Der Hirschkolben-Sumach, auch „Essigbaum“ genannt, ist ein sommergrüner Zierbaum, dessen reife rote Fruchtkolben essbar sind und zu einer Vitamin-C-reichen Limonade („Indian Lemonade“) verarbeitet werden können. Trotzdem sorgt er seit Jahrhunderten für Diskussionen: Während die einen ihn als gefährlichen Neophyten und giftig einstufen, schätzen andere seine prachtvolle Herbstfärbung und die vielseitige Nutzung seiner Früchte. Kurz vorweg: Die reifen, roten Kolben des Essigbaums sind nicht nur essbar, sondern sogar gesund. Sein schlechter Ruf beruht vor allem auf einer Verwechslung mit dem echten Giftsumach. Tatsächlich steckt im Essigbaum weit mehr, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Von beeindruckender Zierde über gesunde Inhaltsstoffe bis hin zu kreativen Bastelideen – dieser Baum ist ein wahres Multitalent, das es sich lohnt, näher zu betrachten. Am Ende dieses Beitrags findest du eine einfache Anleitung, wie du die spektakulär gefärbten Herbstblätter des Essigbaums wunderbar mit einem Windlicht in Szene setzen kannst. Das ist doch eine tolle Beschäftigungsidee für die kommenden Herbstferien.

Essigbaum auf einen Blick:
- Giftig oder essbar? Die reifen roten Kolben sind essbar. Milchsaft, unreife Früchte, Samen und Wurzeln sind leicht giftig und der Milchsaft ist hautreizend.
- Verwechslung: Der „giftig“-Ruf stammt vom echten Giftsumach (enthält Urushiole). Der Hirschkolben-Sumach enthält keine Urushiole.
- Erkennungsmerkmal: aufrechte, rote, samtig behaarte Kolben (essbar), nicht weiße, hängende Beeren (Giftsumach).
- Erntezeit: August bis September.
- Verwendung: „Indian Lemonade“ (kalt ansetzen!, durch Tuch abseihen entfernt die Härchen), Sumach-Gewürz.
- Wichtig: Kolben nie heiß aufgießen; für Katzen giftig.
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Ist der Essigbaum giftig oder essbar?
Von den einen als überhandnehmender Neophyt verteufelt und für giftig erklärt und von den anderen als wunderschöne Ergänzung für das Gartenbeet und sogar als vitaminreiche Nahrungsergänzung geschätzt, streiten sich bis heute die Geister über den Hirschkolben-Sumach. Auch ich wurde als Kind vor diesem Baum gewarnt. Trotzdem habe ich ihn bewundert, wenn er im Herbst seine beeindruckende Herbstfärbung zeigte. Auch die Kolben übten eine magische Anziehungskraft auf mich aus. Diese roten Kerzen, die die kleinen pelzigen Früchte beherbergen, überdauern, selbst nachdem alle Blätter bereits abgefallen sind, den Winter und verleihen dem winterlichen Spaziergang etwas Farbe. Außerdem fasste ich gerne die Äste an, die über und über von kleinen Härchen bedeckt sind. Daher rührt eigentlich sein Name „Hirschkolbensumach“ her, denn die samtig behaarten Äste erinnern an das junge Geweih von Hirschen.
Warum gilt der Essigbaum als giftig?
Der schlechte Ruf des Essigbaums beruht auf einer Verwechslung: Der echte Giftsumach (aus der Gattung Toxicodendron) enthält sogenannte Urushiole, die heftige allergische Hautreaktionen auslösen. Beim Hirschkolben-Sumach (Rhus typhina) wurden diese Stoffe nicht nachgewiesen. Du erkennst den essbaren Essigbaum an seinen aufrechten, roten, samtig behaarten Kolben. Der Giftsumach trägt dagegen weiße bis beerenartige, hängende Fruchtstände. Trotzdem gilt: Essbar sind nur die reifen Kolben. Der austretende Milchsaft kann die Haut reizen, und die feinen Härchen auf den Früchten kratzen im Hals. Deshalb setzt man die Kolben immer kalt an, seiht sie durch ein möglichst engmaschiges Tuch ab und gießt sie nur mit kaltem Wasser auf (Mit heißem Wasser lösen sich bittere, unverträgliche Gerbstoffe aus den Samen). Achtung: Für Katzen ist der Essigbaum grundsätzlich giftig.

Wie verwendet man Essigbaum in der Küche?
