Scharbockskraut: Giftig oder Superfood? Das solltest du wissen
Wenn der Winter langsam seinen Griff lockert und die ersten grünen Spitzen aus dem Boden lugen, beginnt für viele Wildkräuterfreunde eine ganz besondere Zeit. Noch bevor Bärlauch, Brennnessel oder Giersch erscheinen, bedeckt ein unscheinbares, aber leuchtend grünes Pflänzchen feuchte Waldböden, Wiesen und Gärten: das Scharbockskraut. Oft unbeachtet, manchmal sogar als lästiges „Unkraut“ verkannt, verbirgt sich in ihm eine erstaunliche Geschichte – und ein bemerkenswertes Nährstoffpotenzial.
Tatsächlich gehört das Scharbockskraut zu den frühesten essbaren Wildpflanzen des Jahres und spielte über Jahrhunderte hinweg eine wichtige Rolle in der Ernährung der Menschen. Grund genug also, einen genaueren Blick auf dieses kleine Frühlingskraut zu werfen und der Frage nachzugehen, warum es einen Platz in meiner „Hall of Fame der Superfoods“ verdient hat.
Inhaltsverzeichnis
Weißt du schon? Wissenswertes aus der Kräuterkunde
Das erste Grün des Jahres – Begegnung mit dem Scharbockskraut
Das erste heimische Superfood des Jahres? Ich sag’s dir, ist das Scharbockskraut (Ficaria verna/Ranunculus ficaria). Doch was bedeutet eigentlich der Begriff Superfood und warum ist ausgerechnet ein Kraut, dass nach der Blüte als zu giftig für den Verzehr gilt, zu einem heimischen Superfood erkoren? Lass es mich erklären.
Was bedeutet Superfood eigentlich?
Zunächst steht die Frage im Raum, was Superfoods überhaupt genau sind? Superfoods sind Nahrungsmittel, die sich durch einen überdurchschnittlichen Gehalt an wertvollen Inhaltsstoffen auszeichnen und sich daher als unverzichtbar für die tägliche gesunde Ernährungsroutine erweisen. Im gleichen Zuge schreibt man den Superfoods eine Reihe positiver Effekte auf die Gesundheit zu und bringt sie in Verbindung mit z.B. einer besonderen Stärkung des Immunsystems oder etwa einer Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit. Dabei galten lange Zeit eher die exotischen Nahrungsmittel von anderen Kontinenten als Europa als Wundermittel. Anfangs als Marketinginstrument genutzt, um exotische Gewürze und Nahrungsmittel als besonders gesund zu deklarieren, gewinnt der Begriff im Rahmen der Verwendung heimischer Wildpflanzen und Pilze mehr und mehr an Bedeutung. Sie gelten damals wie auch heute wieder als wertvolle Ergänzung zu einer ausgewogenen Ernährung, die den Körper mit wichtigen Nährstoffen versorgen. Zudem sind heimische Superfoods eine nachhaltige Alternative zu den exotischen. Die durchaus überzeugenden Argumente sprechen für sich:
- sie wachsen direkt vor unserer Haustür
- sie können selbst gesammelt werden
- sie haben kürzere Transportwege
- sie stecken voller gesunder Inhaltsstoffe
Sind Superfoods wirklich gesund? Eine kritische Einordnung
Es bleibt jedoch zu betonen, dass die gesundheitlichen Effekte von Superfoods oft nicht wissenschaftlich belegt sind und die Vorteile einer gesunden Ernährung durch Superfoods allein nicht ersetzt werden können. Eine ausgewogene Ernährung, die auf einer Vielfalt von unterschiedlichen Lebensmitteln basiert, ist der beste Weg, um die Gesundheit zu fördern.
