Herrentags-Spezial: Wildkräuter die auch Männergesundheit stärken

Am Himmelfahrtstag – in Deutschland liebevoll auch Herrentag oder Vatertag genannt – ziehen Männergruppen mit Bollerwagen oder als Fahrradkolonne durch die Lande. Was liegt da näher, als die Natur am Wegesrand einmal genauer unter die Lupe zu nehmen? Denn Wildpflanzen und Kräuter stärken nicht nur die Frauengesundheit, auch für die Männergesundheit hat die Pflanzenwelt einiges zu bieten.

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Wenn Pflanzen Männer stärken

Lange wurde Kräuterwissen vor allem mit Frauen assoziiert. Ich gebe zu, auch ich habe mich in meiner Ausbildung zur Kräuterpädagogin auch vornehmlich mit Frauenthemen und passenden Kräutern beschäftigt, denn ich bin ja selbst ein Teil davon. Bei meiner Recherche, welche Gesundheitlichen Vorteile Wildpflanzen und die Kräuter am Wegesrand bieten können, bin ich auch oft darüber gestolpert, dass Wildpflanzen grundsätzlich auch geschlechterunabhängige Wirkungen haben. Selbst mein Rezept für Frauentee kann genauso gut die Verdauung nach schwerem Essen unterstützen und generell bei Bauchschmerzen entkrampfend wirken. Und auch bei anderen Geschlechtern (ich möchte hier keine geschlechtliche Identität ausnehmen) ist nicht immer eitel Sonnenschein und ein Tee für innere Balance kann auch da ausgleichend auf das Gemüt wirken. Wie du siehst haben Wildpflanzen insbesondere auch für den männlichen Körper viel zu bieten – von der Prostata über das Herz bis hin zur Nervengesundheit. Zeit, anlässlich des Herrentages ein wenig Licht ins Dunkel der Männergesundheit zu bringen!

Wildkräuter für die Männergesundheit – ein Überblick

Kräuter für Prostata & Harnwege

Ein ständiger Harndrang und aufgrund vergrößerter Prostata trotzdem wenig Wasser lassen zu können, sind Themen, die auf Familienfeiern oft ein Thema sind. Und ich stelle immer öfter fest, dass ein gesunder Harntrakt und eine gesunde Prostata für immer mehr Männer – besonders ab der Lebensmitte – nicht mehr selbstverständlich sind. Dank meinen weitereichenden Kräuterwissens bin ich dafür dann ein geschätzter Gesprächspartner für Tipps und Tricks aus der Wildpflanzenwelt. Denn folgende Wildpflanzen können unterstützend für die Männergesundheit eingesetzt:

Brennnessel (Urtica dioica)

Die Brennnessel enthält u.a. Phytohormone und Proteine, die eine krebsvorbeugende Wirkung haben. Daher ist der Einsatz der Brennnesselwurzel wahrscheinlich eines der bekanntesten pflanzlichen Mittel, die bei Prostatabeschwerden und damit verbundenen Schwierigkeiten beim Wasserlassen zum Einsatz kommen. Gleichzeitig wirkt die Pflanze harntreibend und entgiftend über die Nieren. Darüber hinaus sind einige andere gesundheitsfördernde Wirkungen z.B. bei rheumatischen Beschwerden und Verdauungsleiden bekannt. Also ein echtes Allroundtalent!

Weidenröschen (Epilobium spec.)

Es gibt zahlreiche Weidenröschen-Arten. Als wirkungsvollste Art wird volksheilkundlich das kleinblütige Weidenröschen beschrieben. Das schmalblättrige Weidenröschen dagegen wurde als Gemüse in Ostpolen kultiviert, hauptsächlich zur Nutzung der Wurzeln. Aufgrund ihrer entzündungshemmenden und antimikrobiellen Eigenschaften fanden Weidenröschen bei gutartiger Vergrößerung der Prostata und den damit verbundenen Schwierigkeiten beim Wasserlassen Anwendung. Damit ist das Weidenröschen je nach Art ein mehr oder weniger wirksames und wertvolles Männerkraut, das als Tee auch bei Magen-, Nieren-und Darmentzündungen Linderung verschafft. Leider ist deren Bedeutung in der Männerheilkunde zunehmend in den Hintergrund gerückt. Umso mehr ein Grund, es in Sachen Männergesundheit wieder mehr in den Fokus unser heilkräuterlichen Aufmerksamkeit zu rücken.

