Am 8. März ist Frauentag – ein Tag, der weltweit der Würdigung von Frauen, ihrer Stärke und ihrer Lebensrealitäten gewidmet ist. Dieses Datum bietet eine wunderbare Gelegenheit, das Thema Frauengesundheit in den Mittelpunkt zu stellen. Gleichzeitig möchte ich ausdrücklich betonen, dass sich dieser Artikel nicht ausschließlich an Frauen richtet. Auch andere Geschlechter kennen zyklische Beschwerden, hormonelle Schwankungen oder stressbedingte Symptome und können von den vorgestellten Pflanzen profitieren.
Das Thema passt hervorragend zum Frauentag, soll aber vor allem eine Einladung sein: sich mit sanften, natürlichen Begleitern aus der Pflanzenwelt zu beschäftigen, die Menschen seit Generationen unterstützen. Pflanzen begleiten Frauen seit jeher durch unterschiedliche Lebensphasen – von der ersten Menstruation über hormonelle Übergänge bis hin zu Zeiten erhöhter emotionaler oder körperlicher Belastung. Ihr Wissen ist alt, ihre Wirkung oft erstaunlich aktuell.

Wenn Pflanzen Frauen stärken
Beschwerden, die mit dem weiblichen Körper und Hormonhaushalt einhergehen, können sich auf sehr unterschiedliche Weise zeigen: Migräne, Regelschmerzen, Blutungsbeschwerden, ein unregelmäßiger Zyklus, Stimmungsschwankungen oder weitere typische Symptome der Wechseljahre. Diese Herausforderungen sind so individuell wie die Menschen selbst.
Die Natur hält dafür eine Vielzahl an Pflanzen bereit, die wie dafür geschaffen scheinen, Frauen (und andere Betroffene) in ihren jeweiligen Lebensphasen zu begleiten. Viele dieser Kräuter wirken nicht isoliert auf ein einzelnes Symptom, sondern ganzheitlich – regulierend, stärkend und ausgleichend.
Zyklus, Hormone und innere Balance – diese Kräuter unterstützen die Frauengesundheit
Wildpflanzen für den Zyklus
Ein regelmäßiger Zyklus ist für viele Menschen keine Selbstverständlichkeit. Schmerzen, starke oder schwache Blutungen sowie hormonelle Dysbalancen können den Alltag erheblich beeinträchtigen. Wildpflanzen wurden in der Volksheilkunde traditionell eingesetzt, um den Zyklus zu regulieren und Beschwerden zu lindern.
Im Folgenden stelle ich vier Pflanzen vor, die sich besonders bewährt haben. Diese Auswahl ist jedoch nicht abschließend und versteht sich als Einladung zum weiteren Entdecken.








Schafgarbe
Die Schafgarbe zählt zu einer der wichtigsten Pflanzen in der Hausapotheke. (Marie-Claude Paume, Grün, wild und schmackhaft, Lebendige Nahrung gratis aus der Natur, Übersetzung aus dem Französischen von Elisabeth Liebl, Hans Nietsch Verlag, 2011, S. 228) Die Blüten sind hervorragend für Tees geeignet. Die gesamte Pflanze wirkt u.a. anregend auf den Blutkreislauf (besonders wertvoll in der Menopause) und regulierend bei unregelmäßiger Menstruation. (Vorsicht! Geringe Mengen sind unbedenklich. Allerdings ein geringer Gehalt an Thujon (Nervengift, dass in hoher Dosierung Krämpfe und erhöhte Lichtempfindlichkeit hervorrufen kann).