Die ungewöhnliche volkstümliche Bezeichnung „Essigbaum“ ist mir geläufiger. Sie wiederum geht daraus hervor, dass die roten, so schön samtig behaarten Früchte so sauer und beinahe wie Essig schmecken sollen. In Deutschland sind die Beeren des Essigbaums in Verruf gekommen und gelten schon lange als giftig. Dabei sind sie in Wirklichkeit sogar sehr gesund und schmackhaft. Die Früchte werden frisch ca. 24 Stunden in kaltem Wasser ziehen gelassen, dann ergeben sie eine sauer-erfrischende rosafarbene Limonade. Sie wird auch „Indian Lemonade“ genannt, da sie bereits von den amerikanischen Ureinwohnern hergestellt wurde. Bei all der Diskussion um die Giftigkeit ist die Tatsache umso erstaunlicher, dass die Früchte wahre Vitamin C-Bomben sind und als Superfood gelten. Es gibt die Früchte sogar als Trockengewürz, vor allem für die türkische Küche. Denn sie enthalten auch viele weitere Nährstoffe.

Welche Inhaltsstoffe stecken im Essigbaum?
Unter anderem stecken die Früchte voller Apfel- und Zitronensäure. Daher gelten sie als das sauerste Gewürz überhaupt. Darüber hinaus verfügen sie über einen hohen Anteil an Antioxidantien, Vitamin C und Omega 3-Fettsäuren sowie Gerbstoffe. Antioxidantien können freie Radikale neutralisieren, die im Verdacht stehen, an Krebs- und Herzerkrankungen beteiligt zu sein. Freie Radikale entstehen, wenn die Leber von uns aufgenommene Umwelt und Nahrungsgifte unschädlich macht. Und Antioxidantien sind essentiell für unsere Verdauung. Auch auf Entzündungsprozesse haben Antioxidantien und Omega 3-Fettsäuren einen positiven Einfluss. Dazu könnte ich glatt einen eigenen Artikel schreiben. Wenn dich das interessiert, schreibe mir gerne einen Kommentar mit dem Stichwort „Entgiftung mit Wildkräutern“ und trage dich in mein Newsletter-Formular weiter unten ein. Ich werde dich informieren, sobald ich ihn fertig habe.
Ist der Essigbaum gesund? Traditionelle Verwendung
Aufgrund dieser wertvollen und gesunden Inhaltsstoffe, sollen die Früchte des Essigbaums bereits vor tausenden von Jahren als Heilmittel genutzt worden sein. Damals wurden die Früchte zu Tee verarbeitet und bei stillenden Müttern zur Anregung der Milchproduktion eingesetzt worden sein. Außerdem fand der Tee zur Linderung von Erkältungen und zur Heilung von Magen-Darm-Problemen Verwendung. Bei regelmäßigem Verzehr schützen sie laut Volksheilkunde Herz und Kreislauf und sollen sogar den Alterungsprozess verlangsamen. Die enthaltenen Gerbstoffe helfen außerdem bei Durchfall und Menstruationsbeschwerden, da sie zusammenziehend (adstringierend) wirken. Weiterhin soll sich Sumach traditionell positiv auf Zahn-Erkrankungen und Diabetes auswirken. Und habe ich zu viel versprochen? Eine weitere Wildpflanze, die leider viel zu oft unterschätzt wird.
Herbstzauber am Essigbaum: Faszination Blattfärbung
Doch nicht nur in der Ernährung und als natürliches Heilmittel für die Hausapotheke spielt der Sumach eine Rolle. Was mich am meisten am Essigbaum fasziniert, ist seine spektakuläre Herbstfärbung. Die leuchtenden Farben der Blätter sind nicht nur ein optisches Highlight, sondern auch Ausdruck einer cleveren Überlebensstrategie der sommergrünen Pflanzen. Im Gegensatz zu immergrünen Pflanzen legen sommergrüne Arten, wie der Essigbaum, in der kalten Winterzeit eine ressourcensparende Ruhepause ein. Sie wachsen nur minimal, betreiben kaum Photosynthese und leben in dieser Zeit von den im Sommer angesammelten Reserven. So überstehen sie auf Sparflamme die unwirtliche Jahreszeit nahezu schadlos.
Chlorophyll-Abbau und Carotinoide: So entstehen Herbstfarben
Um Energie zu sparen, werfen sie ihre Blätter ab. Bevor sie das jedoch tun, sorgen sie dafür, dass so viele Nähr- und Reservestoffe wie möglich aus den Blättern recycelt und eingelagert werden. Das Startsignal für diesen wichtigen Prozess sind die Ankündigung des Herbstes durch niedrige Temperaturen und kürzere Tage. Der Blattfarbstoff Chlorophyll, der die Blätter im Frühjahr und Sommer grün färbt, wird dann langsam ab- und umgebaut. Dadurch werden die in den Blättern hergestellten und auch während des Sommers eingelagerten Nährstoffe zurückgewonnen. Durch die Verlagerung von Chlorophyll aus den Blättern heraus, werden die durch Carotinoide gelb gefärbten Chloroplasten sichtbar. Orange Herbstfärbung entwickelt sich aus Gerontoplasten, die aus umgewandelten Chloroplasten entstehen und reich an gelben und orangen Carotinoiden sind. Dazu habe ich bereits im Artikel zum Ahorn berichtet.
