Wilde Lieblingsgewürze: Giersch, Brennnessel & Hopfen

Mein Gewürzregal hat weniger kleine Gläschen. Es hat Wiesen, Wegränder und eine Ecke im Garten meiner Schwiegereltern. Klingt komisch, ich weiß. Aber als Kräuterpädagogin ist das nun mal meine Wahrheit: Was bei mir würzt, verfeinert und einem Gericht das gewisse Etwas gibt, das wächst draußen. Und als ich Danielas Frage las, welche drei Lieblingsgewürze ich einsetze und wo, musste ich schmunzeln. Denn meine drei sind keine Gewürze im klassischen Sinn. Giersch, Brennnessel und Hopfen sind meine drei liebsten Würzkräuter aus der Wildnis. Kommst du mit in mein wildes Gewürzregal? Ich erzähle dir, warum ich gerade diese Kräuter so gerne in meiner Küche verarbeite.

Dir gefällt, was du liest? Dann verpasse keinen Blogartikel mehr und abonniere meinen Newsletter!

3 Lieblingskräuter: Giersch, Brennnessel und Hopfen

Warum meine Gewürze am Wegesrand wachsen

Bevor es losgeht, kurz zur Einordnung: Ich könnte dir hier von Zimt, Kardamom und Vanille erzählen. Aber ehrlich? Das können andere besser. Mich kitzelt etwas anderes. Regionalität passt für mich eher. Etwas Wildes. Etwas, das vor der Haustür wächst. Denn meine Würzung beginnt breits beim Sammeln. Kennengelernt habe ich diese Art zu kochen an der Seite meiner Großeltern, bei denen alles aus Hof und Garten verwertet wurde, und später nochmal in meiner Ausbildung zur Kräuterpädagogin. Und drei Kräuter begleiten mich seitdem immer wieder. Jedes aus einem ganz eigenen Grund.

Giersch: das Kraut, das mich zurückgeholt hat

Wenn ein Kraut ein Talent fürs Bleiben hat, dann Giersch. Genau diese hartnäckige, unbeirrbare Art hat mich damals zu den Wildkräutern zurückgebracht. Wo Gärtner verzweifelt jäten, habe ich irgendwann angefangen zu ernten. Woran mich Giersch erinnert? An eine kleine Abmachung mit meinen Schwiegereltern und ihrem Garten. Die ganze Geschichte dazu habe ich in meinem Beitrag zum Giersch erzählt. Und wie ich ihn einsetze? Junge Giersch-Blätter schmecken mild-würzig, fast wie eine Mischung aus Petersilie und Möhrengrün. Genau deshalb ist er für mich ein Würzkraut: in den Salat, ins Pesto, in die Kräuterpaste, überall dorthin, wo etwas frisch Grünes fehlt. Selbst als Aroma im Gelee hat der Giersch in meiner Küche schon eine gute Figur gemacht. Aus diesem „lästigen Unkraut“ ist bei mir inzwischen eine feste Zutat geworden. So fest, dass ich es sogar in einem meiner Blumenkästen auf dem Balkon anbaue. Allerdings mit eher mäßigem Erfolg. Muss ich es wohl doch weiterhin im Garten meiner Schwiegereltern ernten gehen.

Brennnessel: eine Kindheitserinnerung in meinem Lieblingsrezept

Die Brennnessel ist mein zweites wildes Lieblingsgewürz und die persönlichste Wahl. Denn kennengelernt habe ich sie zunächst schmerzhaft: Als Kind bin ich auf dem Zeltplatz einmal mitten in ein Brennnesselfeld gestolpert, in T-Shirt und kurzer Hose. Tagelang brannten die Quaddeln am ganzen Körper. Später wurde aus der Feindin aber eine Verbündete. In der Grundschule hielt ich rüpeligen Jungs eine beherzt gepflückte Brennnessel wie ein Schwert entgegen (fest angefasst brennt sie nämlich nicht), und schon suchten sie das Weite. Die ganze Geschichte erzähle ich in meinem Beitrag zur Brennnessel. Heute steckt sie mitten in meinem Lieblingsrezept: der Wildkräuter-Brennnessel-Quiche, die ich sogar zu meiner ersten eigenen Blogparade verbloggt habe. Als Würzkraut gibt sie herzhaften Gerichten Tiefe, einen fast nussig-grünen Geschmack und nebenbei jede Menge Eisen, Vitamine und Mineralstoffe. Ein Gewürz, das mir besonders gut schmeckt. Meinen Jungs leider nicht. Sie schmecken sie inzwischen überall heraus. Aber wenigstens in der Brennnessel-Quiche konnte ich sie ihnen schmackhaft machen. Diese verschlingen sie regelrecht. Und keine Sorge: Übergessen habe ich mich an ihr noch nicht. 😉

