Moos im Rasen Nutzen -Vorteile für Natur, Klima und Gesundheit

Bald beginnt wieder die Gartensaison. Viele Gartenbesitzer greifen dann ab Anfang April bis Anfang Mai wieder zum Vertikutierer. Ziel: Moos im Rasen entfernen. Für viele gilt es als lästig, unordentlich oder als Zeichen eines schlecht gepflegten Gartens. Doch nur wenige wissen, dass sich direkt vor ihrer Haustür ein erstaunlicher Naturschatz befindet. Wer genauer hinschaut, kann statt eines vermeintlichen Problems einen wertvollen ökologischen Helfer und sogar eine Heilpflanze entdecken. Nutzen von Moos im Rasen kann also größer sein, als viele vermuten.

Moose im Rasen nutzen

Ist Moos im Rasen gut oder schlecht?

Moos im Rasen ist nicht unbedingt ein Problem. Es kann Wasser speichern, den Boden schützen und zur Artenvielfalt beitragen. In naturnahen Gärten wird Moos daher zunehmend als ökologisch wertvoll betrachtet, zumal Moos nicht gemäht werden muss und für passionierte Barfußläufer ein Lauf-Gefühl wie auf Wolken vermittelt wird.

Warum Moos im Rasen mehr ist als nur Unkraut

Moos gehört zu einer der ersten Pflanzen, die die Erde bevölkert haben. Schon lange, bevor Wälder entstanden sind, besiedelte es Felsen, Böden und feuchte Landschaften. Heute begegnen wir ihm fast überall: auf Waldboden, Baumrinden, Steinen, Mauern oder eben auch im eigenen Garten. Es wird mit Hausmitteln begossen, herausgekratzt, verbrannt oder aus dem Rasen vertikutiert. Doch kaum einer weiß, dass sie einen grünen Schatz vor der Tür, bzw. im eigenen Garten haben.

Grün, grün, grün sind alle unsere Wälder – aber wie lange noch?

Als ich Kind war, habe ich auf Waldspaziergängen gerne besonders schöne Moospolster mitgenommen und meiner Mutter geschenkt. Sie hat sie oft in Blumentöpfe gelegt um die darin wachsenden Pflanzen vor Verdunsten zu schützen. Doch, auch wenn es allgegenwärtig ist und es schier unerschöpflich überall wächst, so sind doch einige Arten bereits stark gefährdet. Moose reagieren sehr empfindlich auf Umwelteinflüsse. Neben Luft- und Gewässerverschmutzung sorgen vor allem Trockenlegung von Feuchtgebieten oder die Absenkung des Grundwasserspiegels dafür, dass in Deutschland bereits 54 Arten als ausgestorben, 335 als vom Aussterben bedroht oder als stark gefährdet gelten. Daher stehen Moose inzwischen unter Naturschutz und dürfen nicht mehr im Wald gesammelt werden. Wächst es jedoch im eigenen Garten, kannst du dich über einen kleinen ökologischen Schatz freuen.

Moos im Rasen nutzen: Warum Moose so widerstandsfähig sind

Moose unterscheiden sich in mehreren Punkten grundlegend von den meisten anderen Pflanzen. Gerade diese Unterschiede machen sie so widerstandsfähig.

Moose brauchen keine Wurzeln

Sie besitzen auch keine Wurzeln, mit denen sie sich im Untergrund verankern könnten, wie Pflanzen und Pilze. Sie haben stattdessen Haftorgane, sogenannte Rhiziode. Daher können sie in unwirtlichen Lebensräumen, wie nackten Felsen, Mauern, Dächern oder auf Baumrinden siedeln, wo andere Pflanzen kaum Halt finden würden.

Wie Moose stattdessen Wasser und Nährstoffe aufnehmen

Moose sind anspruchslos, was die Bodenbeschaffenheit angeht. Sie haben keine Leitbahnen, um Wasser zu transportieren. Dafür nutzen sie ein anderes ausgeklügeltes System. Denn fällt Regen auf ihre Blätter und „Stängel“, nehmen sie über deren gesamte Oberfläche das Wasser und die darin gelösten Mineralien auf. In ihrem Inneren fließt die Flüssigkeit zwischen den Zellen weiter in alle Pflanzenteile.