Kräuter für Herz & Kreislauf

Männer sind statistisch häufiger von Herz-Kreislauf-Erkrankungen betroffen, als Frauen. Umso schöner zu wissen, dass die Natur einige wertvolle Helfer bereithält:

Weißdorn (Crataegus monogyna / laevigata)

Weißdorn, insbesondere die Arten Eingriffliger Weißdorn (Crataegus monogyna) und zweigriffliger Weißdorn (Crataegus laevigata), gilt seit klinischen Studien in der Neuzeit als das Herzkraut schlechthin. Er stärkt bei längerfristiger Anwendung den Herzmuskel, verbessert die Durchblutung und reguliert sanft den Blutdruck. Dafür kommen Blüten, Blätter und Beeren gleichermaßen zur Verwendung. Sie werden frisch oder auch getrocknet zu einem Tee aufgegossen oder 10 Tage in Weißwein durchgezogen und abgeseiht als herzwirksamer Kräuterwein genossen.

Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata)

Eine meiner Lieblingspflanzen im Frühjahr, insbesondere als wertvolle Bärlauchalternative, ist die Knoblauchsrauke. Denn diese häufige Wildpflanze enthält genauso wie Bärlauch schwefelhaltige Verbindungen ähnlich dem Knoblauch und gilt als herzschützend. Als Wildkraut ist sie leicht zu sammeln und deren Blätter und Blüten sind frisch als Salatbeilage (z.B. in einem köstlichen Frühlingssalat) einfach in die tägliche Ernährungsroutine integrierbar. Als Trockengewürz sind sie leider nicht geeignet, das sie bei Trocknung den Knoblauchduft verliert. Allerdings habe ich gute Erfahrung mit ihrer Verarbeitung in einer Kräuterpaste gemacht. Das darin enthaltene Salz macht die Paste haltbar und die gesundheitsfördernden Stoffe der Knoblauchsrauke können damit über ihre Saison hinaus ( April bis in den Hochsommer hinein) genutzt werden.

Schafgarbe (Achillea millefolium)

Ein echtes Brückenkraut: Schon in meinem Artikel zur Frauengesundheit war die Schafgarbe dabei – weil sie eben ein Allroundkraut ist. Sie zählt zu einer der wichtigsten Pflanzen in der Hausapotheke. Die meisten Wirkstoffe enthalten die Blüten. Sie sind hervorragend für Tees geeignet. Aber auch die Blätter sind eine leckere Ergänzung in Salaten. Die gesamte Pflanze wirkt u.a. anregend auf den Blutkreislauf insbesondere bei Durchblutungsstörungen des Herzens. Sie hat auch einen Platz im Abschnitt Leber und Verdauung verdient, da ihre enthaltenen Bitterstoffe Gallensäfte anregen, chronische Lebererkrankungen und sie Magen- und Darmprobleme lindert. (Vorsicht! Geringe Mengen sind unbedenklich. Allerdings ein geringer Gehalt an Thujon (Nervengift, dass in hoher Dosierung Krämpfe und erhöhte Lichtempfindlichkeit hervorrufen kann)). Sie wird darüber hinaus volksmedizinisch bei Hämorrhoiden und Menstruationsbeschwerden eingesetzt und wird daher oft als klassisches Frauenkraut bezeichnet. Aber auch Männer können von Hämorrhoiden und Bauchkrämpfen betroffen sein und dürfen die Schafgarbe ebenfalls liebhaben!

Kräuter für Nerven, Stressresilienz & innere Stärke

Stress, Leistungsdruck, innere Unruhe sind in der heutigen schnelllebigen Welt schon lange keine Randerscheinung mehr– auch Männer kennen das. Folgen können Depressionen, Schlafstörungen und Leistungsminderungen sein, die sich negativ auf die Männergesundheit auswirken. Folgende Wild- aber auch Garten-Kräuter unterstützen das Nervensystem und können diese Beschwerden lindern:

Johanniskraut (Hypericum perforatum)

Depressionen sind kein Frauenproblem. Auch Männer können von depressiven Phasen betroffen sein. Rund 5,1 % der Männer sind inzwischen erkrankt und die Anzahl hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Bei der Depression herrscht ein Mangel an Neurotransmittern. Nervenimpulse von einer Zelle zur nächsten gelangen. Ein Mangel an diesen Neurotransmittern führt zu einer verminderten Konzentration im Gehirn, was die Stimmung, Motivation und Freude beeinflusst. Inzwischen wird Johanniskraut mit Erfolg medizinisch als Anti-Depressivum eingesetzt. Seine Wirksamkeit wird hauptsächlich auf das enthaltene Hypericin (färbt die Finger mein Pflücken rot) und Hyperforin zurückgeführt. Diese sorgen dafür, dass zwischen den Zellen Botenstoffe wichtige Signale wieder übertragen werden können. Regelmäßig als Zutat in einem Kräutertee für innere Balance eingenommen können die kleinen Sonnen, wie die Blüten liebevoll auch genannt werden, in solchen besonders dunklen Phasen helfen. Also ran an die goldgelben Blüten, ihr Lieben! Zum Wohle der Männergesundheit.