Beifuß
Und, oh Wunder, wer hätte das gedacht: Selbst der Beifuß ist nicht nur KRÄUTERHELD DER FESTTAGSKÜCHE, sondern auch ein sanfter Begleiter u.a. rund um den weiblichen Zyklus. Bei schwacher Regelblutung wirkt er anregend. Bei starker Blutung wirkt seine entkrampfende Wirkung lindernd auf Regelschmerzen. In der Menopause eingesetzt wirkt er regulierend auf Hitzewallungen. (Achtung bei Schwangerschaft: Wirkt wehenfördernd daher auf Einnahme verzichten)
Hirtentäschel
Schon seit Jahrhunderten wird das Hirtentäschel in verschiedenen Kulturen u.a. für seine medizinischen Eigenschaften geschätzt. In der traditionellen Volksmedizin wurde es oftmals zur Behandlung von Blutungen, Verdauungsstörungen und Hauterkrankungen eingesetzt. Denn das kleine aber feine Kraut, dessen Früchte an kleine Herzchen erinnern, hat stark blutstillende Eigenschaften und war schon in der Volksheilkunde ein guter Begleiter bei starken Regelblutungen.
Frauenmantel
Frauenmantel ist, wie der Name schon vermuten lässt, das Frauenkraut schlechthin. Er hat adstringierende (zusammenziehende) und blutstillende Eigenschaften, wirkt entzündungshemmend und löst Krämpfe im Becken. Außerdem lindert er Beschwerden in den Wechseljahren. Leider wächst er überwiegend in Gebirgen. Bei uns im Flachland findet man ihn in Beetbepflanzungen. Verwildert habe ich Frauenmantel mal in Ziegenrück gefunden. In Brandenburg ist er mir in freier Wildbahn noch nicht begegnet. In jedem gut sortierten Kräuterladen findest du ihn sicher getrockneten.
Meine Bonus-Tochter und ich haben schon positive Erfahrungen mit einer Teemischung aus Schafgarbe und Beifuß gemacht. Folgendes Rezept kann ich dir empfehlen: 1 Esslöffel getrocknete Schafgarbenblüten und einen Esslöffel getrockneten Beifuß (Blätter und Blüten) mit 1 Liter heißem Wasser aufgießen und 5 Minuten ziehen lassen. Über den Tag verteilt trinken. Half besonders gut bei Regelschmerzen.
Wildpflanzen für die Frauengesundheit in den Wechseljahren
Es gibt Wildpflanzen, die hormonellen Schwankungen entgegenwirken und sich damit ausgleichend z.B. bei Wechseljahrsbeschwerden auswirken. Dafür sind meist Isoflavone verantwortlich. Sie sind eine Gruppe von Pflanzenstoffen, die als Phytoöstrogene bekannt sind. Sie kommen hauptsächlich in Hülsenfrüchten wie Sojabohnen, Kichererbsen und Linsen vor und haben sowohl antioxidative als auch hormonregulierende Eigenschaften. Isoflavone können den Hormonhaushalt im Körper regulieren, insbesondere bei Frauen in den Wechseljahren, und tragen zur Linderung von Symptomen wie Hitzewallungen und Schlafstörungen bei. Sie haben auch potenzielle Vorteile für die Knochengesundheit und können das Risiko für bestimmte Krankheiten verringern.




Rot- und Weiß-Klee
Beide Klee-Arten enthalten die eben erwähnten Isoflavone, allerdings in unterschiedlichen Konzentrationen. Beide Klee-Arten können eine übermäßige Östrogenbildung wieder normalisieren und wirken sich deshalb ausgleichend auf Hormonschwankungen aus. Daher gewinnen Klee-Arten immer mehr Bedeutung in der Frauenheilkunde. Ein einfaches Rezept für einen ausgleichenden Tee, der mir sehr gut bei Wechseljahrsbeschwerden geholfen hat, findest du am Ende des Artikels.
Hopfen
Hopfen wird eine beruhigende Wirkung nachgesagt, daher wird der Hopfen in der Volksmedizin vor allem auch zur Beruhigung bei Nervosität sowie bei Appetitlosigkeit angewendet. Außerdem enthält Hopfen Phytoöstrogene, die an unseren Östrogenrezeptoren anbinden, da sie von der Struktur her dem weiblichen Geschlechtshormon ähneln. Daher kann Hopfen Frauen in den Wechseljahren helfen, dass er das Ungleichgewicht im Hormonhaushalt ausgleichen und die Beschwerden, die damit einhergehen, lindern kann.
