Ich muss dir was beichten. Jahrelang war ich genau die, die oder der du vielleicht auch bist. Cookiebanner ploppt auf, ich lese gar nicht erst, was da steht, Zeigefinger zack auf „alle ablehnen“. Oft habe ich sogar gezielt hingeschaut, gesucht: Wo ist der „Ablehnen-Button“. Oft ist mir aufgefallen, wie geschickt andere Buttons farblich viel auffälliger gestaltet wurden, nur um mich dazu zu verleiten auf „Alles akzeptieren“ zu drücken. Was habe ich mich geärgert bei solchen Aktionen. Also: dann erst recht „Alles ablehnen“ geklickt. Weiter zum Rezept, weiter zum Text, weiter zu dem, weswegen ich eigentlich gekommen bin. Daten von mir? Bloß nicht. Ich und mein Hang zum Datenschutz, wir waren ein eingespieltes Team.
Und dann bin ich selbst Bloggerin geworden. Und plötzlich sah die Welt von der anderen Seite ganz anders aus.
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Der Moment, in dem der Groschen fiel
Es war ein Montagsthema in der Content Society, meiner Blogger-Community TCS, als meine Mentorin Judith „Sympatexter“ Peters sinngemäß sagte: Leute, ihr seid auf jeden einzelnen Klick angewiesen. Wenn jemand „alle ablehnen“ drückt, wird er nicht gezählt. Er war da, aber für eure Statistik war er ein Geist.
Ich saß da und dachte: Ups!
Denn genau das hatte ich ja immer gemacht. Und jetzt, mit meinem eigenen kleinen Kräuterblog, schaue ich selbst in die Statistik. Und was ich da sehe, tut manchmal ein bisschen weh. Da waren genug Besucher. Aber bei vielen ist gar nicht nachvollziehbar, woher sie kamen. Von Google? Von einer anderen Seite? Von irgendeiner Plattform? Keine Ahnung. Sie kommen, sie holen sich ein Rezept, sie lesen, wie man Spitzwegerich erkennt, sie laden sich vielleicht sogar was herunter. Und dann sind sie weg. Unsichtbar. Als wären sie nie da gewesen. Das alles für lau. Kein „Danke!“ zurück. Das schmerzt.
Warum jeder Klick wirklich zählt
Und jetzt kommt der Teil, den mir vorher einfach nie jemand gesagt hat. Für uns kleine Blogger hängt an genau diesem Zählen ganz schön viel. Manchmal ein Stück Existenz. Da ist die VG Wort, wo jeder einzelne Leser ausgezählt wird und am Ende eine Ausschüttung von Tantiemen für uns Kreative dranhängt. Da ist Google, wo es um das Ranking geht. Je öfter man angezeigt wird, je höher man steht, desto eher findet der nächste Mensch überhaupt zu einem. Das ist keine Eitelkeit. Das hat nichts mit Ruhm und Famous-Sein zu tun. Das ist schlicht die Frage, ob man in diesem Thema bestehen bleiben darf, ob man sein Wissen weitertragen kann und ob am Ende die finanzielle Sicherheit reicht, um weiterzumachen.
Ein großes Unternehmen kann sich Sichtbarkeit auf tausend anderen Wegen kaufen. Werbebudget, Anzeigen, Kampagnen. Wir kleinen Kräuterfeen haben das nicht. Wir haben dich. Und deinen Klick.
Aber meine Daten! Ich weiß, glaub mir
Jetzt zuckst du vielleicht zurück. Datenschutz. Gläserner Kunde. Pass auf, was du im Internet von dir preisgibst. Ich kenne dieses Zucken. Ich habe es selber. Bis heute habe ich kaum Kundenkarten, weil ich es hasse, ausgelesen zu werden. Aus so einer Karte und der dazu gehörenden Kunden- oder Kartennummer steht ja, was ich gekauft habe, wie viel, was es gekostet hat, und zack liegt die passende Werbung im Postfach. Nein danke!
Und ich sage dir das nicht aus dem Bauch heraus. Ich komme aus dem Personalwesen. Da war Datenschutz das A und O, und zwar zu Recht. Denn da ging es um echte, persönliche Dinge. Mitarbeitergespräche, Krankheitsdaten, Zeiterfassung, Verfahren zum Betrieblichen Eingliederungsmanagement oder Gehaltsdaten. Sachen, die niemanden etwas angehen, als die betreffende Person selbst. Genau deshalb weiß ich ziemlich gut, wo Datenschutz hingehört. Und wo nicht.
Und beim Lesen eines Blogartikels, da geht es eben nicht um diese Dinge. Bei einer kleinen Kräuterbloggerin wertet niemand aus, wer du bist, wie oft du klickst oder was du sonst so treibst. Es geht nicht darum, wie oft du am Tag zur Toilette gehst, wie oft du dich für eine Raucherpause ausloggst oder was du Vertrauliches mit deinem Partner besprichst. Es geht um pure, schlichte Statistik. Zahlen. Mehr nicht.
Merke: Beim Blog-Lesen und Cookies geht es um einen Click, um eine Zahl, nicht um persönliche Daten.
Ein Herz für Blogger
Weißt du, du, der oder die du auf meinem Blog gelandet bist hast ein Herz für die Natur. Sonst wärst du nicht hier, würdest nicht wissen wollen, was da alles Essbares vor deiner Haustür wächst. Und ich glaube, dieses Herz ist groß genug für noch etwas.
Ein Herz für die, die darüber schreiben.✨💘✨
Es müssen nicht mal Kräuterblogger sein. Nicht Yogablogger, nicht Reiseblogger, nicht die Frau mit den Nähanleitungen. Es sind wir alle, die kleinen Leute, die mit viel Herzblut etwas erschaffen, es umsonst ins World Wide Web freigeben und hoffen, dass es jemandem hilft. Und uns alle treibt die dieselbe Frage: Werden wir gesehen oder nicht?
Also, mein leiser Wunsch an dich, beim nächsten Cookiebanner auf einer kleinen, unabhängigen Seite: Lies kurz, wer da vor dir steht. Und wenn es so eine ist wie ich, dann drück doch mal auf „alle Cookies akzeptieren“. Nicht, weil du musst. Sondern weil es das Netteste ist, was du einem Menschen antun kannst, dessen Text dir gerade gefallen hat. Ein stilles Danke. Ein Klick, der zählt.
Machst du mit?