Warum Scharbockskraut als heimisches Superfood gilt
Bleibt die Frage offen, was denn nun das Scharbockskraut zu einem Superfood macht. Denn das Scharbockskraut gehört zu der Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae), die im Allgemeinen als giftig gelten. Sie enthalten das Gift Protoanemonin. Dieses ist ein Nervengift, das in hohen Dosen Lähmungen und im schlimmsten Fall den Tod verursachen kann. Auch das Scharbockskraut enthält dieses Gift. Am höchsten konzentriert ist es im Wurzelstock und den Brutknöllchen in den Blattachseln. Es ist auch in den Blättern enthalten, vor der Blüte jedoch nur in unbedenklichen Mengen. Mit Beginn der Blütezeit nimmt der Gehalt an Protoanemonin in der gesamten Pflanze zu, weshalb sie ab der Blütezeit nicht mehr verzehrt werden sollte.
Scharbockskraut giftig oder essbar? Der richtige Zeitpunkt entscheidet
Auch das Scharbockskraut enthält dieses Gift. Am höchsten konzentriert ist es im Wurzelstock und den Brutknöllchen in den Blattachseln. Vor der Blüte ist es auch in den Blättern enthalten, jedoch nur in unbedenklichen Mengen. Mit Beginn der Blütezeit nimmt der Gehalt an Protoanemonin in der gesamten Pflanze zu, weshalb sie ab der Blütezeit nicht mehr verzehrt werden sollte.
Inhaltsstoffe des Scharbockskrauts und seine historische Bedeutung
Fakt ist, dass die Blätter des Scharbockskrauts aber auch Vitamin C, Saponine, Ranunculin sowie Gerbstoffe enthalten. Nach einem langen Winter oder langer Zeit auf See, in denen die Menschen sich nach frischen und vitaminreichen Nahrungsmitteln mit Vitamin C verzehrten, war das Scharbockskraut das erste Wildkraut im Jahr, was den Vitaminmangel ausgleichen konnte. Daher auch der Name Scharbock (Skorbut, schwere Form des Vitamin-C-Mangels).
Hokuspokus? Mythologie, Überlieferungen, Brauchtum
Scharbockskraut in Brauchtum, Mythologie und Kunst
Im Übrigen wurde das Scharbockskraut in den Höfen von Bürgern, Pfarrhäusern und Landbesitzern angebaut und galt als Kennzeichen für ein Haus von Stand. Die Wichtigkeit des Scharbockskrauts und deren Verehrung findet sich selbst in Kirchen wieder. So in der St. Bavo Kathedrale in Gent. Dort ist das Scharbockskraut Teil eines Altar-Gemäldes. Es ist zusammen mit vielen anderen Gewächsen, die in der Entstehungszeit des Genter Altars für Heilkunde, Tradition oder Glaubensfragen wichtig waren, abgebildet. Hätten sie es damals schon gekannt, hätten sie es wohl auch schon als Superfood bezeichnet. Als Heilkraut findet es heute aber leider keine Verwendung mehr. Trotzdem hat es deshalb durchaus einen Platz in meiner „Hall of Fame der Superfoods“ verdient.
Scharbockskraut erkennen – Merkmale, Standort und Wuchsform
Das Scharbockskraut ist eine mehrjährige Pflanze und wächst jedes Frühjahr an der gleichen Stelle: bevorzugt auf nährstoffreichen, feuchten Böden z.B. im Unterholz von Bäumen und Büschen, oft direkt am Waldrand. Weitere Standorte sind feuchte Wiesen, Auen, Wegränder, Parks und Gärten. Im Garten meiner Schwiegereltern habe ich es aber auch mitten im Rasen entdeckt. Wenn ihr es nicht bereits im Vorjahr anhand der 8 – 12 gelben, wachsartig glänzenden Blütenblätter bestimmt habt, dann erkennt ihr es im Frühjahr meistens ab Mitte Februar bis vor der Blüte im März an den rundlichen oder auch herzförmigen, glänzenden Blättern. Es wachsen oft mehrere Pflanzen teppichartig beieinander und etwa Ende Mai/Anfang Juni, sobald die Bäume austreiben und kaum mehr Licht auf den Boden gelangt, vergilben Blätter und Blüten und es zieht sich zurück.