Mönchspfeffer
Ein Must-Have bei hormonellen Frauenleiden ist der Mönchspfeffer. Er vermindert typische Symptome des Prämenstruellen Symptoms, von Menstruationsbeschwerden und wirkt allgemein positiv auf den weiblichen Hormonhaushalt. Zudem wirkt er beruhigend und ausgleichend. Leider wächst diese Wildpflanze eher in der Mittelmeerregion, so dass wir sie in Deutschland kaum wild finden werden. Allerdings kannst du Mönchspfeffer beim gut sortierten Kräuterhändler deines Vertrauens.
Kräuter für Ruhe, Nerven und Wohlbefinden
Hormonelle Veränderungen, Stress und emotionale Belastungen wirken sich nicht nur auf den Körper, sondern auch auf das seelische Wohlbefinden aus. Nervosität, Schlafstörungen, innere Unruhe oder Stimmungstiefs begleiten viele Menschen – besonders in herausfordernden Lebensphasen.
Auch hier bietet die Pflanzenwelt wertvolle Unterstützung. Einige Kräuter wirken beruhigend auf das Nervensystem, andere heben sanft die Stimmung oder fördern einen erholsamen Schlaf. Sie können helfen, wieder mehr innere Balance zu finden und den Alltag gelassener zu meistern.
Johanniskraut
Johanniskraut ist eine allseits bekannte Pflanze, die bei Angstzuständen und Depressionen zum Einsatz kommt, denn die Wirkung dieser altbewährten heimischen Heilpflanze ist wissenschaftlich belegt. Johanniskraut vereint eine Kombination aus ätherischen Ölen, Flavonoiden, Gerbstoffen und dem rotfärbenden Inhaltsstoff Hypericin, womit Johanniskraut das Gemüt erhellen, Nervosität ausgleichen und auch so für einen guten Schlaf sorgen kann. Es macht sich hervorragend in einem Oxymel mit Johanniskrautblüten, mit dem ich schon gute Erfahrungen gemacht habe. Allerdings sollte beachtet werden, dass Johanniskraut die Empfindlichkeit gegenüber Sonnenlicht erhöht und die Wirksamkeit von anderen Arzneimittel herabsetzt.


Melisse
Zitronenmelisse ist wegen ihres breiten Wirkspektrums bereits seit dem Mittelalter eine geschätzte Heilpflanze, die über den Tee hinaus auch in Badezusätzen und als Hauptzutat im berühmten „Melissengeist“ Anwendung findet. Die Melisse wirkt beruhigend, lindert nahezu alle nervösen Erkrankungen und bildet einen willkommenen Ausgleich im hektischen Alltag. Sie ist u.a. hilfreich bei Schlafstörungen, Krämpfen und Menstruationsbeschwerden, Migräne und Unruhe. Dabei sollte diese Aufzählung nicht als abschließend angesehen werden.
Lavendel
Das Wirkungsspektrum des Lavendels ist, wie bereits bei der Melisse breit gefächert. Er wirkt u.a. entzündungshemmend, antibakteriell und pilzhemmend. Seit dem Mittelalter wird die Anwendung von Lavendelblüten und dem daraus gewonnenen Öl erwähnt und findet medizinische Verwendung bei Unruhe, Schlafstörungen, Nervosität und psychosomatischen Beschwerden. Alles in Allem bietet er Entspannung für Körper und Seele.
Frauengesundheit heute: Wissen neu entdecken
Frauengesundheit bedeutet heute mehr denn je, Verantwortung für den eigenen Körper zu übernehmen und bewusst hinzuhören, wenn Körper und Seele nach Ausgleich verlangen. Altes Kräuterwissen erlebt dabei eine neue Wertschätzung: Nicht als Ersatz für die moderne Medizin, sondern als sinnvolle Ergänzung im Alltag.
Viele Menschen sehnen sich nach natürlichen, sanften Wegen, um Beschwerden zu lindern und ihr Wohlbefinden zu stärken. Heilpflanzen können dabei unterstützen, wieder mehr in Verbindung mit dem eigenen Körper zu kommen. Entscheidend ist ein achtsamer und informierter Umgang mit Naturheilmitteln – mit Respekt vor ihrer Wirkung und den eigenen Grenzen.
