Ehrlich? Luxemburg stand nie ganz oben auf meiner Wunschliste. “So ein kleines Land”, dachte ich, “Banken, Beamte, ein bisschen Altstadt. Das guckt man sich einmal an und gut. Mal schauen, wie wir die 3 Tage gefüllt bekommen.” Wie sehr ich mich geirrt habe. Darüber habe ich bereits in meinem Jahresrückblick 2025 kurz berichtet, aber hier noch einmal ein allumfassender Reisebericht. Denn Luxemburg hat mich im wahrsten Sinne des Wortes auf so vielen Ebenen überrascht, dass ich am Ende mit vollem Herzen und einem großen blauen Fleck wieder weiter nach Belgien gefahren. Aber der Reihe nach.
Dieser Artikel ist mein Beitrag zur Blogparade von Anita Obrist, die fragt: Welches Reiseziel hat dich positiv überrascht? Bei mir ist die Antwort ein kleines Land mit ganz viel drin. Vor allem Grün.
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Grüner Wald als Basislager: das Hotel Grunewald
Untergebracht waren wir außerhalb der Stadt im Hotel „Grunewald“ – übersetzt „grüner Wald“. Wenn das mal kein Omen für meine grüne Seele war. Und dann die erste Überraschung, noch bevor es überhaupt richtig losging: Der öffentliche Nahverkehr in Luxemburg ist komplett kostenlos. Für alle. Einheimische wie Besucher, Bahn wie Bus. Zwei Stationen bis Luxemburg Stadt, ohne einen Cent am Automaten. Für jemanden, der aus Deutschland kommt, fühlt sich das fast unwirklich an.
Der erste Fund: Mittlerer Wegerich auf dem Weg in die Stadt
Am ersten Tag sind wir trotzdem zu Fuß in die Stadt gelaufen, quer durch einen Park. Und da stand ich dann, völlig aus dem Häuschen, am Wegrand mitten in einem Park. Ich weiß gar nicht mehr, warum wir stehen geblieben sind. Ich glaube, weil ich ihn mit meinen typischen Scannerblick beim Vorbeigehen wahrgenommen hatte und traute meinen Augen kaum: Mittlerer Wegerich. Zum allerersten Mal in meinem Leben. Du musst wissen: Spitzwegerich und Breitwegerich begegnen mir ständig in Brandenburg. Die kenne ich wie alte Bekannte. Aber der Mittlere Wegerich mit seinen mittelgroßen Blättern, die an den Breitwegerich erinnern und den hübschen, fast rosafarbenen Blütenähren hatte sich mir bis dahin nie gezeigt. Und ausgerechnet auf einem Städtetrip, auf dem Weg zur Bahn, lief er mir über den Weg bzw. ich ihm. Denn Kräuterliebe kennt keine Ferien. Man muss nicht in den Wald ziehen, um Neues zu entdecken, manchmal reicht ein Stadtpark im Urlaub.


Eine Stadt auf vielen Ebenen: Natur und Urbanität Hand in Hand
Was Luxemburg für mich so besonders gemacht hat, ist dieser ständige Wechsel. Die Stadt ist nicht nur ein Gegensatz aus Natur und Urbanität, sie ist auch buchstäblich auf verschiedenen Höhen gebaut. Oben, unten, dazwischen. Und du kommst mit Aufzügen und Bahnen von einer Ebene zur nächsten. Gleich am ersten Tag ging es am Ende des Parks mit einer Art Seilbahn hinauf in die moderne Stadt, vorbei am Europäischen Gerichtshof, hin zur Philharmonie. Von dort mit einem Fahrstuhl ein Stockwerk tiefer und plötzlich standen wir im Park Dräi Eechelen, wo direkt am Weg eine Wildblumenwiese wuchs. Mitten in der Stadt. Mit Blick auf alte Festungstürme hatte das einen besonderen Zauber für mich. Danach gelangten wir über waldige Wege, auf denen ich hätte schwören können, längst raus aus der Stadt zu sein, auf einmal vor ein großes Viadukt. Von dort durch die Straßen zu einem weiteren Aufzug, der uns hinauf ins historische Zentrum brachte. Und dann dieser Blick auf die Kasematten einfach großartig. Wir schlenderten vorbei am angesagtesten Restaurant der Stadt (zu voll, also gingen wir weiter), erreichten den Festplatz mit der Gëlle Fra und genossen den wunderschönen Blick auf die Adolphe-Brücke und den Uhrenturm vom Plateau Bourbon. Abends dann mit Bus und Bahn zurück ins grüne Basislager.