Herbstblätter clever geschützt: Die Rolle der Anthocyane
Kälte verlangsamt alle Prozesse in der Pflanzenzelle, u.a. die Photosynthese, sodass die Sonnenenergie nicht mehr in nutzbarer Form gespeichert werden kann. Es entsteht ein Energieüberschuss, der Zellbestandteile beschädigen kann – ähnlich, wie wenn wir einen Sonnenbrand bekommen. Um sich davor und vor Frost und Schädlingen zu schützen, werden von einigen Pflanzen, insbesondere von immergrünen Pflanzen, rote oder violette Anthozyane gebildet, die als Schutz vor diesen schädlichen Effekten wirken. Eindrucksvoll zu sehen auf dem Beitragsbild von einem komplett gelben Ahorn und einem orange-roten Essigbaum, das ich im Herbst 2024 aufgenommen habe.
Windlicht aus Essigbaum-Blättern basteln
Die leuchtenden Blätter des Essigbaums haben mich so inspiriert, dass ich daraus eine kreative Herbst-Bastelidee entwickelt habe. Bald sind Herbstferien. Warum also nicht die Zeit für einen Herbstausflug mit den Kindern nutzen. Die schönsten Herbst-Blätter sammeln und ca. 1 Woche zwischen Zeitungen und dicken Büchern pressen. Die besonders schönen Blattfärbungen eignen sich perfekt als Material für DIY-Projekte (dabei gibt es noch mehr als diese Verwendungsidee für Wildpflanzen) In der zweiten Ferienwoche also die gepressten Blätter für schön Herbst-Basteleien verwenden. In der folgenden einfachen Anleitung zeige ich dir Schritt für Schritt, wie du aus den bunten Blättern des Essigbaums ein stimmungsvolles Windlicht zaubern kannst, das in der Herbstzeit eine warme und gemütliche Atmosphäre zaubert. Folge einfach dem Link zur Anleitung fürs Herbst-Windlicht.

Der Essigbaum – mehr als ein umstrittener Neophyt
Der Essigbaum ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie schnell Vorurteile den Blick auf die wahren Qualitäten einer Pflanze verstellen können. Was viele als giftig abgestempelt und aus dem Garten verbannt haben, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als vielseitiges Multitalent: als Vitamin-C-reiches Superfood, als bewährtes Heilmittel aus der Hausapotheke, als farbenprächtige Augenweide im Herbst und sogar als kreative Inspirationsquelle für gemütliche Bastelstunden. Der Hirschkolben-Sumach verdient also definitiv eine Rehabilitation und vielleicht sogar einen Ehrenplatz im Garten. Wer ihn einmal wirklich kennengelernt hat, wird ihn so schnell nicht mehr missen wollen.
Häufige Fragen zum Essigbaum
Die reifen, roten Kolben sind essbar und gesund. Leicht giftig sind dagegen der Milchsaft, unreife Früchte, Samen und Wurzeln. Der Milchsaft kann außerdem die Haut reizen. Für Katzen ist die Pflanze giftig.
Der schlechte Ruf kommt vom echten Giftsumach (Toxicodendron), der Urushiole enthält. Der Hirschkolben-Sumach enthält diese nicht. Erkennungsmerkmal: aufrechte, rote, behaarte Kolben, nicht weiße, hängende Beeren.
Von August bis September, wenn die Kolben tiefrot und gut ausgereift sind.
Sauer, fast wie Essig. Daher der Name. Kalt angesetzt ergeben sie eine erfrischend säuerliche Limonade.
Bei Hitze lösen sich große Mengen bitterer, unverträglicher Gerbstoffe aus den Samen. Deshalb die Früchte immer nur kalt ansetzen.
Grüne Grüße
Inga
Bilder & Quellen
Bilder: Eigene Aufnahmen, teilweise erwerbbar bei: shutterstock.
Steffen Guido Fleischhauer, Jürgen Guthmann, Roland Spiegelberger, Enzyklopädie, Essbare Wildpflanzen, AT Verlag 2020, 14. Auflage 2023, S. 456 f.
Rebecca Kapfinger, www.fitnessfirst.de