Scharbockskraut verwenden – so lässt sich das Wildkraut nutzen
Die jungen, säuerlich schmeckenden Blätter, werden bis heute als Beigabe zu einem leckeren Frühlingssalat verwendet. Von einem reinen Scharbockskrautsalat muss ich aufgrund des wenn anfangs auch nur geringen Gehalts an Protoanemonin jedoch abraten. Die Blätter können aber auch einen Kräuterquark, eine Kräuterbutter oder einen Aufstrich lecker und gesund ergänzen.
Scharbockskraut verwechseln vermeiden – diese Pflanzen sehen ähnlich aus
Anhand der herzförmigen oder auch nierenförmigen Blätter, die speckig glänzen, ist das Scharbockskraut vor der Blüte gut erkennbar. Zur Blütezeit blühen noch weitere Vertreter der Hahnenfußgewächse, ebenfalls gelb. Und alle giftig. Da aber das blühende Scharbockskraut ab der Blüte nicht mehr verzehrt werden sollte, einfach die Finger von gelb blühenden Frühblühern lassen.
Scharbockskraut sammeln – Regeln für sicheres und nachhaltiges Ernten
Sammelregeln zum Scharbockskraut, die ich dir, wie auch schon beim GÄNSEBLÜMCHEN ans Herz legen möchte:
- an sauberen Standorten, also nicht an Straßen oder auf Hundewiesen
- nur kleine Mengen abernten, dass eine Möglichkeit zur Vermehrung bleibt, schließlich möchtest du im Folgejahr auch wieder an der gleichen Stelle ernten
- nur kleine Mengen verwenden, aufgrund des enthaltenen Protoanemonins
- nur vor der Blüte ernten
- nur Blätter ernten
Fazit: Scharbockskraut ist kein Wundermittel, aber ein wertvolles Wildkraut
Scharbockskraut ist kein Wundermittel, aber ein historisch belegtes, nährstoffreiches Wildkraut mit besonderem Frühjahrswert. Gerade seine frühe Verfügbarkeit, sein Gehalt an Vitamin C und weiteren wertvollen Inhaltsstoffen sowie seine lange Nutzungsgeschichte machen es zu einem spannenden Vertreter der heimischen „Superfoods“. Dabei zeigt sich einmal mehr, dass es nicht immer exotische Beeren oder weit gereiste Pulver sein müssen, um den eigenen Speiseplan sinnvoll zu bereichern – oft wachsen die wertvollsten Zutaten direkt vor unserer Haustür.
Wer das Scharbockskraut bewusst, maßvoll und zum richtigen Zeitpunkt sammelt, kann von seinen positiven Eigenschaften profitieren und zugleich eine alte Wildpflanzentradition wiederentdecken. Gleichzeitig erinnert uns das Scharbockskraut daran, wie wichtig Pflanzenkenntnis, Achtsamkeit und Respekt gegenüber der Natur sind – denn Nutzen und Gift liegen hier, wie bei vielen Wildkräutern, nah beieinander.
So steht das Scharbockskraut sinnbildlich für einen bewussteren Umgang mit heimischen Wildpflanzen: als kleine, aber wertvolle Ergänzung zu einer abwechslungsreichen Ernährung, als Zeichen für den Neubeginn des Frühlings und als Einladung, die Schätze unserer Umgebung mit offenen Augen neu zu entdecken.
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Bilder
Quellen
Steffen Guido Fleischhauer, Jürgen Guthmann, Roland Spiegelberger, Enzyklopädie, Essbare Wildpflanzen, AT Verlag 2020, 14. Auflage 2023, S. S. 141.
Karin Greiner, https://www.pflanzenlust.de, Stand 13. Jan. 2023
Torsten Purle, www.kraeuter-buch.de, aktualisiert am 21.03.2025.
Roland Spohn u.a., Kosmos-Naturführer, Das Original, Was blüht denn da?, 2021, 60. Auflage, S. 290.
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