Warum Moose selbst unter extremen Bedingungen wachsen

Sie besitzen wie Farne keine eigentlichen Blüten. Sie vermehren sich überwiegend durch abgebrochene Pflanzenteile. Das liegt vor allem daran, dass sich an einem Standort oft nur ein Geschlecht ansiedelt, was die zweigeschlechtliche Vermehrung erschwert. Darüber hinaus findet die Befruchtung über Wasser, z.B. Regentropfen, statt. Die Samenzellen können erst in diesem Wasser zur Eizelle schwimmen. Das erklärt auch, warum Moose feuchte Standorte bevorzugen. Sie gedeihen bei geringstem Licht und in Nähstoffarmut, wie in Wüsten, wo sie unter Wüstensand, wachsen. Unter solchen Bedingungen könnten andere Pflanzen kaum überleben. Zudem betreiben sie auch bei sehr niedrigen Temperaturen Photosynthese oder halten bis zu 110°C stand.

Warum Wälder ohne Moose nicht funktionieren würden

Manche Arten können gänzlich, zum Teil Jahrelang, austrocknen, ohne komplett abzusterben. In dieser Phase stellen sie ihren Stoffwechsel komplett ein. Kommen sie wieder zu Flüssigkeit, wovon sie das 20-Fache ihres eigenen Gewichts aufnehmen können, saugen sie sich damit voll, ergrünen neu und erwachen wieder zu neuem Leben. Das ist ein entscheidender Vorteil für den Lebensraum Wald, indem Moose eine wichtige Rolle für den Wasserhaushalt spielen. Außerdem geben sie zur Kühlung Wasser ab, was die häufigen Nebelschwaden über Wäldern erklärt. Weiterhin helfen sie, Bodenerosion zu verhindern, die Artenvielfalt zu fördern und bieten eine Grundlage für die Bildung neuen Bodens.

Warum Moose einen unschätzbaren Wert für die Umwelt haben

Moose wirken wie natürliche Filter. Sie nehmen Schadstoffe aus dem Regenwasser auf und lagern diese in ihrem Gewebe ein. Insbesondere Torfmoose spielen eine wichtige Rolle als Kohlenstoffspeicher. In Hochmooren können sie enorme Mengen CO₂ binden. Werden diese Moore jedoch trockengelegt, beispielsweise für den Torfabbau, wird der gespeicherte Kohlenstoff wieder freigesetzt und gelangt als klimaschädliches CO₂ in die Atmosphäre. Gerade diese Fähigkeit, Schadstoffe zu speichern, erklärt auch, warum Moose nicht zum Verzehr geeignet sind.

Moos im Rasen Nutzen: Heilpflanzen direkt vor der Haustür

Einige Moose enthalten bemerkenswerte Wirkstoffe. Dazu gehören u.a.:

  • Flavonoide,
  • Phenole,
  • Schleimstoffe
  • und Terpene.

 Zusätzlich enthalten sie Mineral- und Nährstoffe wie Stärke, Fruchtzucker, Calcium, Kalium, Magnesium und Phosphor. Diese Inhaltsstoffe machen Moose für die moderne Medizin interessant. Sie werden unter anderem in der Forschung für neue Medikamente, Impfstoffe oder antibakterielle Wirkstoffe untersucht.

Welche Moose medizinische Wirkung besitzen

Je nach Moosart lassen sich medizinisch sehr individuelle Heilwirkungen feststellen. Dabei spielt die jeweilige Sippe der Pflanzen eine entscheidende Rolle.

Lebermoose und ihre antibiotische Wirkung

Lebermoose wurden früher nach dem Prinzip „Ähnliches heilt Ähnliches“ bei Leberkrankheiten eingesetzt. Heute untersucht man sie vor allem wegen ihrer antibiotischen und fungiziden Wirkung, beispielsweise gegen den Pilz Candida albicans.