Am Nächsten Tag Kontrastprogramm: Ausflug ins Müllerthal und zum Schiessentümpel
Einen ganzen Tag waren wir draußen im Grünen, im Müllerthal. Erst eine große Runde über Wiesen und durch den Wald. Kräuterherz, was willst du mehr ging mir durch den Kopf. Am Ende landeten wir am Wasserfall Schiessentümpel. Doch da kippte die Stimmung. Der Ort war komplett überlaufen, jeder versuchte, sich das beste Plätzchen fürs Foto zu ergattern. Nichts für mein sensibles Nervenkostüm. Wir sind regelrecht geflüchtet. Dabei habe ich einen Absatz nicht gut genug eingeschätzt, bin mit einem Fuß hängen geblieben und kopfüber hinuntergerollt. Kurz vorm Ufer kam ich zum Stehen. Ein paar Schrammen, ein ordentlicher blauer Fleck an der Hüfte und ein Riss im Handydisplay, das war’s. Das war nochmal gut gegangen.



Am Dritten und letzten Tag noch einmal modernes Kontrastprogramm: Wasserturm, Stadion und Uni
Am nächsten Tag drehte sich alles um die andere Seite Luxemburgs: den futuristischen Wasserturm, das Stadion, die moderne Oberstadt mit Europäischem Parlament und markanten futuristischen Gebäuden. Dafür nahmen wir die Bahn, die uns einmal quer vom Kirchberg bis zum Flughafen und wieder zurück brachte. So viel Moderne, und trotzdem nie weit bis zum nächsten Fleck Grün. Selbst zwischen vorletzter Station zur Endstation Flughafen fuhren wir 15 Minuten nur durch Wald. Genau diese Mischung war es, die mich nicht mehr loslässt.







Würde ich wiederkommen? Aber sowas von
Zwei Tage in der Stadt, ein Tag draußen im Grünen waren vollgepackt, ja. Aber so vielfältig und überwältigend schön, dass für uns längst feststeht: Wir kommen wieder. Ich war mit der Erwartung „nettes kleines Land“ hingefahren und zurückgekommen mit einem Kopf voller Bilder: kostenlose Bahnen, eine Stadt auf vielen Ebenen, Wildblumenwiesen zwischen Beton und Geschichte und meinem ersten Mittleren Wegerich. Empfehlen würde ich Luxemburg allen, die Stadt und Natur nicht trennen wollen. Und ganz besonders den Kräuterfreundinnen unter euch: Nehmt euren neugierigen Blick mit in den Urlaub. Er wird belohnt.
Denn Kräuterliebe, das habe ich in Luxemburg wieder gemerkt, kennt eben keine Ferien.
Und du? Welches Reiseziel hat dich zuletzt so richtig überrascht, Vielleicht sogar dort, wo du es am wenigsten erwartet hast? Erzähl es mir, ich bin gespannt.
Grüne Grüße Inga
Bilder
Alle Bilder sind selbst fotografiert und teilweise erwerbbar bei: shutterstock.


