Unter der Mistel

Bedeutung, Mythos und Heilkraft einer besonderen Pflanze

immergrüne Mistel, Symbol, Bedeutung, Mythos, Magie, Heilpflanze
immergrüne Mistel, Symbol, Bedeutung, Mythos, Magie, Heilpflanze

Die Mistel ist mehr als nur ein hübscher Weihnachtsschmuck – sie ist eine Pflanze voller Widersprüche. Immergrün im Winter, halb Parasit, halb Heilerin, Symbol für Leben, Liebe und Hoffnung.

Seit Jahrtausenden ranken sich um sie Mythen, Bräuche und magische Geschichten: von Druiden, die sie mit goldenen Sicheln schnitten, über Liebende, die sich unter ihr küssen, bis hin zu alten Ritualen, die Haus und Hof schützen sollten. Und selbst in der modernen Medizin spielt sie bis heute eine bedeutende Rolle.

Zeit also, der Bedeutung der Mistel einmal näher auf den Grund zu gehen – zwischen Mythos, Magie und Medizin.

Inhaltsverzeichnis

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Under the mistletoe

Wenn draußen die Welt in Winterruhe liegt und kahles Geäst in der Kälte erstarrt, bleibt sie grün: die Mistel. Hoch oben, wo kein Mensch sie erreicht, trotzt sie der Dunkelheit – Symbol für Leben, Hoffnung und ein kleines bisschen Magie. Kein Wunder also, dass sich um sie Geschichten, Bräuche und Mythen ranken, die bis heute verzaubern. 🌙✨

Grün im Winter – die Mistel trotzt der Kälte

Als Kind schaute ich bei Autofahrten gerne aus dem Fenster und ich glaubte im Winter in den kahlen Bäumen, besonders viele Vogelnester zu sehen. Manche Bäumer waren voll davon. Hoch genug und für mich unerreichbar. Teilweise das einzige Grün, das die Äste der kahlen Bäume im Winter noch zierte. Gerade das macht den Mythos um die Mistel auch aus.

Symbol für Leben, Hoffnung und ein kleines bisschen Magie

Als immergrüne Pflanzen waren und sind Misteln bis heute Symbol für ewiges Leben, Glück und Fruchtbarkeit. Denn die Mistel blüht und reift im Winterhalbjahr und verhält sich damit antizyklisch zu allen anderen Pflanzen. Zudem trotzt sie der Schwerkraft, indem sie halbrund um ihren eigenen Mittelpunkt wächst. Wen wundert es also, dass sich viele Bräuche, Erzählungen und sogar Liedtexte um dieses besondere Gewächs ranken.

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Eine runde Sache

Die Mistel ist ein Halbschmarotzer, der Nährstoffe aus dem Holz des Wirtsbaumes saugt. Sie sammelt also dessen ganze Kraft, was sie so besonders macht. Was sie allerdings von anderen Schmarotzern unterscheidet ist, dass sie von ihrem Wirtsbaum nur die Nährstoffe, die dieser aus dem Boden zieht, nutzt. Die darüber hinaus wertvollen Kohlenhydrate jeder Pflanze erzeugt die Mistel selbst, denn sie betreibt ihre eigene Photosynthese, so dass sie nicht komplett auf Kosten ihres Wirtsbaumes lebt. Also alles in Allem ist die Mistel durchweg eine runde Sache.

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Licht in der Dunkelheit – die Mistel als Hoffnungszeichen

Schon in vorchristlicher Zeit galt die Mistel als heilig. Da sie als einzige im Winter auf den winterkahlen Bäumen grün war, glaubte man, dass sie Lichtkräfte habe und feierte sie als Hoffnungsträger und Vermittler zur Anderswelt in der dunklen Jahreszeit. Besonders die Druiden sahen in ihr ein Geschenk der Götter – Sinnbild für das Leben selbst und Mittlerin zwischen den Welten. Sie schnitten sie mit goldenen Sicheln von Eichen, den heiligen Bäumen der Kelten, und achteten sorgsam darauf, dass keine Beere den Boden berührte – denn nur so, glaubte man, bliebe ihre magische Kraft erhalten.

Küsse, Schutz und Glück - ein bis heute beliebter alter Brauch

Insbesondere unter den Kelten galt der Glaube, unter einem Mistelstrauß haben normale Gesetze keine Gültigkeit mehr, dort befände man sich in einer magischen Sphäre. Der wohl bekannteste Brauch, der sich aus diesem Glauben entwickelte, ist sicher der in der Adventszeit aufgehängte Mistelzweig. Bis heute ist er sehr beliebt in der Weihnachtszeit, weil man sich darunter küsst. Dieser Brauch stammt vermutlich aus England. Dazu gibt es verschiedene Auslegungen und Deutungen.

Jede Beere ein Kuss

Die bekannteste Deutung des Brauchs ist wohl folgende: Stehen ein Zwei unter einem Mistelzweig und pflückt eine Person eine Beere davon ab, bekommt sie einen Kuss von der anderen Person. Pflückt sie zwei, bekommt sie zwei Küsse, und so weiter, bis der Zweig kahl ist.