Wichtiger Hinweis für AllergikerInnen
Jeder Mensch bringt andere Voraussetzungen mit und reagiert auf die Pflanzen die uns umgeben ganz einzigartig. Daher sollten Allergiker besondere Vorsicht walten lassen. Grundsätzlich weise ich daher darauf hin, dass der Genuss von Wildpflanzen bei empfindlichen Menschen Allergien auslösen können. Wenn du damit noch keine Erfahrung gemacht hast, oder dir unsicher bist, probiere erstmal kleine Mengen aus und beobachte, wie du darauf reagierst. Wenn dein Körper darauf nicht negativ reagiert, kannst du die Portion von Mal zu mal steigern, bis du dir ausreichend sicher sein kannst, dass du diese ganz besondere Pflanze verträgst.
Abschlussgedanken
Der Frauentag erinnert uns daran, weibliche Stärke, Vielfalt und Lebensrealitäten zu würdigen. Gleichzeitig lädt er dazu ein, das Thema Frauengesundheit ganzheitlich zu betrachten – körperlich, emotional und mental.
Pflanzen können uns dabei sanft begleiten, uns unterstützen und stärken. Vielleicht ist dieser Artikel eine Einladung, das alte Wissen neu zu entdecken, eigene Erfahrungen zu sammeln und der eigenen Gesundheit mit mehr Aufmerksamkeit und Wertschätzung zu begegnen – nicht nur am 8. März, sondern an jedem Tag des Jahres. 🌿Daher lade ich dich dazu ein, auch einen Blick auf 101 Verwendungsmöglichkeiten von Wildpflanzen zu werfen. Du wirst erstaunt sein, was sie noch alles können.
Bildnachweise
Beitragsbild Bild 1: Kräutersammlung mit Johanniskraut, Schafgarbe und Rot-Klee, selbst fotografiert
Bild 2: Schafgarbe, selbst fotografiert
Bild 3: Nahaufnahme Beifuß, selbst fotografiert
Bild 4: Blüten und Früchte eines Hirtentäschels, selbst fotografiert
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Bild 5: Nahaufnahme eines Blattes vom Frauenmantel mit Guttationstropfen, selbst fotografiert
Bild 6: Nahaufnahme von Rot-Klee-Blüten, selbst fotografiert
Bild 7: Hopfenzapfen, selbst fotografiert
Quellen
Marie-Claude Paume, Grün, wild und schmackhaft, Lebendige Nahrung gratis aus der Natur, Übersetzung aus dem Französischen von Elisabeth Liebl, Hans Nietsch Verlag, 2011, S. 228, 96, 82, .
Steffen Guido Fleischhauer, Jürgen Guthmann, Roland Spiegelberger, Enzyklopädie
Essbare Wildpflanzen, AT Verlag 2020, 14. Auflage 2023, S. 437 f., 383 f., 433, 225.
Marianne Wollrabe, https://traditionart-leben.de, 11.05.2024.
https://praxistipps.focus.de.
Sandra Keller-Gramlich und Alexander Gramlich, Die moderne Kräuterhexe, Mit Wildkräutern und Heilpflanzen durchs ganze Jahr, Erschienen im Eigenverlag 2024, 6. Auflage, S. 101.
Lust auf Natur, Natur entdecken, Natur erleben, Natur genießen, Heft 11, November 2019, S. 51.
Hinweise an alle
Alle publizierten Inhalte in diesem Artikel sind sorgfältig recherchiert, in meiner Ausbildung zur Kräuterpädagogin erlernt und nur als Anregung und zur Unterhaltung gedacht. Sie können den Arztbesuch nicht ersetzen, den ich bei körperlichen Beschwerden immer empfehle. Kräuter, Bäume und Pilze, die ich hier vorstelle, sammle und verarbeite ich für den Eigengebrauch. Bei Zweifel oder Unsicherheiten rate ich, sich an Experten, gerne an mich, zu wenden oder im Rahmen einer Wildkräuterwanderung unter Aufsicht des Kräuter- und Pilzkundigen zu sammeln. Im Zweifel stehen lassen.
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