Moose, Lebermoos, Brunnenlebermoos
Die faszinierende Form des Brunnenlebermooses erinnert an Palmen

Laubmoose als natürliche Wundauflage

Laubmoose, zu denen auch die Torfmoose gehören, besitzen ebenfalls antibakterielle Eigenschaften. Schon früher nutzten Menschen sie als Wundauflage oder sogar als Windeleinlage für Kleinkinder. Im Ersten Weltkrieg wurden sie als Wundverband und Desinfektionsmittel eingesetzt.

Hornmoose und ihre antibakteriellen Eigenschaften

Hornmoose enthalten Wirkstoffe, die gegen bestimmte Bakterien wie E. coli wirken können. In Deutschland gibt es 6 Hornmoosarten.

Warum nicht jedes  „Moos“ ein echtes Moos ist – Achtung Verwechslung!

Neben den Moosen gibt es auch noch Flechten. Flechten sind eine Symbiose aus Algen und Pilzen. Auch wenn der Name anderes vermuten lässt, ist das berühmte isländisch Moos, das als Halsbonbons im Handel zu finden ist, eine Flechte und kein Moos. Ähnlich verhält es sich auch mit dem als Irisch Moos bekannten Knorpeltang, bei dem es sich in Wahrheit um eine Rotalge handelt.

Moos im Rasen nutzen: Kreative Ideen für Haus und Garten

Moos kann im Garten und sogar im Haus vielseitig eingesetzt werden. Beliebte Ideen sind zum Beispiel:

  • Moosteppiche oder Moss Carpets für Badezimmer
  • Gestaltung von Bonsaischalen
  • Begrünung von Fassaden
  • Mooskulturen an Teichufern
  • Moos als Rasenersatz im schattigen Garten

Inzwischen gilt ein Moosgarten sogar als modernes Naturgartenkonzept. Neben der dekorativen Wirkung kann Moos auch die Umgebungstemperatur senken und zur Luftreinigung beitragen.

Moos aus dem Garten nutzen: Moossalbe als traditionelles Naturheilmittel

Moos findet nicht nur im Garten oder in der Natur Verwendung. In der Volksheilkunde wird es auch zur Herstellung einer hautberuhigenden Moossalbe genutzt. In der Naturkosmetik hat diese inzwischen sogar als Anti-Aging-Pflege Aufmerksamkeit bekommen – auch wenn dieser Effekt nicht der ursprünglichen traditionellen Anwendung entspricht. In der Volksheilkunde werden Moossalben vor allem bei Erkältungen und Husten, aber auch bei Muskel- und Gelenkschmerzen sowie verschiedenen Hautproblemen eingesetzt. Wer eine Moossalbe selbst herstellen möchte, kann dafür frisches oder getrocknetes Moos verwenden.

Herausforderungen beim Sammeln von Moos

Allerdings birgt das eigenständige Sammeln und Verwenden von Moos auch einige Herausforderungen:

Die Bestimmung gestaltet sich für Laien schwierig

Für Laien ist es schwierig, die unterschiedlichen Moosarten genau zu bestimmen und das benötigte Moos für bestimmte Beschwerden zu finden. Verwechslungen können leicht passieren und sich auch auf die Wirkung auswirken.

Schadstoffbelastung von Moos

Moose filtern Schadstoffe aus Luft, Wasser und Boden und speichern diese in ihrem Gewebe. Bei wild gesammeltem Moos besteht daher immer die Möglichkeit, dass auch Schadstoffe enthalten sind. Gerade in Siedlungsgebieten, in denen Nachbarn möglicherweise Pflanzenschutzmittel oder andere Chemikalien verwenden, lässt sich die Belastung nur schwer einschätzen.

