Hast du schon einmal die Blüten einer Hasel gesehen? Nein? Das geht den meisten so. Kein Wunder, denn sie widerspricht allem, was wir gemeinhin mit „Blüte“ verbinden: kein Duft und keine anlockenden Blütenblätter. Und doch gehört sie zu den ungewöhnlichsten und faszinierendsten Blütenformen unserer heimischen Pflanzenwelt. Was die Hasel so besonders macht, welche Rolle ihre weiblichen einfachen Blüten und die männlichen Blüten – die Haselkätzchen – spielen und wie wir dieses alte Wissen heute wieder nutzen können, erfährst du in diesem Beitrag.
Inhaltsverzeichnis
Haselkätzchen und Kindheitserinnerungen
Als Kinder haben wir die unscheinbaren Blüten der Hasel kaum wahrgenommen, dafür waren die Haselkätzchen umso präsenter. Unterwegs mit meinen Großeltern in der Natur, wurden jedes Frühjahr, die so genannten „Würmer“ der Hasel gesammelt und mit nach Huase genommen, wo sie dann in Jackentaschen vergessen wurden oder auf dem Tisch vor sich hin staubten. Denn kaum im Warmen, verloren sie in Massen ihre gelben Kostbarkeiten, ihren Pollen. Damals unbeachtet gelassen, ist mir heut viel bewusster, welche Kostbarkeiten wir dort unwissentlich gesammelt, aber ungenutzt entsorgt haben. Heute bin ich schlauer!
Ein Strauch mit Baumqualitäten – die Gemeine Hasel
Die Gemeine Hasel (Corylus avellana) wird im Volksmund oft als „Trüffelbaum“ bezeichnet – Baum in Anführungszeichen, denn botanisch gesehen ist sie eigentlich ein Strauch und zählt zu den Gehölzpflanzen. Dennoch geht sie Lebensgemeinschaften mit zahlreichen Pilzarten ein, darunter auch Trüffel, was ihr diesen ehrwürdigen Beinamen eingebracht hat. Wie die Birke gehört auch die Hasel zur Familie der Birkengewächse (Betulaceae).
Wie erkennst du die Gemeine Hasel?
Der Stamm der Hasel ist glatt, hellbraun und leicht glänzend. Charakteristisch sind die kleinen Lentizellen – porenartige Unebenheiten in der Rinde, die dem Gasaustausch mit der Umgebung dienen. Die Blätter sind rundlich bis herzförmig, fünf bis zwölf Zentimeter groß, mit doppelt gesägtem Rand und einem fein behaarten Blattstiel.
Von unscheinbaren Blüten und Haselkätzchen
Besonders bemerkenswert ist die Blütenform der Hasel. Sie ist einhäusig, das heißt, männliche und weibliche Blüten befinden sich auf derselben Pflanze – allerdings in sehr unterschiedlicher Gestalt. Die männlichen Blüten erscheinen als lange, gelbliche Kätzchen, während die weiblichen Blüten auf den ersten Blick fast unsichtbar bleiben. Sie bestehen lediglich aus feinen, gefächerten roten Narben, die aus den Knospen hervorschauen. Da die Hasel windbestäubt ist, braucht sie keine auffälligen Blüten, um Insekten anzulocken. Interessanterweise blühen zuerst die weiblichen, dann die männlichen Blüten – ein raffinierter Mechanismus, um Selbstbefruchtung zu vermeiden.
Haselkätzchen: Erste Nahrung für Wildtiere und Insekten im späten Winter
Auch wenn die Hasel nicht auf Insektenbestäubung angewiesen ist, spielen ihre Blüten dennoch eine wichtige Rolle im Ökosystem. An den ersten warmen Tagen im Frühjahr werden die proteinreichen Haselkätzchen von Bienen angeflogen und stellen – ähnlich wie die klassischen Frühjahrsblüher– eine wertvolle erste Nahrungsquelle dar. Für Wildtiere insgesamt sind Haselsträucher wichtige Futterpflanzen und bieten Schutz und Lebensraum.
Von Haselkätzchen, Blättern und Nüssen – Nutzung der Hasel in der Küche
Kulinarisch ist die Hasel vielseitiger, als man zunächst vermuten würde. Der Grundgeschmack von Blättern und Haselkätzchen ist eher stumpf-erdig, während die Früchte natürlich das typisch nussige Aroma tragen. Junge Haselblätter können fein geschnitten und mit anderen Wildpflanzen gemischt wie Spinat verwendet werden oder als herb-bitterliche Würzbeigabe in Wildpflanzensalz dienen. (Grundrezept für ein solche Wildpflanzensalz findest du im Artikel zur Erle.)
Besonders spannend sind die männlichen Blüten, die Haselkätzchen: Sie enthalten einen für Insekten sehr wertvollen, da proteinreichen Blütenstaub und auch wir Menschen können diese von etwa Februar bis April sammeln. Sie können gleich frisch vom Baum gesnackt werden. Allerdings gelten sie in der Pfanne angebraten und kandiert als Wildpflanzen-Delikatesse. (HIER gibt es ein Rezept.) Alternativ lassen sie sich auch zu einem schweißtreibenden Tee verarbeiten.
Die Früchte – die Haselnüsse – wachsen meist in Zweier- oder Dreiergruppen und sind wahre Nährstoffpakete.
Inhaltsstoffe und altes Heilwissen
In der Volksheilkunde werden Blätter und Rinde der Hasel wegen ihrer wertvollen Inhaltsstoffe geschätzt. Sie enthalten Polyphenole sowie mindestens zwei Prozent Gerbstoffe, die adstringierend, also zusammenziehend wirken. Zudem besitzen sie entzündungshemmende und abschwellende Eigenschaften. Ihre Wirkung entfaltet sich traditionell bei schweren Beinen, Venenschwäche, Krampfadern, Ödemen, Venenentzündungen oder auch Hämorrhoiden genutzt (ähnlich, wie die Rosskastanie).
Die Haselnuss selbst liefert fettes Öl, reich an essenziellen Fettsäuren, dazu Phytosterine, Zucker, etwa 20 % Eiweiß sowie die Vitamine B1, B2 und E. Hinzu kommen zahlreiche Mineralstoffe wie Calcium, Magnesium, Mangan, Silizium, Phosphor und Kalium sowie wichtige Spurenelemente. Haselnussöl gilt nicht nur als hochwertiges Speiseöl, sondern kann auch zur Hautpflege verwendet.
Fazit
Die gemeine Hasel ist weit mehr als ein unscheinbarer Strauch am Waldrand. Sie verbessert mit ihren alkalischen Blättern die Bodenqualität, nährt Wildtiere und Insekten, schenkt uns nährstoffreiche Früchte und trägt ein stilles, fast vergessenes Wissen in sich. Wer lernt, genauer hinzusehen, entdeckt in ihrer unscheinbaren Blüte ein faszinierendes Beispiel dafür, wie raffiniert und vielseitig die heimische Pflanzenwelt ist.
Bilder
Quellen
Christophe de Hody, Unsere Bäume und was sie uns Gutes tun, Frederking & Thaler Verlag in der Bruckmann Verlag GmbH, 2020, S. 149 ff..
Steffen Guido Fleischhauer, Jürgen Guthmann, Roland Spiegelberger, Enzyklopädie, Essbare Wildpflanzen, AT Verlag 2020, 14. Auflage 2023, S. 202 ff..
Margot und Dr. Roland Spohn u.a., Kosmos-Naturführer, Das Original, Was Blüht denn da?, Kosmos Verlag 2021, 60. Auflage.
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