Hopfen (Humulus lupulus)

Das wohl männlichste Heilkraut überhaupt und dabei kaum als solches bekannt: Der Hopfen. Er ist heutzutage fester Bestandteil des Bieres, das am Herrentag immer noch sehr beliebt und besonders ausgiebig genossen wird. Doch lange bevor er jedoch ins Bier wanderte, wurde er als Heilpflanze genutzt. Die Hopfenblüten, die wie kleine grüne Zapfen aussehen, wirken stark beruhigend, schlaffördernd und nervenstärkend. Ein Hopfen-Oxymel ist eine wunderbare Art, in den Genuss dieser Wirkung zu kommen. Doch Vorsicht! Bierbauch und -brüste kommen nicht von ungefähr. Hopfen enthält Phytohormone, die dem weiblichen Hormon „Östrogen“ ähneln. Zuviel dieses Hormons und die Bildung von Brüsten und Bauchfett kann angeregt werden.

Lavendel (Lavandula angustifolia)

Lavendel mag manchem als zu „seifig“ erscheinen – dabei ist er ein bewährtes Nerven- und Beruhigungskraut, das sowohl innerlich als Tee als auch äußerlich als Duft wirkt. Er senkt nachweislich Stresshormone und verbessert die Schlafqualität. Da Lavendel eine mediterrane Pflanze ist, die ursprünglich aus dem Mittelmeerraum stammt, ist er zumindest im Land Brandenburg nur in Gärten oder Parks anzutreffen. Doch ich kenne kaum einen Garten, in dem ihm nicht ein kleines Plätzchen eingeräumt wird. Selbst auf meinem Balkon versuche ich ihn immer wieder anzusiedeln. Bisher wenig erfolgreich. Wer also auch kein Glück beim Lavendelanbau hat, kann fertigen Lavendel-Tee im Handel oder getrocknete Blüten beim Kräuterhändler erwerben. Abends als Tee eingenommen, hilft er Unruhe und Nervosität zu überwinden. Über die Schlafförderung hinaus, wirkt er auch mental stabilisierend.

Kräuter für Leber & Verdauung (der Herrentags-Notfallplan)

Bollerwagen, Bier und Bratwurst – der Herrentag stellt die Verdauung auf die Probe. Gut, dass die Natur hier mit folgenden heimischen Wildpflanzen nicht nur für die Männergesundheit vorsorgt:

Mariendistel (Silybum marianum)

Die Mariendistel ist das Leberkraut par excellence und wird seit dem Altertum als Heilpflanze genutzt. Erstaunlich ist, dass die leberschützenden und -regenerierenden Eigenschaften alkoholischer Extrakte aus Mariendistelsamen erst im 18. Jahrhundert entdeckt wurden. Der Wirkstoff Silymarin schützt die Leberzellen und unterstützt die Regeneration. Sie wirkt aber auch ausgleichend auf Verdauungsbeschwerden. Also ideal vor und nach dem Herrentags-Buffet.

Löwenzahn (Taraxacum officinale)

Löwenzahn stärkt Leber und Galle und regt die Verdauung an. Als Wildkraut ist er überall zu finden – vom Straßenrand bis zur Wiese. Für die Blätter finden sich vielfältige Verwendungsmöglichkeiten, die von der Salatbeigabe bis hin zu gedämpftem Bittergemüse reichen. Aus den Knospen kannst du darüber hinaus Kapern und Chutneys herstellen oder sie lassen sich als Gemüse braten. Die Blüten können zu Gelee verarbeitet werden. Vergiss dabei nicht, den grünen Kelch zu entfernen (denn mit Kelch schmeckte mein selbstgemachtes Gelee ziemlich bitter). Sie machen sich aber auch hübsch als Deko über einen Salat, Desserts oder Blütenbutter gestreut, zum Beispiel zusammen mit Vogelmiere, Gänseblümchen, Taubnessel und/oder Gundermann.

