Der Beifuß - Verdauungsförderndes Superfood mit Geschichte
Der Gewöhnliche Beifuß, botanisch „Artemisia vulgaris“ genannt, ist eine faszinierende Heilpflanze mit einer weitreichenden Geschichte und vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten. Umso schöner zu wissen, dass dieses Wunderkraut schier unerschöpflich an allen Wegen in Wäldern und Wiesen wächst. Tauch mit mir ein in die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten dieses beeindruckenden Krauts und entdecke, warum der Beifuß einen Platz in meiner „hall of fame“ der heimischen Superfoods verdient hat. Dazu findest du am Ende des Beitrags zwei einfache Rezepte zur gesundheitsfördernden Verwendung in der Küche.
Inhaltsverzeichnis
Vielfältige Verwendung des Wunderkrauts
Schon seit Jahrhunderten verwendet man den Beifuß nicht nur als Gewürz , sondern auch als verdauungsförderndes Superfood für die Gesundheit und das körperliche Wohlbefinden. In der Vergangenheit wurde er beispielsweise als eine unverzichtbare Zutat in Gewürzmischungen für das traditionelle „Grut-Bier“, das für seine gesundheitsfördernden Eigenschaften bekannt war, eingesetzt. Bis heute findet der Beifuß noch Verwendung in Kräuterbuschen, die gegen böse Geister und negative Energien schützen sollen. Zudem ist er Bestandteil von Räuchermischungen, um Räume zu reinigen und eine angenehme Atmosphäre zu schaffen. Mit seinen gesundheitsfördernden Bitterstoffen wird er damals wie heute als aromatisches Gewürz in der Küche für eine gesunde Ernährung geschätzt, da er die Verdauung fördert und die Gesundheit unterstützt.
Wichtige Zutat im Grut-Bier
Hättest du gewusst, dass Beifuß mal eine Zutat in der Bierbrauerei war? Keine Sorge. „Häääh???“ war auch mein erster Gedanke, als ich das gelesen habe. Bisher habe ich immer nur Hopfen mit dem Brauen von Bier verbunden, umso erstaunter war ich, als ich erfuhr, dass Beifuß tatsächlich einmal zu einem der traditionellen Grutbier-Kräutern gehörte. Grut ist eine variable Kräutermischung, die zum Würzen von Bier eingesetzt wird. Klassisch mit Grut gebraute Biere werden auch als Grutbiere bezeichnet und waren über Jahrhunderte weit verbreitet. Zwischen dem 13. und dem 16. Jahrhundert wurden sie allerdings zunehmend vom Hopfenbier verdrängt.
Beifuß-Zauber - Zum Schutz des Hauses
Neben der Bedeutung in der Bierbrauerei, die im Laufe der Zeit ziemlich in Vergessenheit geraten ist, gilt der Beifuß bis heute überall auf der Welt als Schaden und Dämonen abwehrend. Ob als Räucherung, als Strauß oder Kranz. Er ist in jedem Fall eine Grundzutat, die in keiner Räucherung oder in keinem der im Süden Deutschlands traditionellen „Kräuterbuschen“ fehlt. Folgende Anleitung für einen Schutz-Zauber habe ich HIER gefunden. Der Vers stammt dieser Quelle zufolge aus dem „Neun Kräuter Zaubergesang“ und wurde im 9./10. Jahrhundert nach Christus niedergeschrieben.
Hänge dazu in Haus oder Wohnung, möglichst im Zentrum, einen selbst gesammelten Strauß aus Beifuß auf. Sprich oder singe über dem Kraut bevor du es aufhängst:
Erinnere dich Beifuß!
Was du offenbart hast,
was du bekannt gabst.
Bei der Verkündung der Mächte.
Una wurdest du genannt,
ältestes Kraut.
Du wirkst gegen 3 und gegen 30.
Du wirkst gegen Gift und
Gegen die Anfliegenden.
Du wirkst gegen das Über, das über das Land fährt.
Dein Schutz sei über Haus
und Hof und Haushalt.“
Wie ich der Saison ein Schnippchen geschlagen habe
Seine wichtige Rolle in der Küche insbesondere als verdauungsförderndes Superfood zu fetten und schweren Fleischgerichten hat der Beifuß ebenfalls bis heute erfolgreich beibehalten. Ich kann mich gut daran erinnern, wie meine Mutter und meine Oma früher auf Spaziergängen im Spätsommer / Herbst ein Sträußchen Beifuß gesammelt und zum Trocknen aufgehängt haben. Zu den Feiertagen haben sie dann die Weihnachtsente oder -gans mit Äpfeln, Zwiebeln und diesem Sträußchen Beifuß gefüllt. Ich habe das auch lange so gemacht. Man musste dafür allerdings immer den richtigen Moment abpassen, um den Beifuß zu sammeln, ansonsten blieb nur noch das Kaufen im Laden oder Warten auf die nächste Saison. Letztes Jahr dachte ich mir, schlage ich dem Lauf der Zeit ein Schnippchen. Ich habe bereits im Frühjahr die frischen Blätter des Beifußes gesammelt und habe daraus eine Kräuterpaste hergestellt und sie bereits im Sommer zur ersten Entenbrust der Saison benutzt.