Unterschiede zwischen DIY-Moossalbe und Laborwirkstoffen

Eine selbstgemachte Moossalbe besitzt keine wissenschaftlich nachgewiesene Anti-Aging-Wirkung. Wahrscheinlicher ist eine pflegende und wundheilende Wirkung, jedoch ohne sichtbaren Anti-Falten-Effekt. Hausgemachte Moossalben enthalten meist lediglich einen Sud aus Moos. Industriell hergestellte Produkte hingegen basieren oft auf biotechnologisch gewonnenen Wirkstoffen aus dem Blasenmützenmoos. Diese werden in aufwändigen Laborverfahren isoliert und zu stabilen kosmetischen Wirkstoffen verarbeitet.

Lohnt sich eine selbstgemachte Moossalbe?

Es bleibt also die Frage, ob sich die DIY-Herstellung wirklich lohnt. Wer sich gut mit Moosarten auskennt und auf unbelastetes Material zurückgreifen kann, kann durchaus eine einfache pflegende Salbe herstellen. Für gezielte kosmetische Anwendungen oder Anti-Aging-Effekte greifen viele Hersteller jedoch auf biotechnologisch gewonnene Wirkstoffe zurück, deren Herstellung deutlich kontrollierter erfolgt.

Moos im Rasen: Kleine Pflanze mit großer Wirkung

Moos im Rasen wird oft vorschnell als störend empfunden und aus dem Garten entfernt. Doch wer genauer hinschaut, entdeckt eine faszinierende Pflanze mit erstaunlichen Fähigkeiten. Moose sind Überlebenskünstler, Wasserspeicher, natürliche Filter und wichtige Helfer im Ökosystem. Darüber hinaus enthalten sie wertvolle Inhaltsstoffe, die in der modernen Medizin zunehmend an Bedeutung gewinnen. Vielleicht lohnt es sich also, beim nächsten Blick in den Garten nicht nur das „Problem“ zu sehen, sondern den Nutzen von Moos im Rasenals das zu erkennen, was er ist: ein kleiner grüner Schatz, der Natur, Klima und sogar unserer Gesundheit dienen kann. 🌿


Bildnachweise

Alle Bilder sind von mir selbst fotografiert.

Quellen

https://www.pflanzenfreunde.com

https://www.nabu.de

https://www.geo.de

https://www.gruenes-archiv.de, Miriam Adam, 14. Mai 2022

https://www.blick.ch, 30. April 2023, aktualisiert am 02.05.2023

Mooscreme selber machen, aktualisiert am 27. März 2024

https://moossalbe.de, 16.02.2024

https://moose.rotelistezentrum.de


Wichtige Hinweise

Jeder Mensch bringt andere Voraussetzungen mit und reagiert auf die Pflanzen die uns umgeben ganz einzigartig. Daher sollten Allergiker besondere Vorsicht walten lassen. Grundsätzlich weise ich daher darauf hin, dass der Genuss von Wildpflanzen bei empfindlichen Menschen Allergien auslösen können. Wenn du damit noch keine Erfahrung gemacht hast, oder dir unsicher bist, probiere erstmal kleine Mengen aus und beobachte, wie du darauf reagierst. Wenn dein Körper darauf nicht negativ reagiert, kannst du die Portion von Mal zu mal steigern, bis du dir ausreichend sicher sein kannst, dass du diese ganz besondere Pflanze verträgst.

Alle publizierten Inhalte in diesem Artikel sind sorgfältig recherchiert, in meiner Ausbildung zur Kräuterpädagogin erlernt und nur als Anregung und zur Unterhaltung gedacht. Sie können den Arztbesuch nicht ersetzen, den ich bei körperlichen Beschwerden immer empfehle. Kräuter, Bäume und Pilze, die ich hier vorstelle, sammle und verarbeite ich für den Eigengebrauch. Bei Zweifel oder Unsicherheiten rate ich, sich an Experten, gerne an mich, zu wenden oder im Rahmen einer Wildkräuterwanderung unter Aufsicht des Kräuter- und Pilzkundigen zu sammeln. Im Zweifel stehen lassen.

Alle Inhalte und Fotos in diesem Artikel werden ausschließlich von mir produziert und dürfen nur nach Absprache und mit meiner Zustimmung von Dritten verwendet werden.

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