Vom Kuss-Zauber zum Jahreswende-Ritual

Von der Kussmagie abgesehen wurde in vielen Regionen Deutschlands ein Mistelzweig über Türen, Ställe oder Betten gehängt, um böse Geister fernzuhalten, Blitzschlag abzuwehren und um Haus und Hof zu schützen. Dabei wurde er in manchen Gegenden das ganze Jahr über hängen gelassen. Erst beim nächsten Jahreswechsel wurde er bei Jahreswende-Ritualen mit anderen Schutzkräutern (z.B. dem BEIFUß – ebenfalls Schutzkraut für Haus und Hof) verbrannt und durch einen neuen Mistelzweig ersetzt. Das sollte Glück für das neue Jahr bringen und das alte Jahr symbolisch verabschieden. Ein schöner Brauch, den es lohnt wieder aufleben zu lassen.

Treibstoff für die berühmtesten Gallier der Welt

Die Mistel wird mit Liebe und Fruchtbarkeit in Verbindung gebracht und galten als Allheilmittel, das ungeahnte Kräfte verleiht. Das wusste offensichtlich schon Miraculix, der seinen Zaubertrank aus Mistelsaft braute und damit Asterix, seinen berühmten großbäuchigen Freund und alle übrigen die Dorfbewohner im Kampf gegen die Römer stärkte.

Als die Sonne starb - Mythos Mistel

Dass die Mistel alles überwinden und Außergewöhnliches vollbringen kann, rührt wohl aus der mythologischen Überlieferung zu Balder aus der nordischen Sagenwelt. Balder ist eine germanische Gottheit, die den Sommer verkörpert, der laut Überlieferung eines Nachts von seinem Tod träumte. Seine besorgte Mutter, Freya, suchte daraufhin alle todbringenden Elemente, wie Pflanzen, Tiere und Steine auf und beschwor sie, ihrem Sohn nichts anzutun, was diese versprachen. Dabei vergaß sie die Mistel, die über allem in den Baumkronen trohnte. Das beobachtete der heimtückische Gott Loki. Als die anderen Götter von der Unverwundbarkeit Balders erfuhren, wollten sie dies auf die Probe stellen und versuchten Balder in einem ausgelassenen Wettbewerb mit allen Mitteln zu Fall zu bringen. Nichts gelang. Da brachte Loki dem blinden Bruder Balders, Hödur, einen Pfeil aus Mistel, den dieser auf Balder schoss. Dieser sank tödlich getroffen zu Boden und das Licht des Sommers verschwand mit ihm.

Bedeutung der Mistel als Heilpflanze -zwischen Mythos & Medizin

Bereits im Altertum galt die Mistel nicht nur als magisches, sondern auch als heilkräftiges Gewächs. Was einst die Druiden ehrfürchtig mit goldener Sichel schnitten, fand später Eingang in die Volksmedizin – als Mittel gegen Bluthochdruck, Epilepsie oder Unfruchtbarkeit. Auch die moderne Forschung hat sich dieser besonderen Pflanze angenommen und ihre Wirkstoffe für medizinische Präparate nutzbar gemacht. Da sie immunmodulierend wirkt und Zellwachstum hemmt, findet sie unter anderem in der Krebstherapie Anwendung.

Aber: Mistel gehört nicht in die Hausapotheke

Auch wenn in alten Büchern noch Empfehlungen für Teezubereitungen herausgegeben wurden, so ist von einem Hausgebrauch abzuraten. Denn die Beeren und Blätter der Mistel enthalten giftige Eiweiße (Viscotoxine und Lektine), die bei falscher Dosierung zu Übelkeit, Erbrechen und Kreislaufproblemen führen können. Daher gilt: Kein Selbstversuch mit Misteltee oder Tinkturen! Mistelpräparate dürfen nur in standardisierter Form und unter fachlicher Aufsicht von Ärzt:innen oder Heilpraktiker:innen angewendet werden.

Vom Vogelleim zur Redewendung

Übrigens: Die klebrigen Beeren dienten früher zur Herstellung von „Vogelleim“, mit dem man Singvögel fing – daher stammt der Ausdruck „jemandem auf den Leim gehen“. Ein Sinnbild dafür, wie eng Natur, Sprache und Aberglaube miteinander verwoben sind – ein letzter Beweis dafür, wie tief sich die bedeutungsvolle Mistel in unser kulturelles Gedächtnis verwoben hat.🌿

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Quellen

Caroline Lohrmann,  https://pflanzenfrau.de/mistel-blutdrucksenker, 16.12.2018.

Sabine Reber, www.lubera.com/de/gartenbuch/mistel-p2057, 20.11.2023.

Elietta Becker auf www.lubera.com/de/gartenbuch/mistelzweig-brauch-kuessen-unterm-mistelzweig-p2447.

Steffen Guido Fleischhauer, Jürgen Guthmann, Roland Spiegelberger, Enzyklopädie, Essbare Wildpflanzen, AT Verlag 2020, 14. Auflage 2023, S. 581.

Bild 1 Beitragsbild „immergrüne Mistel im Herbst“: selbst fotografiert

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Alle publizierten Inhalte in diesem Artikel sind sorgfältig recherchiert, in meiner Ausbildung zur Kräuterpädagogin erlernt und nur als Anregung und zur Unterhaltung gedacht. Sie können den Arztbesuch nicht ersetzen, den ich bei körperlichen Beschwerden immer empfehle. Kräuter, Bäume und Pilze, die ich hier vorstelle, sammle und verarbeite ich für den Eigengebrauch. Bei Zweifel oder Unsicherheiten rate ich, sich an Experten, gerne an mich, zu wenden oder im Rahmen einer Wildkräuterwanderung unter Aufsicht des Kräuter- und Pilzkundigen zu sammeln. Im Zweifel stehen lassen.

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