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Beifuß (Artemisia vulgaris)

Beifuß ist nicht nur ein Frauen- und Festtagskraut, sondern ein echter Allrounder für Verdauung und Leber. Zusammen mit Schafgarbe bildet er daher eine gute Grundlage für einen entkrampfenden und verdauungsfördernden Tee. Auch, wenn in dem verlinkten Artikel von Regelschmerzen die Rede ist, können auch Männer unter Bauchschmerzen, insbesondere nach einem ausgiebig gefeierten Herrentag, leiden. Die entkrampfende Wirkung wirkt auch in diesem Fall entspannend, besonders in Verbindung mit der Wärme des Tees. Darüber hinaus habe ich noch einen kleinen Fakt am Rande für dich: Bevor der Hopfen das Bier eroberte, war es der Beifuß, der gemeinsam mit anderen Kräutern dem sogenannten Grut-Bier seine Würze und Wirkung verlieh. Also war der Beifuß so gesehen von Anfang an ein Männerkraut, oder wie siehst du das?! Lies dazu gerne mehr in meinem Artikel zum Beifuß, den ich dir am Anfang des Absatzes verlinkt habe.

Männergesundheit heute: Wissen neu entdecken

Kräuterwissen ist kein Hexenwerk – und erst recht kein reines Frauenthema. Immer mehr Männer entdecken die Heilkraft der Natur für sich. Der Herrentag ist eine wunderbare Gelegenheit, den Blick auf die Wildpflanzen am Wegesrand zu lenken, die auch zur Männergesundheit beitragen. Insbesondere ein guter Anlass, sich bewusst zu machen, dass die Verwendungsmöglichkeiten von Wildpflanzen und -früchten unabhängig von Geschlechtern und Anwendungsgebieten so vielfältig sind.

Abschlussgedanken zur Männergesundheit mit Wildpflanzen

Ob Herrentag, Vatertag oder einfach ein Spaziergang durch die Wiesen – die Natur schenkt uns das ganze Jahr über wertvolle Begleiter. Vielleicht ist dieser Artikel eine Einladung, beim nächsten Ausflug nicht nur den Bollerwagen, sondern auch die Augen offenzuhalten. In diesem Sinne ein Prosit auf euch Männer, egal zu welchem Anlass.


Bildnachweise

Alle Bilder sind von mir selbst aufgenommen und dürfen nur nach meiner Zustimmung von Dritten verwendet werden.

Quellen

Steffen Guido Fleischhauer, Jürgen Guthmann, Roland Spiegelberger, Enzyklopädie Essbare Wildpflanzen, AT Verlag 2020, 14. Auflage 2023, S. 249, 188, 375, 491, 547, 574.

Marie-Claude Paume, Grün, wild und schmackhaft, Lebendige Nahrung gratis aus der Natur, Hans Nietsch Verlag 2011, S. 100, 128.

Katrin & Frank Hecker, Ein gutes Dutzend Heilende Pflanzen finden und nutzen, Kosmos Verlag 2021, S. 107, 74.

Wichtige Hinweise

Jeder Mensch bringt andere Voraussetzungen mit und reagiert auf die Pflanzen die uns umgeben ganz einzigartig. Daher sollten Allergiker besondere Vorsicht walten lassen. Grundsätzlich weise ich daher darauf hin, dass der Genuss von Wildpflanzen bei empfindlichen Menschen Allergien auslösen können. Wenn du damit noch keine Erfahrung gemacht hast, oder dir unsicher bist, probiere erstmal kleine Mengen aus und beobachte, wie du darauf reagierst. Wenn dein Körper darauf nicht negativ reagiert, kannst du die Portion von Mal zu mal steigern, bis du dir ausreichend sicher sein kannst, dass du diese ganz besondere Pflanze verträgst.

Alle publizierten Inhalte in diesem Artikel sind sorgfältig recherchiert, in meiner Ausbildung zur Kräuterpädagogin erlernt und nur als Anregung und zur Unterhaltung gedacht. Sie können den Arztbesuch nicht ersetzen, den ich bei körperlichen Beschwerden immer empfehle. Kräuter, Bäume und Pilze, die ich hier vorstelle, sammle und verarbeite ich für den Eigengebrauch. Bei Zweifel oder Unsicherheiten rate ich, sich an Experten, gerne an mich, zu wenden oder im Rahmen einer Wildkräuterwanderung unter Aufsicht des Kräuter- und Pilzkundigen zu sammeln. Im Zweifel stehen lassen.

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