Hopfen: für den Kick im Frühstücksgelee und guten Schlaf

Mein drittes wildes Lieblingsgewürz überrascht die meisten: Hopfen. Ja, das Bierkraut. Aber für mich kann er so viel mehr, als Bier. Zuerst die genüssliche Seite: Er schmeckt überraschend lecker als Hopfen-Likör und gibt einem Frühstücksgelee den gewissen fein-herben Kick. Im Rahmen meiner Prüfung zur Kräuterpädagogin habe ich dieses Gelee angeboten, alle waren begeistert und haben nach dem Rezept gefragt. Dann die leise Seite: Hopfen sorgt für guten Schlaf. Mein „Schlaf-gut-Oxymel“ mit Hopfen hilft mir, abends zur Ruhe zu kommen. Warum mich diese Pflanze darüber hinaus so fasziniert, habe ich in meinem Beitrag zum Hopfen ausführlich beschrieben. Letztendlich ich Hopfen für mich ein Gewürz, das morgens aufs Brot kommt und mich abends beruhigt. Vielseitiger geht es kaum.

Klassisch oder gewagt? Bei mir eindeutig wild

Daniela fragt, ob man sein Lieblingsgewürz klassisch oder gewagt einsetzt. Bei mir ist wohl schon die Auswahl gewagt. 😅 Drei Kräuter, die die meisten als Unkraut oder höchstens als Bierzutat abtun. Aber genau das ist der Punkt: Würze muss nicht immer aus dem Regal kommen. Sie kann auch vor der Haustür wachsen, wenn du nur genau hinsiehst, kannst du dort 101 Ideen entdecken. Giersch holte mich zurück in die Wildkräuterwelt, die Brennnessel trägt meine Kindheit in sich, und der Hopfen begleitet mich vom Frühstück bis zum Abend.

Und du? Was ist dein Lieblingsgewürz? Kommt es aus dem Glas oder wächst es vielleicht doch wild vor deiner Tür? Erzähl es mir, ich bin gespannt.

Grüne Grüße Inga


Bilder

Das Beitragsbild ist KI-modifiziert. Alle übrigen Bilder sind selbst fotografiert und teilweise erwerbbar bei: shutterstock.

2 Kommentare

  1. Liebe Inga, das ist eine sehr spannende – und für mich neue – Sicht auf Gewürze. Ich kenne mich leider nicht so gut mit Wildkräutern aus, finde es aber super, was alles wächst, was wir in der Küche brauchen können. Vielen Dank für diesen tollen Artikel.
    Herzliche Grüsse
    Daniela

    1. Sehr gerne, Daniela, es war auch für mich mal eine ganz andere Erfahrung, meine Wildkräuter als Gewürze zu sehen, aber genau das hat mich eigentlich mal zu ihnen geführt. Sie schmecken so anders, dass sie tatsächlich auch als Würze in meiner Küche fungieren. Dein Thema hat mir quasi erst die Augen geöffnet, danke dafür!

      Grüne Grüße
      Inga

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Wichtige Hinweise

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Bei ernsthaften Beschwerden oder Erkrankungen wende dich bitte an einen Arzt oder eine Ärztin.

Jeder Mensch bringt andere Voraussetzungen mit und reagiert auf die Pflanzen die uns umgeben ganz einzigartig. Daher sollten Allergiker besondere Vorsicht walten lassen. Grundsätzlich weise ich daher darauf hin, dass der Genuss von Wildpflanzen bei empfindlichen Menschen Allergien auslösen kann. Wenn du damit noch keine Erfahrung gemacht hast, oder dir unsicher bist, probiere erstmal kleine Mengen aus und beobachte, wie du darauf reagierst. Wenn dein Körper darauf nicht negativ reagiert, kannst du die Portionen von Mal zu mal steigern, bis du dir ausreichend sicher sein kannst, dass du diese ganz besondere Pflanze verträgst.

Alle publizierten Inhalte in diesem Artikel sind sorgfältig recherchiert, in meiner Ausbildung zur Kräuterpädagogin erlernt und nur als Anregung und zur Unterhaltung gedacht. Sie können den Arztbesuch nicht ersetzen, den ich bei körperlichen Beschwerden immer empfehle. Kräuter, Bäume und Pilze, die ich hier vorstelle, sammle und verarbeite ich für den Eigengebrauch. Bei Zweifel oder Unsicherheiten rate ich, sich an Experten, gerne an mich, zu wenden oder im Rahmen einer Wildkräuterwanderung unter Aufsicht des Kräuter- und Pilzkundigen zu sammeln. Im Zweifel stehen lassen.

Alle Inhalte und Fotos in diesem Artikel werden ausschließlich von mir produziert und dürfen nur nach Absprache und mit meiner Zustimmung von Dritten verwendet werden.

Abonniere meinen Newsletter

Abonniere meinen Newsletter!

Mit deiner Anmeldung registrierst du dich für meinen Newsletter, über den ich regelmäßig Kontakt mit dir halte. Ich versende E-Mails an dich gemäß der Datenschutzrichtlinie über den Anbieter ActiveCampaign. Du kannst dich jederzeit abmelden.