7 Kommentare
Liebe Inga
Ein toller Bericht über deine Erfahrungen in Luxemburg. Ich habe bisher von Luxemburg nicht sehr viel Positives gehört, aber dein Blogartikel bringt mich zum Nachdenken. Vielleicht sollte ich doch einmal dort hinreisen.
Danke für deine Teilnahme an meiner Blogparade.
Liebe Grüsse
Anita.
Liebe Anita,
ja, ich kann es dir nur empfehlen. So schön dort!
Grüne Grüße
Inga
Liebe Inga,
als waschechte Luxemburgerin hat mich dein begeisterter Artikel über deinen Kurzaufenthalt im “ Ländchen“ sehr gefreut.
Mein Heimatland hat tatsächlich auf wenig Fläche eine Vielfalt an Naturlandschaften, Geschichte und Kultur zu bieten. Es gibt sehr viele Möglichkeiten für Tagesausflüge, da die meisten Ziele innerhalb von 30-90 Minuten zu erreichen sind.
Leider wird unser kleines Land immer noch von vielen Menschen mit „Luxembourg – nil points“ (ESC), billigem Benzin/Alkohol, Steuerparadies und dem RTL-Radiosender assoziiert. Die wenigsten wissen, dass es hier soviel zu sehen und erleben gibt z.B. auch ein Fahradwegnetz (Straßenfahrrad, ebike und Mountain bike) das jedes Jahr weiter ausgebaut wird sowie eine riesige Auswahl an tollen Wanderwegen in den verschiedenen Regionen unseres Landes.
Von Mitte Juli bis Mitte August wird , inzwischen bereits seit sieben Jahren, der „Velosummer“ in vielen Gemeinden Luxemburgs angeboten – mit Fahrradtouren für die an bestimmten Wochenden Straßen für den öffentlichen Verkehr gesperrt und mit offiziellen ausgewiesenen Fahrradwegen kombiniert werden. Das Fahrrad kann bequem und kostenlos mit dem Zug mitgenommen werden, für die es spezielle Wagen gibt. Gestartet wird sehr oft von einem gratis Parkplatz nicht weit einem Bahnhof. Der diesjährige “ Velosummer“ hat dieses Wochen-Ende begonnen und dauert bis zum 16.08.26. Info und gratis e-Karte der Touren sowie sind unter folgendem Link zu finden:
https://www.visitluxembourg.com/de/velosummer/bestellung
Auch nützlich:
http://www.bedandbike.lu (Unterkünfte die extra für Radreisende ausgerichtet sind)
sowie
http://www.movewecarry.lu ( Netz von Unterkünften, die sich um den Weitertransport von Gepäck kümmern).
Last but not least, möchte ich noch erwähnen, dass wir unsere eigene Muttersprache haben, auch wenn daneben noch Deutsch und Französich als Amtssprachen fungieren.
Das „Lëtzebuergisch“ wird laut wikipedia als moselfränkischer Dialekt bezeichnet, da unsere Sprache sowohl Wörter deutschen als auch französischen Ursprungs beinhaltet.
Da Luxemburgisch schwierig zu schreiben ist, werden unsere Kinder ab der 1. Klasse in deutscher Sprache (und neu ab September 2026 auch in Französisch) alphabetisiert. Luxemburgisch ist hedoch nicht nur eine gesprocgene Sprache, sondern es gibt auch eine gtoße Auswahl an Literatur in meiner Muttersprache, ebenso wie Rock, Pop und Rap.
Die französische Sprache wird ebenfalls bereits im Laufe des 1. Grundschuljahres auf spielerische Art und Weise eingeführt.
Englisch als Fremdsprache kommt ab dem 2. Jahr der Sekundarstufe dazu. Wer eine Sprachensektion wählt, kann zusätzlich ab der 5. Klasse der Sekundarstufe zwischen Spanisch und Italienisch, z.T. auch Portugiesisch, wählen. Die Grundschule dauert 6 Jahre und bis zum Abitur vergehen 7 Jahre (Durchschnittsalter 18 Jahre).
Und es gibt ohne wenn und aber für jedes Kind einen Vorschulplatz (Alter 3-6 Jahre).
LG Dana
Liebe Dana,
ja, wir sind sehr begeistert von deinem „Ländchen“. Auch heute in der Familie ging es beim Thema Urlaub wieder um unseren schönen Aufenthalt dort. Wir kommen auf jeden Fall nochmal wieder.
Danke für die Links!Wir haben begeisterte Fahrradfahrer im Freundeskreis, die letztes Jahr schon Belgien mit dem Rad bereist haben. Die werden sich sicher freuen.
Vielleicht laufen wir uns ja bei unserem zweiten Besuch mal über den Weg.
Grüne Grüße
Inga
Sehr gerne! 😊
Duftende Grüße
Dana
Hier noch ein Nachtrag – es scheint mir noch erwähnenswert zu erwähnen, dass
Luxemburg hat ganz tolle, moderne Jugendherbergen zu bieten hat, wo auch Radfahrer für einen guten Preis übernachten und ihr Fahrrad sicher unterstellen bzw. ihr ebike aufladen können. Es gibt sogar jeweils eine Fahrrad-Reparatur-Station.
Mit der Europakarte gibt es zusätzliche Rabatte. Und die Auswahl an Essgerichten ist wirklich echt lecker – es ist also nicht unbedingt nötig nach einer längeren Etappe abends nochmals loszuziehen. Es besteht auch die Möglichkeit ein Lunchpaket zu bestellen.
Ich habe einen Großteil unserer Jugendherbergen getestet als ich mit einer Freundin einen 8-tägigen „Tour de Luxembourg“ machte – einer meiner schönsten und lustigsten Fahrrad-Urlaube ever. Wir haben alles per ebike gemacht (es geht ganz schön auf und ab im Ländchen).
Es können ruhig 2-3 Wochen eingeplant werden, denn unterwegs gibt es, abgesehen von der abwechslungsreichen Landschaft, sehr viele sehenswerte, historische Orte mit restaurierten Schlössern (z.B. Vianden, Bourscheid oder Clervaux) oder Festungen.
https://youthhostels.lu/de/
https://youthhostels.lu/de/mitglied-werden/
LG
Danke Dana,
habe ich gleich weitergeleitet. Besser als mit Insider-Infos kann man gar nicht reisen. Danke, dass du sie so bereitwillig teilst!
Grüne Grüße
Inga