Wertvolle Inhaltsstoffe für die Verdauung
Nun gut. Später, in meiner Ausbildung zur Kräuterpädagogin, habe ich gelernt: Die Pflanze stellt ab dem Frühjahr, den ganzen Sommer bis in den Herbst hinein ihre wertvollen Inhaltsstoffe her und lagert sie zunächst in den Blättern, später, ab dem Herbst, in den Samen und in Stängeln, Stämmen oder Wurzeln ein. Die jungen Blätter und Triebe des Beifuß sind zu diesem Zeitpunkt noch mild aromatisch und haben noch weniger Bitterstoffe, daher eignen sie sich dann gut als Beigabe zu Salaten oder Omelett und Quiche. Auch zum Ansetzen von Likören und Teezubereitungen lassen sie sich verwenden. Die beste Zeit zum Sammeln des Beifußes, um fette Speisen zu würzen, ist, wenn er blüht (zwischen Juli und September). Denn die Blüten und älteren Blätter enthalten wesentlich mehr Bitter- sowie Gerbstoffe, die eine wichtige Zutat zur Anregung einer gesunden Verdauung sind. Lies dazu auch gerne meinen Beitrag zur ERLE. Sie kurbeln die Bildung von Magensaft und Gallenflüssigkeit an und unterstützen damit die wichtige Verdauungsarbeit unseres Darms. Somit hat der Beifuß als eine der ältesten Heil- und Zauberpflanzen der Menschen meiner Meinung nach immer noch einen bedeutenden Platz in meiner „hall of fame“ der Superfoods verdient.
Fazit
Wahrscheinlich war ich im Frühjahr beim Abzupfen der frischen Triebe noch etwas zu früh dran. Aber ich kann euch sagen, es hat trotzdem hervorragend geschmeckt. Seit letztem Jahr sammle ich eben wieder im Sommer und mache aus diesen Blättern und Blüten die Beifuß-Paste.
Am Ende zeigt der Beifuß einmal mehr, wie ein vermeintlich unscheinbares Kraut aus Wald und Wiesen auf vielfältige Weise in unseren Alltag wirken kann – als geschmackvolle Würze für deftige Speisen, als unterstützende Zutat zur Anregung einer gesunden Verdauung oder als Bestandteil alter Traditionen und Rituale. Mit seinen bitteren Inhaltsstoffen regt er nicht nur die Magensaft- und Gallenproduktion an und kann so bei fettreichen Gerichten wohltuend sein, sondern er lädt uns auch dazu ein, die Natur wieder bewusster wahrzunehmen und in unseren Koch- und Lebensalltag zu integrieren. Ob in der frischen Kräuterpaste, im Sonntagsbraten oder einfach beim Spaziergang am Wegesrand: Dieser „alte Bekannte“ verdient seinen festen Platz in deiner Sammlung – und wer weiß, vielleicht findet er bald auch bei dir in einem neuen Lieblingsrezept Anwendung.
Hier geht es zum Rezept für die Kräuterpaste aus Wildpflanzen.
Folgenden dem Link um zum Rezept für Gänsebrust mit Beifuß-Paste zu gelangen.
Wichtiger Hinweis an alle
Jeder Mensch bringt andere Voraussetzungen mit und reagiert auf die Pflanzen die uns umgeben ganz einzigartig. Daher sollten Allergiker besondere Vorsicht walten lassen. Grundsätzlich weise ich daher darauf hin, dass der Genuss von Wildpflanzen bei empfindlichen Menschen Allergien auslösen können. Wenn du damit noch keine Erfahrung gemacht hast, oder dir unsicher bist, probiere erstmal kleine Mengen aus und beobachte, wie du darauf reagierst. Wenn dein Körper darauf nicht negativ reagiert, kannst du die Portion von Mal zu mal steigern, bis du dir ausreichend sicher sein kannst, dass du diese ganz besondere Pflanze verträgst.
Alle publizierten Inhalte in diesem Artikel sind sorgfältig recherchiert, in meiner Ausbildung zur Kräuterpädagogin erlernt und nur als Anregung und zur Unterhaltung gedacht. Sie können den Arztbesuch nicht ersetzen, den ich bei körperlichen Beschwerden immer empfehle. Kräuter, Bäume und Pilze, die ich hier vorstelle, sammle und verarbeite ich für den Eigengebrauch. Bei Zweifel oder Unsicherheiten rate ich, sich an Experten, gerne an mich, zu wenden oder im Rahmen einer Wildkräuterwanderung unter Aufsicht des Kräuter- und Pilzkundigen zu sammeln. Im Zweifel stehen lassen.
Alle Inhalte und Fotos in diesem Artikel werden ausschließlich von mir produziert und dürfen nur nach Absprache und mit meiner Zustimmung von Dritten verwendet werden.
Ich bin offen für Kooperationen und Austausch. Kontaktiert mich dafür gerne über meine E-Mail-Adresse: contact@wildkrautbraut.de. Ohne vorherige Absprache zugesendete Pakete, werden nicht angenommen und postwendend zurückgeschickt. Werbliche Zusammenarbeiten werden von mir auch als solche gekennzeichnet. Ich werde nur solche Themen bewerben, mit denen ich mich auch zu 100% identifizieren kann.
Bilder
https://www.pflanzen-vielfalt.net.
Stichwort Porst. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Band 23, S. 287 ff, zitiert nach www..wikipedia.org/wiki/Grut_(Bier).
Steffen Guido Fleischhauer, Jürgen Guthmann, Roland Spiegelberger, Enzyklopädie, Essbare Wildpflanzen, AT Verlag 2020, 14. Auflage 2023, S. 437.
https://www.tunritha.de, gefunden auf https://de.pinterest.com/pin/3307399721060324/.
Quellen
1. Bild „Kräuterpasten“, von mir selbst aufgenommen.
2. Bild: „Kräuterpaste vom Beifuß“, selbst erstellt und aufgenommen.
3. Bild: „Geflügelbrust mit Beifuß-Paste“, selbst erstellt und aufgenommen.
Bilder aktuell zu erwerben bei: : shutterstock
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