch seine Phytohormone eine sanfte Unterstützung für den Hormonhaushalt. Er ersetzt keine ärztliche Beratung, kann aber als tägliches Ritual eine wertvolle Ergänzung sein.
Ich freue mich, wenn du den Tee ausprobierst – vielleicht sogar mit dem Farbexperiment. Und wenn dich das Thema Frauengesundheit, Männergesundheit und heilende Wildkräuter genauso fasziniert wie mich, dann schau gerne auch in meine anderen Beiträge zu Beifuß, Herrentags-Spezial und Hopfen-Oxymel.
Bildnachweise
Alle Bilder sind von mir selbst aufgenommen und dürfen nur nach meiner Zustimmung von Dritten verwendet werden.
Quellen
Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit, www.frauengesundheitsportal.de, Stand August 2025.
Dr. med. Nonnenmacher, www.medlexi.de, Stand 24.04.2024.
Steffen Guido Fleischhauer, Jürgen Guthmann, Roland Spiegelberger, Enzyklopädie Essbare Wildpflanzen, AT Verlag 2020, 14. Auflage 2023, S. 433.
Margot und Dr. Roland Spohn u.a., Kosmos-Naturführer, Das Original, Was Blüht denn da?, Kosmos Verlag 2021, 60. Auflage, S. 80.
Katrin & Frank Hecker, Ein gutes Dutzend Heilende Pflanzen finden und nutzen, Kosmos Verlag 2021, S. 107, 74.
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